Wegen langsamer Ausländerbehörde Mercedes-Managerin beklagt sich gegenüber OB Nopper

Nach seiner Rede muss sich OB Frank Nopper auch noch etwas etwas anhören. Foto: Lichtgut/Julian Rettig

Die Eröffnung des Mercedes-E-Campus nutzt die Personalvorstandsfrau Sabine Kohleisen, um deutliche Kritik an der Stuttgarter Verwaltung zu üben. Adressat ist OB Frank Nopper, der Gast der Veranstaltung ist.

Automobilwirtschaft/Maschinenbau: Peter Stolterfoht (sto)

Diesen Termin hat sich Frank Nopper vermutlich etwas anders vorgestellt. An der Seite von Bundeswirtschaftsminister Robert Habeck und Baden-Württembergs Ministerpräsident Winfried Kretschmann (beide Grüne) bei Mercedes-Benz der feierlichen Eröffnung des E-Campus beiwohnen und dann die besten Wünsche der Stadt an den Konzernchef Ola Källenius übermitteln. Ein Termin, bei dem für den Stuttgarter Oberbürgermeister eigentlich nicht viel schiefgehen kann. Dachte man.

 

Es kam anders. Weil Nopper nicht nur eine Rede halten durfte, sondern sich im Laufe der Veranstaltung am Montag auch einiges anhören musste. Sabine Kohleisen nutzte das kleine Podiumsinterview mit der Moderatorin Judith Rakers, um vor großem Publikum deutlich Kritik an der Stuttgarter Verwaltung zu üben. Was sie sich denn anlässlich der Einweihung des Zell- und Batteriezentrums wünsche, wurde die Mercedes-Vorstandsverantwortliche für das Personalwesen gefragt. Ihr Antwort: eine funktionierende Bürokratie.

Nopper reagiert auf die harsche Kritik

Sabine Kohleisen wurde auch noch ganz konkret. Für die Transformation bei Mercedes brauche es die größten Talente – die häufig im Ausland zu finden seien und entsprechende Arbeitsgenehmigungen bräuchten. In Bezug auf den Umgang mit ausländischen Arbeitskräften in der öffentlichen Verwaltung lobte sie Projekte der Landesregierung, sagte aber auch: „Was wir nicht brauchen, sind große Schlangen vor Büros, das schreckt dann eher ab.“ Diese sind in Stuttgart mittlerweile verschwunden. Das Warten auf einen Termin findet nun zu Hause vor dem eigenen Computer statt. Was keine entscheidende Verbesserung der Situation darstellen dürfte.

Die Kritik erwiderte Frank Nopper am Dienstag so: „Wir tun alles dafür, den Service unserer Ausländerbehörde zu verbessern und zu beschleunigen. Dafür müssen der Bund und das Land das Ausländerrecht und in der Folge die Abläufe in den Ausländerbehörden vereinfachen und verschlanken.“

Ausländerbehörde immer wieder in der Kritik

Es ist nicht das erste Mal, dass dem Stuttgarter Rathauschef die mangelnde Effektivität in der Ausländerbehörde zum Vorwurf gemacht wurde. Trumpf-Vorstand Mathias Kammüller, Honorarkonsul von Japan und Ehemann der Firmenchefin Nicola Leibinger-Kammüller, verband seine Kritik mit dem Angebot, Projektsteuerungs-Experten aus dem eigenen Haus für die Lösung des Problems abzustellen. Was von der Stadt mit der Erklärung abgelehnt wurde, die Sache selbst in den Griff zu bekommen.

Gerade erst meldete sich Nicola Leibinger-Kammüller in einem „Spiegel“-Interview erneut und kritisierte die verwahrlosten Zustände und das wenig vertrauenswürdige Publikum in Teilen der Königstraße und im Schlossgarten. Auch in diesen Fall dürfte Frank Nopper ein Adressat der Botschaft gewesen sein.

Anmerkung der Redaktion: Im Zusammenhang mit unserer Berichterstattung über die Äußerungen von Mercedes-Personalchefin Sabine Kohleisen bei der Eröffnung des E-Campus von Mercedes-Benz stellen wir klar, dass sich die Kritik an langen Bearbeitungszeiten in Ausländerbehörden nicht ausschließlich auf die Stadt Stuttgart oder den Stuttgarter OB Frank Nopper persönlich bezog.

Wörtlich sagte Kohleisen auf die Frage, was es brauche, um die besten Talente nach Stuttgart zu locken: „Insgesamt gilt natürlich auch für die Talente, dafür zu sorgen, dass die Infrastruktur gut ist, dass wir bezahlbaren Wohnraum haben und dann am Ende des Tages natürlich auch einen attraktiven Arbeitsplatz. … Es braucht ein offenes, ein interessiertes, ein perspektivoffenes Miteinander, und ich kann nur sagen, Fremdenfeindlichkeit ist ein Standortrisiko. Und wir tun alles dafür, dass bei uns im Hause mit Respekt und mit Achtung gearbeitet wird, und ich hoffe, dass das auch nach außen strahlt. Es ist sehr wichtig – sowohl für den Standort Baden-Württemberg als auch in Stuttgart –, natürlich dafür zu sorgen, dass wir die besten Talente hierher bekommen. Was braucht es dazu? Dazu braucht es eine gute Infrastruktur, eine gute Kinderbetreuung und so weiter. Wenn wir mit unseren internationalen Talenten sprechen, aus Indien, aus China, aus USA, ist eine große Hürde, um hierherzukommen, Bürokratie und Administration. Erhalt von Arbeitserlaubnis, Erhalt von Aufenthaltsgenehmigung. Es gibt verschiedene Projekte, unter anderem von der Landesregierung, hier auch einen Single Point of Contact zu etablieren, digital, um diese bürokratischen und administrativen Prozesse zu vereinfachen. Was wir nicht brauchen, sind große Schlangen vor Büros, das schreckt dann eher ab.“

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