Wedding Workshop in Böblingen Heiraten ohne Fettnäpfchen

Wer in der Kirche nur eine hübsche Kulisse sucht, ist fehl am Platz. Foto: /imago/Zoonar.com/Matej Kastelic

Welche Varianten gibt es beim Ehegelübde? Darf der Kantor auch einen Popsong auf der Orgel spielen? Und wer kann sich überhaupt kirchlich trauen lassen? Die Pfarrerin Gerlinde Feine gibt Heiratswilligen Nachhilfe.

Böblingen: Leonie Schüler (lem)

Wer heiratet, begibt sich in große Gefahr. So oder so ähnlich laute ein Martin-Luther-Zitat, sagt Gerlinde Feine, die Pfarrerin der Stadtkirche Böblingen, und lacht dabei herzlich. Deshalb ist es ihr ein Herzensanliegen, heiratswilligen Paaren Gottes Segen mit auf den Weg zu geben. In Anbetracht dieser Gefahr kann es ja schließlich nicht schaden, wenn jemand wie Gott ein Auge auf die Vermählten hat.

 

Der Gottesdienst wird von vielen nicht genau geplant

Allerdings fällt der Pfarrerin auf, dass viele angehende Brautpaare bei der Vorbereitung auf ihren großen Tag zwar viel Zeit für die Planung des Hochzeitsmenüs, der Kleider, der Dekoration und so weiter aufwenden – die Gestaltung des Gottesdienstes werde hingegen oft erst kurz vorher bei einem einstündigen Traugespräch abgehakt. Einen Vorwurf macht sie den Paaren nicht, schließlich wüssten viele gar nicht, dass die Bandbreite dessen, wie ein Traugottesdienst gestaltet werden kann, sehr groß sei. „Deshalb wollte ich den Paaren ein Angebot machen, bei dem sie sehen können, was alles möglich ist“, sagt Gerlinde Feine.

Geboren war vor ein paar Jahren ihre Idee, einmal im Jahr einen Wedding Workshop anzubieten, bei dem alle Facetten des Gottesdienstes besprochen werden. Denn: Es gibt keine Blaupause des perfekten Traugottesdienstes, sondern „jedes Paar kann schauen, was brauchen wir, was passt zu uns“, sagt Feine. Sind vielleicht schon Kinder da, die in den Gottesdienst mit einbezogen werden können? Oder gibt es in der Familie einen Trauerfall, der Behutsamkeit verlangt? Oder eine heikle Patchworksituation?

Heiraten wie in Hollywood?

Gerlinde Feine ist wichtig, dass die Brautpaare nicht irgendwelchen Idealen hinterhereifern, die ihnen in Fernsehsendungen, Hollywoodfilmen, bei royalen Trauungen oder auch bei Hochzeiten im Freundeskreis vermittelt werden, sondern dass sie ihren ganz individuellen, für sie perfekten Weg finden, sich das Eheversprechen zu geben. Das fange schon beim Einzug an: Möchte die Braut am Arm des Vaters in die Kirche geführt werden? Oder passt es nicht besser zu dem Paar, gemeinsam einzulaufen? „Sie können sich auch in der Mitte treffen“, sagt Gerlinde Feine.

Auch beim Eheversprechen gebe es Spielraum. Die Liturgie lasse drei verschiedene Varianten zu: Der Pfarrer oder die Pfarrerin kann die Brautleute einzeln fragen, ob sie die Ehe eingehen möchten, das Paar kann ihr Versprechen gemeinsam aufsagen oder es sich einander zugewandt gegenseitig geben. Alles ist möglich, „nur der Satz ,Solange es gut geht‘ ist nach wie vor keine gültige Formel“, sagt Gerlinde Feine und lacht.

Für Fragen zur Dekoration ist die Mesnerin beim Wedding Workshop anwesend, für die musikalische Gestaltung der Kantor. Er könne auch Popsongs auf der Orgel spielen. Ein Lied wie„An Tagen wie diesen“ von den Toten Hosen – warum nicht? „Wir sind offen, wir machen das“, sagt Gerlinde Feine. Allerdings gelte es, bei der Liedauswahl auf Fettnäpfchen zu achten. So gehe es bei dem beliebten Leonard-Cohen-Song „Hallelujah“ um eine sadomasochistische Beziehung. Und Bruno Mars singe im Lied „Marry you“ davon, dass er gerade nichts besseres zu tun habe, als zu heiraten. Da müsse man sich doch gut überlegen, ob dies das richtige Lied sei, findet Feine.

Wer darf in einer evangelischen Kirche heiraten?

Die Möglichkeit, in der pittoresken Stadtkirche zu heiraten, haben grundsätzlich alle Paare aus Böblingen, von denen mindestens einer evangelisch ist. Wer mit Kirche gar nichts am Hut hat und nur eine schöne Kulisse für die Trauung sucht, der sei fehl am Platz, betont die Pfarrerin. Wie stark das Paar tatsächlich christlich verankert sei, prüfe sie aber natürlich nicht. „Wer das Gefühl hat, dass Gottes Segen wichtig ist, den traue ich gerne“, sagt die Pfarrerin. Letztlich gehe es bei einem Traugottesdienst darum, eine gute Erinnerung zu schaffen, die dem Paar auch in schweren oder traurigen Zeiten Kraft gibt. „Zurückbleiben soll das Gefühl: Die anderen haben mit uns nicht nur gefeiert, sondern auch gebetet.“ Ihre eigene Rolle sieht sie dabei als diejenige, die das Paar an dieser entscheidenden Lebensschwelle begleitet, „und das so schön wie möglich“.

Willkommen sind beim Wedding Workshop ausdrücklich auch homosexuelle Paare, die Gerlinde Feine als Pfarrerin einer Regenbogengemeinde segnen darf. Oft sei das bislang noch nicht angefragt worden – vielleicht weil es sich noch nicht herumgesprochen hat, vermutet Feine, oder weil viele enttäuscht sind, dass die Kirche erst so spät Segnungen erlaubt hat. „Aber letztes Jahr war ein lesbisches Paar beim Wedding Workshop“, erzählt Feine. Ihre Fragen seien dieselben gewesen: Welcher Blumenschmuck geht? Wie ziehen wir ein? Welche Musik wählen wir? Kein Wunder, sagt Feine, der Gottesdienst sei quasi identisch, ob Trauung oder Segnung. „Als Teilnehmer wird man keinen Unterschied merken.“ Dass hier und da eine andere Schriftlesung gewählt werde, würde nur einem Theologen auffallen.

Wedding Workshop

Termin
 Der Wedding-Workshop findet am Samstag, 4. Februar, in der Böblinger Stadtkirche, Schlossberg 13, statt. Zwischen 14 und 17 Uhr informieren die Pfarrerin Gerlinde Feine, der Kantor Eckhart Böhm und die Mesnerin Iris Rossner über Möglichkeiten, die kirchliche Trauung zu gestalten. Sie informieren über Alternativen, geben Listen mit möglichen Liedern und Musikstücken weiter und kommen mit den Paaren ins Gespräch über deren Wünsche und Vorstellungen. Das individuelle Traugespräch findet unabhängig davon statt.

Teilnahme
 Eingeladen sind Paare, die zur Stadtkirchengemeinde gehören oder in der Stadtkirche getraut werden wollen. Der Workshop ist darüber hinaus offen für Paare aus dem ganzen Kirchenbezirk. Willkommen ist laut der Pfarrerin auch, wer einen Nachmittag zusammen mit anderen über den Sinn und die Gestaltung der Trauung nachdenken möchte.

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