Wechsel in zwei Regierungspräsidien Frauen kommen an die Spitze

Von /dpa 

Die neue Amtschefin Bärbel Schäfer genießt in Freiburg einen guten Ruf. Sie ist derzeit Leiterin des städtischen Rechtsamts.

Die Juristin Bärbel Schäfer übernimmt die Freiburger Mittelbehörde. Foto: dpa
Die Juristin Bärbel Schäfer übernimmt die Freiburger Mittelbehörde. Foto: dpa

Freiburg - Die Verwaltungsjuristin Bärbel Schäfer (53), geboren in Geislingen an der Steige und derzeit Leiterin des Rechtsamtes der Stadt Freiburg, wird Nachfolgerin von Julian Würtenberger (54) als Präsidentin des Regierungsbezirks Freiburg. Die erste Frau in diesem Amt wird ihren Dienst am 1. April antreten. Die parteilose, den Grünen nahestehende Beamtin ist verheiratet und hat zwei Kinder.

Nach ihrem Jurastudium in Freiburg war sie zeitweise Anwältin in der Kanzlei von Siegfried de Witt, der durch die Rechtsvertretung der Gegner des geplanten Atomkraftwerkes in Wyhl bekannt wurde. Seit 1988 ist Schäfer im Dienst der Stadt Freiburg. Seit 1992 leitet sie das Rechtsamt mit einem Dutzend Mitarbeiter. In Verwaltung und Gemeinderat genießt die Juristin hohes Ansehen. „Sie ist eine der stärksten Amtsleiterinnen“ und habe großes Verhandlungsgeschick, lobt sie der Sprecher des Freiburger Oberbürgermeisters Dieter Salomon (Grüne). Öffentlich ist sie noch nicht in Erscheinung getreten.

Der scheidende Regierungspräsident ist loyal

Die künftige Regierungspräsidentin Schäfer bringe „fachliches Können, politisches Fingerspitzengefühl und Führungsverantwortung“ mit, sagte Salomon. Das Freiburger Stadtoberhaupt hatte vor der Ablösung deutlich gemacht, dass er an Würtenbergers Loyalität keine Zweifel gehabt habe und unterstrich dies auch am Freitag noch einmal demonstrativ.

Auch der in Freiburg gebürtige CDU-Mann Würtenberger selbst betonte in einer eilig anberaumten Pressekonferenz, dass er auch unter der neuen Regierungsmehrheit „jeden Tag loyal“ gewesen sei und sich „nichts zuschulden“ habe kommen lassen. Dies sei das Selbstverständnis eines Beamten. Er habe immer das Risiko des politischen Beamten gekannt, der ohne Angabe von Gründen von der Landesregierung in den Ruhestand versetzt werden kann.

„Es gibt ein paar Stellen“, sagte die am Freitag in Freiburg weilende Fraktionsvorsitzende der Grünen, Edith Sitzmann der StZ, „wo der Politikwechsel auch personelle Konsequenzen hat“. Von einer generellen Abschaffung der Regierungspräsidien hält sie nichts. Der Regierungspräsident repräsentiere „in besonderer Weise die Politik der Landesregierung in der Region“. Da sei es völlig normal, dass die Regierung einen geeigneten Vertreter auf dem Posten haben wolle.

Das kann man als Hinweis auf die Karriere Würtenbergers verstehen, die ihn mit dem CDU-Parteibuch in hohe Funktionen unter den CDU-Ministerpräsidenten Erwin Teufel und Günther Oettinger gebracht hat. Die nie aufgeklärte Rolle Würtenbergers bei der Abfassung von Oettingers Lobrede für Hans Filbinger im Freiburger Münster bei dessen Totenfeier und seine Verankerung im christdemokratischen Netzwerk der Region waren wohl Aspekte, die Würtenberger letztlich das Amt gekostet haben.

Würtenberger erklärte, er werde „nicht mit dem goldenen Spazierstock“ herumlaufen. Der Abschied vom Amt schmerze, aber er fühle sich „stark genug“, um noch für seinen Lebensunterhalt zu sorgen. Noch habe er „keinen Plan B“, denn über seine Ablösung sei er erst am Vortag telefonisch von Ministerpräsident Winfried Kretschmann informiert worden.

In Karlsruhe gilt Nicolette Kressl als neue Amtschefin

Die SPD-Finanzpolitikerin Nicolette Kressl (53) gilt als designierte Nachfolgerin des Karlsruher Regierungspräsidenten Rudolf Kühner (parteilos). „Nicht meckern – ändern“ ist ihr Lebensmotto. Von November 2007 bis Oktober 2009 war die Bundestagsabgeordnete aus dem Wahlkreis Rastatt unter Peer Steinbrück (SPD) Parlamentarische Staatssekretärin im Finanzministerium. Nach der Bundestagswahl vor knapp zweieinhalb Jahren wurde Kressl finanzpolitische Sprecherin der SPD-Fraktion. 2001 zog sie mit zwei Kolleginnen in eine WG.

1984 trat die gebürtige Heilbronnerin in die SPD ein und schaffte zehn Jahre später den Sprung ins Bundesparlament. Im Südwesten war Kressl jeweils über mehrere Jahre Mitglied im Landesvorstand und im Präsidium der SPD. Dabei machte sie sich im Verbraucherschutz einen Namen. Vor der Landtagswahl 2011 war sie im Schattenkabinett des damaligen SPD-Spitzenkandidaten und heutigen Wirtschafts- und Finanzministers Nils Schmid. Ursprünglich war Kressl Gewerbeschullehrerin.