Wechsel im Restaurant Im Theaterhaus fällt für zwei Gastronomen der Vorhang

Seit 1997 für die gastronomische Versorgung des Publikums im Theaterhaus zuständig: Jürgen Plankenhorn und Uli Stengel. Foto: Lichtgut/Rettig

Nach fast drei Jahrzehnten verlassen Jürgen Plankenhorn und Uli Stengel als Pächter das Restaurant in der Kultureinrichtung. Der Nachfolger wird noch nicht beim Namen genannt.

Böblingen: Kathrin Haasis (kat)

In 28 Jahren sammelt sich vieles an: allein 16 Rollwagen mit Dekoartikel für Weihnachten und Ostern, außerdem hunderte Väschen, Gläser, Teller, Besteck, Stühle, ein Kronleuchter. „Alles muss raus“, sagt Uli Stengel. „Immer denkt man, man könnte es doch noch gebrauchen“, erklärt Jürgen Plankenhorn die großen Mengen. Mit einem Flohmarkt verabschieden sich die Gastronomen Ende Juli vom Theaterhaus, nach fast drei Jahrzehnten ist ihr Pachtvertrag nicht verlängert worden. Mit dem Wandel des Viertels um das Theaterhaus „haben sich die Anforderungen an ein zeitgemäßes gastronomisches Angebot verändert“, erklärt Valerian Geiger den Grund für die Veränderung. Es gab ein Bewerbungsverfahren, an dem die aktuellen Pächter teilnahmen. „Erfahrene Akteure aus der Stuttgarter Kultur- und Gastroszene“ machten das Rennen, teilt der kaufmännische Leiter des Theaterhauses mit, ohne Namen zu nennen.

 

Von Woody Allen bis Alfred Biolek

In Erinnerungen können Uli Stengel und Jürgen Plankenhorn nicht gerade schwelgen. Dabei haben sie jede Menge Höhepunkte im Restaurant des Theaterhauses erlebt. Als Woody Allen zum Beispiel im Jahr 2004 nach dem Auftritt mit der Klarinette bei ihnen einkehrte. Der Fernsehmoderator Alfred Biolek blieb bis tief in die Nacht. „Das war ein lustiger Abend, das war nett“, sagt Jürgen Plankenhorn. Ein Restaurant in einem Theater ist eben etwas Besonderes. Den größten Unterschied machen für Uli Stengel aber nicht die Künstler und Prominente als Gäste aus, sondern das Publikum. „Es ist ein Stoßgeschäft“, sagt er. Die Gäste kommen um 18.30 Uhr mit Hunger, wollen vor der Vorstellung um 20 Uhr schnell essen, trinken und zahlen, in der Pause muss es dann wieder zackig beim Ausschenken von Getränken gehen, dazwischen herrscht Ruhe, und wenn der Vorhange gefallen ist, „wird es im besten Fall noch einmal voll“.

Seit fast 28 Jahren auf der Speisekarte des Restaurants: Wilde Kartoffeln mit Salat (13,80 Euro). Auch Gästewunsch kehrte das Gericht nach einer kurzen Unterbrechung wieder zurück. Foto: Michael Weier

Über ihren Chef Fips Hohnecker sind die beiden Köche ans Theaterhaus gekommen. Im Restaurant Pfund, das damals zu den besten der Stadt zählte, hatten sie gearbeitet, als der Wirt mit dem Start des soziokulturellen Zentrums in Stuttgart-Wangen das dortige Bistro übernahm. Als Schlagzeug-Techniker und leidenschaftlicher Jazzer war er mit dem Gründerehepaar Schretzmeier verbandelt. Im Jahr 1997 wurden Jürgen Plankenhorn und Uli Stengel dann gefragt, ob sie die Gastronomie nicht übernehmen wollten. „Es war echt süß“, sagt Uli Stengel über das Lokal im Keller der Industriehalle und den Biergarten davor. Auf diesen Einstieg in die Kulturbewirtung folgten dann weitere Engagements wie 2003 im Schauspielhaus oder bis heute im Wilhelma-Theater. Von 2011 bis 2019 betrieben sie außerdem das Vereinsheim vom TV Cannstatt namens Neuer Pfefferer.

Den Umzug des Theaterhauses auf den Pragsattel wollten Jürgen Plankenhorn und Uli Stengel eigentlich gar nicht mitmachen, weil im neuen Haus hohe Investitionen notwendig gewesen wären. Stattdessen kam Wilhelm Ramminger, der von 1966 an über drei Jahrzehnte die Schlagerstars in sein Lokal Gutshof nach Stuttgart geholt hatte. „Es war ein glückloses Engagement: zu rustikal die Speisen, zu lieblos die Einrichtung, zu behäbig der Service“, stand damals in der Zeitung. Nach ein paar Monaten rief Gudrun Schretzmeier bei Jürgen Plankenhorn und Uli Stengel an. Sie ersetzten dann unter anderem „hässliche Plastik-Tische“ mit Exemplaren aus Holz, Bauhaus-Regale durch eine Bar und stellten auf die langen Heizkörper viele Töpfe mit Bogenhanf. Der laut dem Redakteur „vollgestopften Speisekarte“ folgte eine „kleine, aber feine Auswahl“ an schwäbisch-internationalen Gerichten. Seit Anfang und bis heute zu haben sind die Wilden Kartoffeln mit Knoblauch-Dip und Salat, die auf Gästewunsch nach einer kurzen Unterbrechung zurückkehrten. „Wir wurden gleich überrannt“, erinnert sich Uli Stengel. Mit 180 Sitzplätzen, täglichem Betrieb und Mittagstisch auch für viele Büros war die neue Aufgabe eine große. „Wir sind mit dem Theaterhaus gewachsen“, sagt Jürgen Plankenhorn über ihre Firma PS!. Ein sehr unterschiedliches Publikum zu bedienen, das vom Punk-Konzertgänger bis zum Ballettfan reicht, hat beiden immer viel Spaß gemacht.

Eine nicht immer einfache Herausforderung

Jürgen Plankenhorn und Uli Stengel hoffen, dass sie auf ihrem Flohmarkt von 22. bis 26. Juli viel Ballast abgeben können. „Es ist auch mal cool, wenn das Telefon nicht klingelt“, sagt der eine über die Ruhe, die wahrscheinlich nach dem 31. Juli einsetzt, „es wird spannend“, der andere. Der Nachfolger soll laut Valerian Geiger im Herbst nach einem Umbau starten. Da die große Halle wegen Sanierung bis dahin geschlossen ist, wird mit weniger Andrang gerechnet, der über Foodtrucks abgedeckt wird. In einem Haus mit bis zu 800 Veranstaltungen im Jahr und 1800 Besuchern an manchen Abenden sei die Gastronomie eine Herausforderung und „nicht immer einfach zu bewältigen“, teilt Werner Schretzmeier zum Abschied der langjährigen Weggefährten noch mit. „Das hat über all die Jahre funktioniert“, zieht der Theaterhaus-Gründer Bilanz, „wir bedanken uns bei der Firma PS!.“

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