Weihnachten im Plieninger Asylheim Pfeffersuppe zum Fest

Camara Johnson wird  im Asylheim ein Weihnachtsmahl kochen. Die Zutaten kann sie auch in Stuttgart kaufen. Foto: Cedric Rehman
Camara Johnson wird im Asylheim ein Weihnachtsmahl kochen. Die Zutaten kann sie auch in Stuttgart kaufen. Foto: Cedric Rehman

Die Nigerianerin Camara Johnson wird Weihnachten im Asylheim in Plieningen feiern. Die Christin will ein traditionelles Mal kochen. Die Zutaten dazu findet sie auch in Stuttgart in afrikanischen Läden.

Aus den Stadtteilen : Cedric Rehman (cr)
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Plieningen - Dieses Jahr wird die Heilige Nacht keine tropische Nacht sein. Camara Johnson wird Wollmütze und Schal brauchen, wenn sie sich am 25. Dezember auf den Weg in die Kirche macht. In Nigeria käme das einer selbst beigefügten Körperverletzung gleich.

In dem afrikanischen Land ist die Heilige Nacht eine tropische Nacht, und an den Weihnachtsfeiertagen ist es so heiß und schwül wie sonst auch. Doch das Wetter ist nicht das einzige, das dieses Jahr an Weihnachten anders sein wird. Die 34-Jährige wird dieses Jahr an den Festtagen fern von der Familie sein. Sie ist aus dem vom Terror der Boko Haram erschütterten Land geflohen. Die Angehörigen blieben zurück. Gerade an Weihnachten wird es schwer für sie. Denn in Nigeria ist der 25. Dezember, der wie in Großbritannien Boxing Day heißt, ein Tag der Familie.

Viele afrikanische Läden in Stuttgart

Im Asylheim in Plieningen will die Christin trotzdem feiern. Sofern möglich eben auch mit den traditionellen Speisen aus ihrer Heimat. Unmöglich sei es nicht, in Stuttgart gibt es zumindest einige der nötigen Zutaten zu kaufen. „Es gibt viele afrikanische Läden, die vieles verkaufen, was wir in Nigeria essen“, sagt Camara Johnson. Natürlich muss sie aufgrund des Budgets Kompromisse machen, sagt sie. Deshalb wird es nicht den Festtagsschmaus geben, der in Nigeria dem deutschen Gänseessen gleichkommt: Ziegenfleisch.

Die Nigerianer seien aber bei der Auswahl ihrer Fleischbeilage flexibel, berichtet Johnson. „Wer keine Ziege zubereiten kann, greift eben zum Hühnchen“, sagt sie. Andere würden sogar Fisch grillen, ganz nach Lust und Laune. Die nigerianische Gans kann also vieles sein, nicht nur Ziege. Serviert wird sie am Boxing Day sowie am 26. Dezember. Am 24. Dezember würde dagegen eher bescheiden gegessen, erzählt die Nigerianerin. Der abendliche Kirchenbesuch stehe schließlich an, und dann müssten die Hausfrauen wieder in der Küche stehen, um das Festmahl der folgende Tage vorzubereiten.

Fleisch wird gern gegessen

Egal, welches Fleisch auf dem Teller liegt, die Beilage besteht aus Yamsbrei und einer scharfen Pfeffersuppe. Die kann zum Brei gelöffelt oder auch wie eine Soße über den gestampften Yams gegeben werden. Der Geschmack der Suppe ergibt sich aus einer speziellen Gewürzmischung. Die kann Camara Johnson in afrikanischen Läden in Stuttgart kaufen. Eine weitere Zutat der Suppe sind getrocknete Shrimps. Nach dem scharfen und fleischlastigen Hauptgang würden es die Nigerianer süß mögen, sagt die Nigerianerin. „Wir kaufen Kuchen in Bäckereien so wie in Europa.“ Auch etwas anderes ist ähnlich wie in Deutschland. Wenn die ganze Familie zusammensitzt, wird das als Gelegenheit gesehen, gemeinsam anzustoßen.

Angesichts der Temperaturen würden die Nigerianer vor allem zu Bier greifen, sagt Camara Johnson. Wein sei allerdings stark im Kommen, sagt sie. Wie in Europa sind die Festtage mit dem letzten Weihnachtstag nur vorläufig vorbei.

Gottesdienst an Sylvester

Am letzten Tages des Jahres stehe für Nigerias gläubige Christen zunächst wieder ein Gottesdienst auf dem Programm, erzählt Camara Johnson. „Danach gehen die Leute auf Partys und freuen sich auf das Feuerwerk.“

Johnson wird in diesem Jahr die knallenden Raketen vom Heim im Wolfer aus beobachten. In ihrer Heimat herrscht ein Krieg zwischen der Regierung und der Terrormiliz. Sie selbst hat Nigeria hinter sich gelassen. Aber sie weiß, dass für die Deutschen Weihnachten und Sylvester genauso wichtig sind wie für die Nigerianer. Nur, dass die Ziege eben in Deutschland eine Gans ist.




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