Weiers Weinlese Wir können Riesling!

Von Michael Weier 

Dass die Württemberger Winzer gewaltig aufgeholt haben im internationalen Vergleich, ist längst bekannt. Was unseren Weinkolumnisten Michael Weier allerdings erstaunt hat: Auch beim Rieslingpreis trumpft plötzlich Württemberg auf! Das Collegium Wirtemberg feierte mit seinem Kult-Riesling sogar einen ersten Platz.

Wir können Riesling! Mit der Katharina hat das Collegium Wirtemberg bei der Artvinum des Landes den besten Riesling aus Baden-Württemberg produziert, nun mit dem Kult Riesling den besten DeutschlandsFoto: Max Kovalenko

Stuttgart - Eigentlich wollte ich Ihnen heute ja über meine neuesten Erfahrungen berichten mit den gesunden Mix-Getränken ­namens Smoothies. Und nun MUSSTE ich anstelle von Mango mit Orangensaft und Ingwer leider doch ­wieder ­ Wein ­trinken! Martin Kurrle hat mich quasi dazu gezwungen, mit dem Hinweis, dass die „Flaschenpost“ schon immer eine stark vom Nachrichtenwert geprägte Kolumne war. Der Knüller: Das Collegium Wirtemberg hat bei „Best of Riesling“, dem internationalen und wichtigsten Preis für diese Sorte, einen ersten Platz erreicht

Um dies vielleicht besser einordnen zu können, eine kleine Anekdote: Vor ein paar Jahren stand ich mal mit einem sehr renommierten Wengerter in der Alten Reithalle. Der Mann macht einen wirklich sehr guten Riesling, das ist ­sicher. Er schwenkte vor dem Stand des Weinguts Emrich-Schönleber ein Glas mit Riesling, roch, probierte und sagte zu mir: „Tja, Herr Weier, des kriagat mir halt net noa.“ Die Württemberger machen längst super Wein, aber für den Spitzenriesling stehen eben andere ­ Anbaugebiete wie Mosel, Rheingau, ­Rheinhessen, Nahe oder Saar.

Vielleicht noch die Pfalz, ergänzte ­Martin Kurrle. Aber er selbst? Ist über den Erfolg völlig sprachlos. Da denkt man fast, man ist vermessen, überhaupt gegen diese Konkurrenten anzutreten – und plötzlich steht man auf dem ersten Platz! In diesem Fall ist der oft strapazierte alte ­Werbespruch unseres Landes erlaubt. Wir können alles, wir können inzwischen Riesling! Die Jury schreibt über den ­erfolgreichen Rotenberg-Uhlbacher: saftig-stoffig mit dichter, opulenter Fruchtigkeit (Aromen aller möglichen gelben Früchte bis ­Mango, Grapefruit . . .), aber auch einem kühl-mineralischen Kern, der für die Spannung sorgt. Und? Macht das Lust auf den Wein? Logisch! Da vergesse ich sogar meinen Smoothie.

Das Collegium mischte mit seinem Kult Riesling zwar in der Kategorie Gutswein mit, was ich persönlich seltsam finde, aber die Collegen teilten dieses Los mit vielen Betrieben. Das Prinzip lautet: ­entweder Lagenwein – oder Gutswein, egal, wie teuer oder qualitätsvoll der Riesling gemacht ist. Kann einem auch egal sein. Vor allem, wenn man den ersten Platz belegt und die Kollegen von Mosel oder Rheingau das Nachsehen haben!

Dass wir Riesling können, belegen übrigens noch andere ­Betriebe: Cleebronn-Güglingen kam mit einem Eiswein auf einen zweiten Platz und mit acht weiteren unter die punktbesten Weine, der Weinmanufaktur Untertürkheim gelang dies mit sieben Tropfen, gleich zwei erhielten mit 91 Punkten absolute Topnoten. Und die Weingärtner Bad Cannstatt erreichten dies mit zwei ihrer Rieslinge. Wobei das nicht ganz stimmt: Denn die Weingärtner haben sich inzwischen umbenannt, was in dieser nachrichtenstarken Spalte nicht vergessen werden darf. Sie nennen sich künftig Weinfactum. Wobei ich über den Namen noch nachdenken muss, der Fakt, dass Württemberg nun Riesling kann, gefällt mir hingegen ganz spontan.