Weiers Weinlese Triumph des Remstals

Von Michael Weier 

Ein Novum! Das Anbaugebiet Württemberg überflügelt beim Deutschen Rotweinpreis wieder die Kollegen aus der Pfalz – und das allein mit Erzeugern aus dem Remstal. Praktisch, dass wir da so nah dran wohnen, findet unser Weinkolumnist Michael Weier.

Gratulation ans Remstal: Ein großartiger Erfolg für ein kleines Gebiet Foto: Screenshot
Gratulation ans Remstal: Ein großartiger Erfolg für ein kleines Gebiet Foto: Screenshot

Stuttgart - Manchmal, das gebe ich unumwunden zu, krankt diese Spalte ein bisschen unter Nachrichtenarmut. Wobei es natürlich auch eine Nachricht ist, wenn mein Vater mir erklärt, dass ich zu selten über den Trollinger schreibe. Heute kommt diese Rebsorte zumindest vor – neben vielen anderen Nachrichten. Heute glänzt die Flaschenpost durch: Fakten! Fakten! ­Fakten! Die Gewinner des deutschen Rotweinpreises stehen fest!

Eines ist klar: Der große Sieger ist das Remstal. Ich denke, so etwas gab’s noch nie. Württemberg erreicht in diesem Jahr acht Platzierungen. Alle kommen aus dem Remstal! Alle! Gemeine Menschen könnten sagen: Da die große Gala am 14. November in der Alten Kelter in Fellbach stattfindet, ein cleverer Schachzug von Rudi Knoll – mit Remstälern kriegt er die Halle sicher leichter voll! Da muss ich den Mann aber in Schutz ­nehmen, denn die Winzer aus dem Unterland sind in der Vergangenheit fast schon in Divisionsstärke nach Fellbach gekommen zum Feiern.

Kommen wir also zu den Siegern: fast unschlagbar das Weingut Karl Haidle. Vor zwei Jahren wurde Hans Haidle als Roter Riese ausgezeichnet, vergangenes Jahr siegten sie bei den Lembergern, und in diesem Jahr holte Moritz Haidle, der junge Chef, die Plätze eins UND zwei bei den Lembergern. Das gab’s wohl noch nie in der Geschichte!

Ebenfalls überragend: die Fellbacher Weingärtner. Die Genossen siegten mit einem Spätburgunder Weißherbst Eiswein und belegten den zweiten Platz mit ihrem Trollinger P bei den unterschätzten Sorten. Das müsste meinen Vater doch freuen! Auch wenn er eher die feinherbe Variante trinkt.

Weitere Sieger aus dem Remstal: das Weingut Jürgen Ellwanger mit einem Nicodemus bei den Cuvées. Und das Weingut Bernhard Ellwanger mit einem Syrah bei den internationalen Klassikern. Das Weingut Klopfer landete bei den Neuzüchtungen mit einem Zweigelt vor dem Weingut Zimmerle aus Korb – mit der gleichen Rebsorte. Vier Siege, acht Platzierungen fürs Remstal, vier Siege und nur sechs Platzierungen für die Pfalz. Ganz offensichtlich leben wir hier in unserer Region doch in einer ganz ­wunderbaren Gegend.