Wegen Corona-Virus weniger Besucher auf der Retro Classics Die Faszination der Fahrt auf zwei Rädern

Von Torsten Schöll 

Historische Rennmaschinen und seltene Schweizer Marken im Fokus der Enthusiasten auf der Messe Retro Classics. Im Herbst feiert der Oldtimer Club Weissach sein 20-Jähriges Bestehen, dann gibt es viele historische Fahrzeuge zu sehen.

Klaus Roth vom Allgemeinen Motorradsport-Club Leonberg mit Maschinen von Motosacoche Franconi und Condor Foto: Torsten Schöll
Klaus Roth vom Allgemeinen Motorradsport-Club Leonberg mit Maschinen von Motosacoche Franconi und Condor Foto: Torsten Schöll

Leonberg - Fast zart und zerbrechlich wirkt das kleine, braune Motorrad, das in Halle 8 auf einem Podest steht. Und auch der Name dieser Rarität auf zwei Rädern lässt eher an eine luxuriöse Preziose denken als an Motorenöl und Hubraum: Motosacoche. Die Schweizer Firma, die bis in die 1930er-Jahre Motorräder herstellte, gab ihren Fahrzeugen den hübschen Namen „Motortasche“. Das, weil der Motor nur mit Hilfe von ein paar Schellen in das Rahmendreieck jedes Zweirads eingebaut werden konnte. Eben wie eine Satteltasche.

Der Allgemeine Motorradsport-Club Leonberg (AMSC) hat sich zu seinem 70-Jahr-Jubiläum für die diesjährige Messe Retro Classics in Stuttgart ein ganz besonderes Thema einfallen lassen: Schweizer Motorradmarken der Vergangenheit. Der Stand der Leonberger Motorradliebhaber zeigte an den vier Messetagen eine breite Auswahl aus den mehr als 50 eidgenössischen Marken, die einst auf den Straßen Europas unterwegs waren. Ein echter Hingucker.

„Wenige wissen noch, dass es in der Schweiz mal 53 Motorradhersteller gab“, sagt Thomas Schmid, der Oldtimer-Experte im Leonberger Verein. An seiner Seite ist in Stuttgart Jörg Strehler aus Ibach in der Schweiz, ein Experte für die eidgenössische Motorradgeschichte. „Auch viele deutsche Hersteller haben bis in die 1930er-Jahre Schweizer Motoren in ihre Motorräder eingebaut“, erklärt Strehler.

Breite Auswahl eidgenössischer Marken

Die edel-braune Motosacoche Franconi aus dem Jahr 1926, die mit 35 PS kein Kraftpaket ist, werde noch jeden Tag gefahren. Auch drei weitere Modelle der schweizerischen Marken Motosacoche und Condor, die der Leonberger Motorradverein zeigt, sind noch voll einsatzfähig. Sie haben zuletzt 2013 das Klausen-Bergrennen in der Schweiz für sich entscheiden können.

Am Wochenende war am Stand des Motorradvereins aus Leonberg auch der Schweizer Seitenwagen-Pilot und mehrfache Weltmeister Adolf Hänni zu Gast, der im Jahr 2018 mit einem 600-PS-starken Seitenwagen auf einem amerikanischen Salzsee mit 390 Stundenkilometern den Geschwindigkeitsrekord für Seitenwagen aufgestellt hatte.

Ein Wermutstropfen für den Motorrad-Club: Die Leonberger traf der allgemeine Messebesucherrückgang, verursacht durch die Coronavirus-Angst, ganz direkt. „Einige Besuchergruppen aus der Schweiz haben ihr Kommen kurzfristig abgesagt“, erklärten Thomas Schmid und Vereinsvorstand Klaus Roth.

Tatsächlich blieb, anders als in den vergangenen Jahren, am Wochenende der große Andrang bei der Messe aus. Zahlreiche Aussteller sprachen von deutlich weniger Besuchern. An allen Messetagen war Reinigungspersonal in den Hallen und Gängen unterwegs, um Türklinken und die Handläufe der Rolltreppen zu desinfizieren. An vielen Stellen waren Spender mit Desinfektionsmittel aufgestellt, um die

Hände zu reinigen.

Gegengewicht zur Vierradlastigkeit

Auch der Oldtimer-Club Weissach, der seinen Stand in Halle 7 aufgebaut hatte, spürte den gedrosselten Besucherzuspruch. „Es sind weniger als in den vergangenen Jahren“, hat Wolfgang Hofbauer festgestellt. Der stellvertretende Vorsitzende des Vereins muss es ja wissen: Zum 19. Mal hat der Oldtimerclub Weissach, der in diesem Jahr 20 Jahre alt wird, schon an den Retro Classics in Stuttgart teilgenommen.

In diesem Jahr setzten die Weissacher Oldtimer-Enthusiasten, die grundsätzlich für alle Marken offen sind und sowohl für Motorräder als auch für Automobile schwärmen, voll auf Zweiräder. „Wir wollen auf der Messe ein Gegengewicht zur allgemeinen Vierradlastigkeit setzen“, sagt Hofbauer. Bis auf ein Exponat hatte der Böblinger Gerhard Mitter junior, Sohn des gleichnamigen legendären Leonberger Rennfahrers, alle am Stand gezeigten Rennmotorräder bereitgestellt.

Das älteste Stück am Stand: eine 250er Adler aus dem Jahr 1953. „Damals wurden noch Serienfahrzeuge zu Rennmotorrädern umgebaut“, erklärt der 65-jährige Hofbauer, der ankündigte, dass der Verein sein 20-Jahr-Jubiläum am 10. und 11. Oktober dieses Jahres mit einem Tag der offenen Tür auf dem Weissacher Vereinsgelände feiert. Dann dürfte es für Oldtimer-Freunde wieder einiges zu sehen geben.




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