Wechsel zu Merck Stefan Mappus' zweites Leben als Manager

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Der Ex-Ministerpräsident Stefan Mappus arbeitet ab sofort bei Merck. Er soll eine "Führungsfunktion im Ausland" übernehmen, heißt es.

Stefan Mappus heuert bei Merck an. Foto: dapd
Stefan Mappus heuert bei Merck an. Foto: dapd

Stuttgart - Es war, vermutlich unbeabsichtigt, ein Satz wie eine Ohrfeige. Mitteilungen zu Mitarbeitern auf dieser Hierarchiestufe, zitierte die Deutsche Presse-Agentur einen Sprecher des Darmstädter Pharmakonzerns Merck, seien nicht üblich. Mit dieser Begründung habe er es abgelehnt, nähere Auskünfte über das Arbeitsgebiet des neuen Managers zu geben.

Nicht wichtig genug zu sein für die Öffentlichkeit - das ist für Stefan Mappus wohl eine neue Erfahrung. Seit Donnerstag steht der Ministerpräsident a.D. in den Diensten von Merck. Mehr, als dass er eine "Führungsfunktion im Ausland" übernehmen soll, mag der Konzern offiziell nicht verraten. Von Mappus selbst weiß man, dass er sich am Firmensitz in Darmstadt einige Monate einarbeiten lässt. Danach gehe es für einige Jahre nach Südamerika oder Südostasien; dort werde er voraussichtlich die Landesgesellschaft von Merck leiten. Sein Englisch sei "ganz passabel", falls nötig, werde er auch noch Spanisch oder Portugiesisch lernen.

"Ein tolles Unternehmen mit tollen Perspektiven"

Es sei "ein tolles Unternehmen mit tollen Perspektiven", bejubelte der gelernte Industriekaufmann und Diplomökonom seinen neuen Arbeitgeber, er erhalte dort eine "tolle Chance". Angeblich gab es noch zwei, drei andere Angebote aus der Wirtschaft, aber dazu hüllte sich der Exregierungschef in Schweigen. Von seinem Rückkehrrecht zu Siemens, wo er vor seiner Politkarriere in Teilzeit Telefonanlagen vertrieb, machte er jedenfalls keinen Gebrauch. Wichtig war ihm eine Firma außerhalb Baden-Württembergs, um jedwedes Getuschel zu vermeiden. Und als Lobbyist wie andere Ex-Politiker wollte er auch nicht tätig werden, es sollte schon "etwas im operativen Geschäft" sein.

Etwas ausführlicher begründet Merck, warum man Mappus engagiert habe. In ihm gewinne man "eine Führungskraft mit vielfältiger Expertise", sagte ein Sprecher der Stuttgarter Zeitung. "Mit seiner Erfahrung als Ministerpräsident eines großen, wirtschaftlich erfolgreichen Bundeslandes bringt er Managementqualitäten in unsere Unternehmenswelt ein, von denen wir profitieren können." Ganz generell sei es dem Unternehmen wichtig, "den Austausch zwischen Wirtschaft und Politik zu fördern". Schon Wochen vor der offiziellen Bekanntgabe war durchgesickert, dass der Konzernchef Karl-Ludwig Kley persönlich mit Mappus im Gespräch sei.

Reizfigur

So sehr der 45-Jährige als Politiker eine Reizfigur war, so wenig scheint sein Wechsel in die Wirtschaft noch die Gemüter zu erregen. Man habe auf seine Verpflichtung nur "wenige Reaktionen mit einer hohen Bandbreite an Inhalt erhalten", sagt der Unternehmenssprecher. Nur im Internet wird seine neue Karriere teilweise gallig kommentiert. Immerhin legt Merck, so wie es Mappus zumindest verbal tat, großen Wert auf Werte. "Wir streben nach Anerkennung ... in der Gesellschaft", heißt es im Unternehmenskodex. Und die Verlässlichkeit, die der Ministerpräsident immer für sich in Anspruch nahm, verspricht auch sein neuer Arbeitgeber: "Wir bei Merck tun, was wir sagen, und daran lassen wir uns messen." Die Wähler fanden die Übereinstimmung von Worten und Taten offenbar indes nicht ganz so überzeugend.