Weiers Weinlese Ein Fall für den Arzt

Von Michael Weier 

Ein Fall für den Arzt: Der Weinberg unseres Weinkolumnisten Michael Weier darbt angesichts der momentanen Trockenheit. Weil die Nachricht frustriert, hält er sich an die von einem anderen Arzt, der sagte: Ruhig so weiter trinken, das kann nur gesund sein.

Das hier ist nicht der Grand Canyon Foto: Weier
Das hier ist nicht der Grand Canyon Foto: Weier

Stuttgart - Wenn es einen Arzt für Landschaften gäbe, er würde trocken sagen: Ihr armer Weinberg ist schwer krank. Mir ist völlig schleierhaft, wieso die Regenwolken nur mit einem höhnischen Grinsen (ich hab’s gesehen, ich schwöre!) über Rotenberg hinweg fliegen, aber sie tun es. Wenn im ganzen Land die Rede ist von Trockenheit, was sollen wir da oben sagen! Wenn man sich die Risse in der Erde anschaut, wähnt man sich tatsächlich in der Sahelzone. Ich habe ein Beweisbild gemacht, was sich geschickt mit ein bisschen Werbung für meinen Facebook-Auftritt verbinden lässt: Bei Weiers Weinlese sehen sie das Foto, das selbst ­unerschrockene Menschen schlecht schlafen lässt. Bisher passt nur mein Arm in den Dürregraben, aber man hat die Befürchtung, ­irgendwann fällt man hier in die Tiefe.

Aber über die Trockenheit habe ich an dieser Stelle schon häufiger ­ausgelassen, ich will hier ja niemand langweilen. Ich ­jammere nur, weil ich am Dienstag zehn Stunden lang mit einem Schlauch im Wengert gehockt bin und jeder einzelnen Pflanze eine gute Portion Wasser gegönnt habe. Heute tut mir alles weh, nun bin auch ich ein Fall für den Arzt.

Einen solchen aufzusuchen erscheint mir seit dieser Woche auch gar nicht mehr so schlecht – nachdem meine Frau beim Arzt war. Den Namen desselben gebe ich nur persönlich raus – und nur bei großer Sympathie. Aber er ist gut! Meine Frau wurde wegen einer Verletzung ein ­bisschen Blut abgenommen, offenbar war’s an der Zeit, das Blut mal wieder komplett zu testen. Es war alles gut. Da meine Frau in einer ähnlichen Branche arbeitet wie ich, fragte sie den Arzt am Ende noch: Berufsmäßig müssen wir ­ständig Wein trinken und ich frage mich immer, ob das auf Dauer nicht ungesund und zu viel ist? Darauf antwortete mein Arzt: „Aber ihre Werte sind spitze! Als Arzt darf ich ja nicht den Konsum von Alkohol empfehlen. Aber man sagt Rotwein durchaus eine gesundheitsfördernde ­Wirkung nach aufgrund der Phenole (oder was genau da drin steckt). Jedenfalls scheinen sie es genau richtig zu machen. Weiter so! Nichts ändern!“

Liebe Kinder: An dieser Stelle will ich natürlich auf keinen Fall den Konsum von Alkohol verharmlosen. Alkohol ist nicht gut, den darf man nie zu früh trinken und auch möglichst selten zuviel davon. ­Kinder sollten überhaupt keinen trinken! Wer aber für Wein zuständig ist, der darf sich angesichts dieser Nachricht beruhigt die Hände reiben. Die Phenole haben eine antibakterielle und antioxidative ­Wirkung, letzten Endes ist Wein ein das Leben verlängerndes Elixier. Und da ich oft zusammen mit meiner Frau Wein ­trinke, fühle ich mich seither viel besser. Zwar trinke ich oft ein bisschen mehr, aber bei mir verhält sich das wie in der Geschichte des Bordeaux-Papstes René Gabriel. Der sagt gerne: Wenn ich mit meiner Frau zusammen eine gute Flasche Wein trinke, dann muss ich immer schauen, dass ich die Hälfte davon abbekomme. Schmeckt der Wein aber schlecht, schiebt sie ihn rüber: Den kannst du trinken.

Da wir möglichst selten schlechten Wein trinken, ist mir um meine Gesundheit nunmehr nicht mehr bange. Nur dann, wenn ich noch mehr Bewässerungsschichten im Weinberg einlegen muss.