Wegfall der Maskenpflicht Stuttgarter Gastronomen sind froh und besorgt zugleich

Draußen geht immer, beim Masken-Thema in Innenräumen streiten sich die Gelehrten. Foto: Lichtgut/Leif Piechowski

Für manche Gastronomen kommt der Wegfall der Maskenpflicht zu früh. Birgit Grupp vom Restaurant Paulaner sorgt sich, dass noch mehr Personal ausfallen könnte. „Wir haben jetzt alle die Nase voll“, sagt dagegen Obi Oberkamm vom Augustenstüble.

Böblingen: Kathrin Haasis (kat)

Der Jubel über das Ende der meisten Coronaregeln in der Gastronomie fällt verhalten aus. „Es kommt zu früh“, sagt Birgit Grupp vom Paulaner angesichts hoher Inzidenzwerte. Gerade falle schon ihr halbes Team wegen einer Coronainfektion aus, alle hätten sich privat angesteckt. Sie glaubt außerdem, dass sich einige Gäste mit der 3G-Regel sicherer fühlen würden. Auch Jan Weishaupt vom Wohnzimmer im Stuttgarter Westen wundert sich über den Zeitpunkt. Der Perkins Park bleibt sogar freiwillig bei der Regel, nur geimpfte, genese oder getestete Personen einzulassen. „Wir haben von der Maske jetzt alle die Nase voll“, sagt dagegen Obi Oberkamm vom Augustenstüble.

 

Die Gäste verärgern will auch niemand

Sonderregeln wird es im Paulaner am Postplatz oder im Wohnzimmer auch nicht geben. Birgit Grupp und Jan Weishaupt wollen ihre Gäste auf keinen Fall verärgern. „Sonst gehen sie woanders hin, den meisten ist das Risiko egal“, sagt der Wirt vom Wohnzimmer – zumal nach wie vor nicht viele kommen. Bei schönem Wetter sei der Biergarten voll besetzt, berichtet Birgit Grupp, ansonsten seien die Menschen sparsam. Angst vor einer Ansteckung vermutet Jan Weishaupt als Grund für die Zurückhaltung, während er hofft, dass seine wenigen verbliebenen Mitarbeiter gesund bleiben. „Die Abschaffung der Maskenpflicht ist bestimmt schön für viele“, sagt er, „aber wenn man logisch denkt, ist es eigentlich bescheuert.“

Perkins Park bleibt freiwillig bei 3G-Regel

Die Macher vom Perkins Park halten es zwar für richtig, die Bürger nicht weiter einzuschränken, wenn es die Infektionslage zulässt. „Wir freuen uns unendlich über die neue, zurückgewonnene Freiheit, die uns mental und wirtschaftlich so viel bedeutet“, schreiben sie auf Facebook. Trotzdem fühlt sich der Club verpflichtet, um die neue Situation und die Gesundheit von Personal und Gästen nicht zu gefährden, „zunächst freiwillig auf das 3G-Modell umzustellen“. Mit einigen Wochen Übergangszeit rechnet der Perkins Park, dann wird neu entschieden.

Beim Personal ist die Lage unklar

Noch ungeklärt ist laut dem Hotel- und Gaststättenverband, ob das Personal die Maske ablegen darf. Denn in der Arbeitsschutzverordnung ist dies bislang lang noch vorgeschrieben, wenn der Abstand nicht eingehalten werden kann. Birgit Grupp wird ihre Maske weiterhin tragen, obwohl sich alle Gastronomen einig sind, dass das stundenlange Arbeiten damit anstrengend ist. Für Obi Oberkamm geht es um die Existenzsicherung der Gastronomie, und dafür sind Einschränkungen kontraproduktiv. Für die Gäste sei die Abschaffung eine Erleichterung. Planungssicherheit werde ihm dies jedoch nicht bringen. Der Ukraine-Krieg liege vielen Menschen verständlicherweise im Magen, weshalb sie auf Restaurantbesuche verzichteten. „Und im Herbst geht das Ganze mit Corona wieder von vorne los“, befürchtet der Inhaber vom Augustenstüble.

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