Wegen Hochwasser Über 100 Feuerwehreinsätze in Stuttgart

An der Stadtbahn-Haltestelle Plieningen staute sich am Sonntag das Wasser. Die Strecke der Linie U 3 ist vorerst nicht befahrbar. Foto: Andreas Rosar, Bäderbetriebe Stuttgart, Sebastian Steegmüller

Die Freibäder in Vaihingen und Untertürkheim sind aufgrund des Hochwassers geschlossen. Außerdem ist die Stadtbahnstrecke der Linie U 3 in Plieningen unterbrochen – vermutlich noch bis zum späten Mittwoch.

Der Starkregen hat auch in Stuttgart seine Spuren hinterlassen. Aufgrund des Unwetters musste die Feuerwehr zwischen Sonntag früh und Montagmittag in Stuttgart zu mehr als 100 Einsätzen ausrücken. „Gegen 15 Uhr stieg das Einsatzaufkommen aufgrund der Gewitterfront in Stuttgart sprunghaft an“, sagt Daniel Anand, Sprecher der Feuerwehr Stuttgart. Die Integrierte Leitstelle Stuttgart wechselte daraufhin in den Unwetter-Modus und besetzte weitere Arbeitsplätze.

 

Von neun Abteilungen der freiwilligen Feuerwehr waren mehr als 100 ehrenamtliche Kräfte im Dienst, die die Einsätze in Stuttgart abarbeiteten. Die Berufsfeuerwehr stand auf den fünf Feuerwachen für zeitkritische Einsätze in Bereitschaft.

Technikkeller voller Wasser

In erster Linie mussten vollgelaufene Tiefgaragen und Geschäftsräume ausgepumpt werden – unter anderem auch ein Technikkeller im Freibad Rosental in Vaihingen, das den Betrieb einstellen musste. Wann das Bad wieder geöffnet wird, steht noch nicht fest. „Am Dienstag bleibt es in jedem Fall noch zu“, sagte Jens Böhm, Sprecher der Stuttgarter Bäder, der den Schaden am Montagnachmittag noch nicht abschätzen konnte. „Wir bitten unsere Badegäste, temporär auf umliegende Freibäder wie zum Beispiel das Freibad Möhringen auszuweichen.“ Betroffen vom Hochwasser sei neben dem Freibad Rosental auch das Inselbad Untertürkheim. „Bereits am Samstag begann hier der Neckar überzutreten, und die Inselspitze stand nahezu vollständig unter Wasser. Glücklicherweise bahnte sich das Wasser nicht seinen Weg durch bis zum Springerbecken.“ Der dortige Technikbereich sei jedoch mit Grundwasser vollgelaufen. „Wir haben direkt damit begonnen, das Wasser in diesem Bereich abzupumpen“, sagte Böhm, der hofft, dass den Badegästen ab Dienstag zumindest ein Teilbereich wieder zur Verfügung gestellt werden könne. „Das Familien- und das FKK-Becken werden nutzbar sein. Gesperrt bleiben das Springer- und das Sportbecken.“

An ein Schwimmbad hat am Sonntagnachmittag auch der Gleisbereich an der Stadtbahn-Haltestelle Plieningen und das nähere Umfeld erinnert. Die Feuerwehr hatte dort bis in die Abendstunden zwar das Wasser aus Kellern und Tiefgaragen abgepumpt, aufgrund der entstandenen Unwetterschäden ist die Strecke der Linie U 3 zwischen den Haltestellen Landhaus und Plieningen jedoch noch immer gesperrt, heißt es bei der Stuttgarter Straßenbahnen AG (SSB). Ersatzbusse seien im Einsatz. Die Unterbrechung werde „voraussichtlich bis Mittwoch, 5. Juni, 23.30 Uhr“ aufrechterhalten.

Feuerwehr schickt Taucher in die Region

„Verschont wurde die Landeshauptstadt nicht. Wir waren schon ganz gut beschäftigt. Es hätte aber schlimmer kommen können“, sagte der Feuerwehrsprecher Anand mit Blick in die Region. „Das Schöne an der Blaulicht-Familie ist, dass man sich gegenseitig unterstützt.“ Die Feuerwehr Stuttgart lieferte nicht nur 10 000 Sandsäcke in den Landkreis Göppingen, welche in Kooperation mit der Feuerwehr Esslingen befüllt werden konnten, sondern schickte auch Kräfte in die besonders betroffenen Gebiete. Taucher der Stuttgarter Feuerwehr, genauer gesagt Strömungsretter, waren mit Booten in Göppingen und im Rems-Murr-Kreis vor Ort. „Sie konnten mehrere Personen retten“, so Anand. Außerdem wurden riesige Hochleistungspumpen zur Verfügung gestellt.

Bei all der Nachbarschaftshilfe habe man die Landeshauptstadt aber nicht vernachlässigt, betonte Anand. „Wir beobachteten die Wetter- und Hochwasserentwicklung für das Stadtgebiet engmaschig und standen im engen Austausch mit den Metrologen des Deutschen Wetterdiensts, damit man hier nichts verpasst.“ Außerdem habe man dienstfreie Kollegen auf die Feuerwache 3 in Bad Cannstatt beordert und Unterstützung der Deutschen Lebens-Rettungs-Gesellschaft erhalten. „Wir wären gerüstet gewesen, falls in Stuttgart etwas passiert wäre.“

Zu dieser Überzeugung kam auch Stuttgarts Tiefbauamtsleiter Jürgen Mutz, der in engem Austausch mit der Branddirektion stand und am Wochenende entlang des Neckars als „Dammläufer“ unterwegs war: „Wir sind die Deiche abgegangen und haben die kritischen Stellen kontrolliert.“ Glücklicherweise sei kein Wasser durchgesickert. Zeitweise erreichte der Neckarpegel die Fünf-Meter-Marke. Durch den starken Regen seien zwar einzelne Wege überspült worden und deshalb abgesperrt worden, es habe aber keine Gefahr bestanden.

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