Stuttgart-Ost Türkischer Supermarkt muss Back-Manufaktur weichen

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Die Firma Königsbäck will im Stuttgarter Osten auf der Fläche des Nergiz Marktes eine Schau-Bäckerei mit Eventcharakter eröffnen. Dafür aber muss der türkische Supermarkt schließen.

Francesco Ingrassia (hinten rechts im blauen Hemd und Käppi)  und sein Königsbäck-Team. Foto: Caroline Friedmann
Francesco Ingrassia (hinten rechts im blauen Hemd und Käppi) und sein Königsbäck-Team. Foto: Caroline Friedmann

Stuttgart-Ost - Wenn er über die Pläne für seine neue Bäckerei spricht, sprudeln die Worte nur so aus Francesco Ingrassia heraus, seine Augen leuchten vor Begeisterung. Der Geschäftsführer der Gablenberger Bio-Bäckerei „Königsbäck“ will auf der Fläche des Nergiz Marktes, schräg gegenüber von seiner Filiale an der Gablenberger Hauptstraße, eine „Show-Bäckerei“ eröffnen. Eine gläserne Backstube mit Café, Lounge-Ecke und Events. „Transparenz ist uns ganz wichtig, deshalb möchten wir, dass die Leute zusehen können, wie und woraus ihr Brot oder ihre Brezeln produziert werden“, erklärt Ingrassia. „Und wir wollen, dass die Menschen bei uns einen Platz zum Verweilen finden und in entspannter Atmosphäre ihren Kaffee trinken können.“

Seminare rund ums Thema Backen

In der neuen Bäckerei sollen die Kunden „direkt in den Ofen schauen“ können, den ganzen Tag über wird frisch gebacken. Kinder und Erwachsene sollen sehen können, wie Brot gemacht wird und den Bäckern auch mal eine Frage stellen können. Außerdem will Francesco Ingrassia in seinem neuen Geschäft Seminare rund ums Thema Backen anbieten. Und auch „la dolce vita“ soll nicht zu kurz kommen. „Zum Beispiel planen wir Weinverkostungen oder Pizzaabende“ erzählt er. „Und wir wollen gemeinsame Abende mit unseren Partnerbetrieben anbieten, dann gibt es vielleicht mal Salsiccia vom Metzger oder eine Kaffeeverkostung.“

Wenn seine Show-Bäckerei eröffnet ist, will Francesco Ingrassia aus der jetzigen Filiale an der Gablenberger Hauptstraße „eine Art Feinkostladen“ machen. Dort will er regionale Bio-Produkte verkaufen, und zwar ausschließlich seine eigenen und die Produkte seiner Lieferanten. „Natürlich hat das dann eine gewisse Exklusivität“, erklärt er. „Aber dadurch, dass wir die Ware direkt vom Produzenten beziehen, ist sie dann auch nicht so hochpreisig.“

Seine Pläne wollte Ingrassia eigentlich schon längst realisiert haben. Bereits vor einem Jahr, sagt er, habe er den Mietvertrag für die Verkaufsfläche unterschrieben, auf der aktuell noch der Nergiz Markt untergebracht ist. Zum 1. Februar 2019 wollte Ingrassia die Ladenfläche übernehmen. Doch der Betreiber des türkischen Supermarktes wollte die Neuvermietung seiner Fläche nicht akzeptieren – und blieb. „Bevor das Geschäft neu vermietet wurde, habe ich mit der Hausverwaltung gesprochen und sie bot mir an, meinen Mietvertrag um ein Jahr zu verlängern“, erzählt Veysi Ilis, der den Nergiz Markt seit sieben Jahren betreibt. „Ich habe dann um eine Verlängerung um fünf Jahre gebeten und dachte eigentlich auch, dass das klappt. Aber dann kam plötzlich die Kündigung.“

Kündigung ist rechtskräftig

Ende September 2018 sollte Ilis seine Ladenfläche räumen. Doch weil er mit der Kündigung nicht einverstanden war, reichte er Klage gegen den Eigentümer ein, das Procedere zog sich über mehrere Monate hin. Inzwischen hat das Gericht entschieden: Die Kündigung ist rechtskräftig und der türkische Markt muss zum 30. September dieses Jahres schließen.

Für das Vorgehen seines Vermieters hat Veysi Ilis kein Verständnis. Schließlich habe es vor dem Rechtsstreit nie Probleme gegeben, sagt er. „Wir haben sogar angeboten, in Zukunft mehr Miete zu bezahlen, aber auch das wollte er nicht akzeptieren“, so Ilis. „Und wenn man bedenkt, dass das Haus zu Gazi gehört, deren Produkte wir ja verkaufen, dann kann ich das einfach nicht nachvollziehen.“

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