Wenige Ereignisse in der Geschichte haben die Welt so stark geprägt wie die Anschläge des 11. Septembers 2001 in den USA. Bis heute sind die Nachrichten davon geprägt.

Seite Drei: Dieter Fuchs (fu)

Schnell war am Nachmittag des 11. Septembers 2001 klar, dass die Welt gerade eine Zäsur erlebte. Nur wenige Minuten lang glaubten wir Redakteurinnen und Redakteure in Kenntnis der ersten Meldungen daran, dass vielleicht ein Sportflugzeug ins World Trade Center geflogen war, vielleicht auch nur, weil die Wahrheit zu monströs erschien: Der tödlichste Terroranschlag der Geschichte, ausgeführt in einem Land, das sich unangreifbar fühlte, fast 3000 Tote und eine gefährlich verwundete, traumatisierte Weltmacht. Es war klar, dass nichts mehr so sein würde wie vorher.

 

Ein Kampf der Kulturen entbrannte, der bis heute andauert

Im Abstand von 17 Minuten flogen zwei Linienjets an jenem Tag in die beiden Türme des WTC in New York, in der Stunde darauf stürzten noch zwei Boing 757 zur Erde, eins aufs freie Feld, eins in das amerikanische Verteidigungsministerium, dem Pentagon. Schon einen Monat später marschierte die Nato unter der Führung der USA in Afghanistan ein. Innenpolitisch reagierte Amerika mit einer radikalen Beschränkung der Bürgerrechte, um Fahndung und Aufklärung verbessern zu können – bis hin zu Folter und Haft ohne Anklage. Die konservative Regierung George W. Bush bekam von den Bürgern jedes Mandat, damit sich ein solcher Angriff nie wiederholen konnte. Eines dieser Mandate: eine Außenpolitik, die mit allen Mitteln bis hin zum Regierungssturz amerikanische Sicherheitsinteressen durchsetzt. Ein sogenannter Kampf der Kulturen entbrannte, der in der Folge hunderttausende Opfer kosten sollte.

Viele ikonische Bilder sind bis heute in den Köpfen der Zeitzeugen eingebrannt. Foto: dpa/Alex Fuchs

Reporter der Stuttgarter Zeitung waren seit September 2001 im Einsatz, um die politischen Umwälzungen zu beschreiben und einzuordnen. In New York sprachen sie mit Überlebenden, im Irak erlebten sie den Einmarsch der US-Armee in Bagdad, entdeckten Foltergefängnisse Saddam Husseins und die neue Macht der Schiiten. In den Tälern Pakistans und Afghanistans inspizierten sie verlassene Verstecke Osama bin Ladens und sprachen mit Taliban über die Einflüsse der modernen Welt im Konflikt mit einer frühmittelalterlichen Weltsicht.

Die Traumata des Kolonialismus und des Kapitalismus und die Dominanz der westlichen Wertegemeinschaft verhalfen einer radikalislamistischen Ideologie zu einem weltweiten Aufschwung in den ersten 20 Jahren dieses Jahrhunderts. Sie fand Anhänger in weiten Teilen der muslimischen Welt. Zehntausende Kämpfer zogen in den Krieg oder wurden zu Terroristen. Oft waren diese Kombattanten beides zugleich.

Auch der Irankrieg hat hier seine Ursprünge

Dieser Kampf der Kulturen, zuerst ausgetragen in Afghanistan und ab 2003 im Irak, breitete sich durch terroristische Anschläge in vielen Staaten der Welt aus. Auch Europa wurde erschüttert und veränderte seine innenpolitische Verfasstheit grundlegend, um sich besser schützen zu können. Der Nahe und Mittlere Osten erlebt bis heute Wellen von Kriegen und Terror, die damals ausgelöst wurden. Aufstieg und Fall des Islamischen Staates und der Hamas, Aufstieg und Fall des Iran – dieses und mehr wurde durch den 11. September befeuert.

Nicht zuletzt ist die Präsidentschaft Donald Trumps wesentliches Ergebnis der Anschläge. Die USA überdehnten ihre imperiale Macht derart extrem, dass die Folge einer radikalen Umkehr in ein „Amerika zuerst“ oder eben „Make America great again“ fast logisch war. Donald Trump trat 2016 erstmals an, um den US-Amerikanern diese Sehnsucht zu erfüllen.