Wechsel zu Fenerbahce Istanbul Mesut Özils letzte Chance

Mesut Özil wechselt ablösefrei vom FC Arsenal zu Fenerbahce Istanbul. Foto: imago/Paul Marriott
Mesut Özil wechselt ablösefrei vom FC Arsenal zu Fenerbahce Istanbul. Foto: imago/Paul Marriott

Zehn Monate hat der ehemalige deutsche Nationalspieler und Weltmeister von 2014 nicht mehr für den FC Arsenal auflaufen dürfen. Jetzt wechselt der 32-Jährige zu Fenerbahce Istanbul – und löst damit ein Versprechen ein.

Sport: Heiko Hinrichsen (hh)
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Stuttgart/Istanbul - Das türkische Adjektiv „mesut“, es bedeutet auf Deutsch „glücklich“. Und Mesut Özil, der 92-fache deutsche Nationalspieler und Weltmeister von 2014, der im Dress seines bisherigen Clubs FC Arsenal seit März 2020 kein Pflichtspiel mehr absolviert hat, er ist in der Tat wieder sehr gut drauf.

Dies beweisen allein zwei von ihm veröffentlichte Fotos in den sozialen Netzwerken: Das eine zeigt Mesut Özil lächelnd an der Seite seiner Ehefrau Amine und seiner kleinen Tochter Eda im Privatflieger von Ali Koc, dem Vereinspräsidenten von Fenerbahce Istanbul. Auf dem anderen ist zu sehen, wie der gebürtige Gelsenkirchener nach seiner Ankunft am Sonntagabend auf dem Istanbuler Atatürk-Flughafen voller Stolz den gelb-blauen Fener-Schal in die Kameras hält.

Aufregung am Airport

„Ich bin sehr glücklich und aufgeregt. Gott hat mir die Chance gegeben, das Fenerbahce-Trikot zu tragen“, sagte Mesut Özil umgehend in einer Liveschaltung des TV-Senders CNN Türk am Airport – und bestätigte damit seinen Vereinswechsel. Als Reisender aus dem Corona-Hotspot London mit einem Inzidenzwert über 1000 begab er sich danach in Quarantäne. Doch dieses Opfer bringt der 32-Jährige gerne. Schließlich steht der Umzug in die Metropole am Bosporus, wo Ehefrau Amine bereits vor der Hochzeit im Sommer 2019 ihren Lebensmittelpunkt hatte, in Özils Karriere für einen sportlichen und privaten Neuanfang.

Dabei blickt nicht nur der offensive Mittelfeldspieler, der beim 19-fachen türkischen Meister zeitnah einen langfristigen Vertrag unterschreiben wird, der Zukunft hocherfreut entgegen. 1,8 Millionen Mal ist allein in den sozialen Netzwerken auf Instagram der virtuelle Daumen binnen 24 Stunden in die Höhe geschnellt, als Özil seine Fotos aus Istanbul postete; seine Mutter Gulizar, so ist zu hören, ist ebenfalls mächtig stolz, weil ihr der Sohn ja einst versprochen hatte, einmal in seiner Karriere für die Kanarienvögel von Fener zu spielen. Und der Regierungssprecher des autoritären türkischen Regierungschefs Recip Tayyip Erdogan, er twitterte: „Willkommen in deinem Zuhause, in deiner Heimat.“

Abgang im Streit aus der Nationalelf

Wird also alles gut für Mesut Özil, der nach einem verstörenden Fototermin mit seinem späteren Trauzeugen Erdogan in dessen Wahlkampf samt verkorkster WM 2018 in Ungnade gefallen war – und der daher im Zwist seinen Rücktritt aus der DFB-Auswahl verkündet hatte? Es gehe ihm bei seinem Wechsel in die Türkei nicht ums Geld, sondern um die Liebe zum Fußball und zu Fenerbahce, sagt Özil. Was bei einem Jahresgehalt von fünf Millionen Euro nur deshalb bedingt glaubhaft klingt, wenn man weiß, dass der trickreiche Linksfuß, der 2013 für eine Ablösesumme von 50 Millionen Euro von Real Madrid zu den Gunners gewechselt war, beim FC Arsenal 20 Millionen Euro pro Saison verdient hatte. Zuletzt hatte Özil in London in den Planungen des Trainers Mikel Arteta gar keine Rolle gespielt.

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In siebeneinhalb gemeinsamen Jahren gewann er mit den Gunners zwar dreimal den FA-Cup, aber nie die Meisterschaft. „Er hat in den letzten Jahren nur dann Energie gezeigt, wenn es darum ging, seinen Kumpel Erdogan zu unterstützen“, ätzte die Londoner „Times“. So hatte sich das ehemalige Talent der Schalker Knappenschmiede bei den Gunners zuletzt den Ruf erarbeitet, hier sitze einer seinen bis Sommer diesen Jahres laufenden, ganz exzellent dotierten Vertrag bis zum Ende aus. Das war Özils gutes Recht. Dennoch machte der alternde Star, etwa als er während des Trainingslagers mit Sonnenschirm lustlos auf der Tribüne saß, nicht immer die beste Figur.

Der zweite Abgang durch die Hintertür

Nun wird sein Vertrag beim FC Arsenal vorzeitig aufgelöst, was dem Club die restlichen Gehaltszahlungen erspart. Wie im DFB-Team wählt Özil aber auch diesmal den Abgang durch die Hintertür. Dabei hat er dem Club auch etwas gegeben: Für seinen 50. Assist in der Premier League etwa benötigte der Edeltechniker lediglich 141 Spiele. Das hat vor Özil kein anderer Profi geschafft.

Höhepunkt war die Saison 2015/16 noch unter der Trainerlegende Arsène Wenger, als Arsenal als Vize nur dem Überraschungsmeister Leicester City den Vortritt lassen musste. Zwei Jahre später begann letztlich der sportliche Abschwung, als Wenger vom eigenwilligen Unai Emery als Chefcoach abgelöst wurde.

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Jetzt soll es bei Fenerbahce wieder aufwärts gehen. Aktuell rangiert der Club hinter Spitzenreiter Besiktas auf Rang zwei der türkischen Süper Lig, die nicht zu den Topadressen des internationalen Fußballs zählt. Doch anders als in London wird Özil, obwohl er seit zehn Monaten nicht mehr gespielt hat, am Bosporus einen Stammplatz bekommen. Die erste Meisterschaft seit 2013 ist das klare Saisonziel der Gelb-Blauen von Fenerbahce. Mesut Özil ist bereit: „Ich habe zwar lange nicht gespielt“, sagt er: „Aber ich bin körperlich fit. Es gibt kein Problem.“




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