Weiers Weinlese Schlemmen im Bus

Von Michael Weier 

Und hier noch ein Nachtrag von der Intergastra: Unser Weinkolumnist Michael Weier hat nämlich die Prospekte weggeräumt und ist dabei über ein paar lustige Entdeckungen gestolpert. Einen Luxusimbiss mit Champagner und Kaviar zum Beispiel.

Der bunte Hund, eine lustige Alternative zu Aperol Sprizz Foto: Herrweier
Der bunte Hund, eine lustige Alternative zu Aperol Sprizz Foto: Herrweier

Stuttgart - An der Nachrichtenfront erhielte ich nun einen Verweis, als Weinkolumnist darf ich das: Ich komme noch einmal auf die Messe Intergastra von vergangener Woche ­zurück. Aktuell daran ist: Meine Frau hat mir einen Berg voll Prospekte in die Hand gedrückt , die solle ich gefälligst vom Küchentisch entfernen und zur Arbeit mitnehmen. Und nun liegen sie vor mir und ich muss die Neuentdeckungen ­natürlich mit meinen Lesern teilen!

Ein paar Sachen davon erscheinen mir allerdings so verzichtbar wie ’ne Flasche halbtrockener Dornfelder. Ein Beispiel: Der Apfelstrudler. Der schmeckt ­tatsächlich wie ­Apfelstrudel – mit 15 Volumenprozent Alkohol. Erinnert an Apfelkorn, wobei ich froh bin, dass ich so etwas seit meiner Jugend nie wieder trinken musste. Bei Cold brew Coffee musste erst nachschauen, was das ist. Dazu macht man eine Art Kaffeekonzentrat, das im Kühlschrank aufbewahrt wird. Ich aber besitze eine Kaffeemaschine! Und zu veganem Eistee sage ich am besten nichts ohne meinen Anwalt.

Was mir hingegen gefallen hat: Eine regionale Idee, der bunte Hund. Das ist ein lustiger Likör aus Lauffen, gemacht aus Muskatellertrauben und Himbeeren. Dieser wird mit Sekt aufgefüllt und ist damit die süßere Alternative zum Aperol Sprizz. Eigentlich geht diese Form von Weingenuss natürlich gar nicht, ich fand’s aber hübsch, wie die gefrorenen Himbeeren als kleine Eiswürfel durchs Glas schwammen. Immerhin hat mich das angelockt, ich habe Prospekte eingepackt und so erfahren, dass die ­Winzer in Lauffen die Vinothek des Ortes nicht am Marktplatz verortet haben, ­sondern in einem Bus, der für gewöhnlich am ­Neckarufer steht. Das ist praktisch, man könnte das Gefährt auch mal nach ­Stuttgart ­fahren – sofern mir dann kein Lauffener Katzenbeißer Schwarzriesling halbtrocken aufgenötigt wird.

Falls der Bus nicht kommt: Ich habe eine Alternative gesehen. Die Firma ­Pommery hat einen Truck ganz besonders nobel ausbauen lassen, dort schenkt das Personal Champagner aus und, aufgrund einer Partnerschaft mit Prunier, gibt es als Snacks Kaviar. Ich habe den Karlsplatz kurz ins Gespräch gebracht, aber offenbar scheint das Konzept nicht auf die breite Öffentlichkeit ausgelegt zu sein. Für knapp tausend Euro kann man den Bus mieten, den Champagner muss man extra bezahlen. Ansonsten hätte ich den Wagen am Wochenende zu meinem Weinberg kommen lassen. Zum Arbeitseinsatz. Aber da wäre der Lauffener Bus wohl besser; ich glaube, man kann aus Katzenbeißer einen guten Glühwein machen.