Weihnachten im Schuhkarton Kinder sehen, dass jemand an sie denkt

Die LKZ-Redakteurin Kathrin Klette packt auch einen Schuhkarton. Foto: factum/Granville
Die LKZ-Redakteurin Kathrin Klette packt auch einen Schuhkarton. Foto: factum/Granville

Die Aktion Weihnachten im Schuhkarton hat begonnen. Abgabeschluss für die Päckchen ist am 15. November.

Spendenaktion - Was schenkt man einem Jungen zwischen 10 und 14? Da mein Bruder aus diesem Alter schon eine ganze Weile raus ist, bin ich nicht gerade Experte. Dass ich bei der Einkaufstour durchs Leo-Center nicht völlig im Regen stehe, verdanke ich vor allem Silvia Schuhmacher. Im Namen der Leonberger Kreiszeitung beteilige ich mich nämlich an der Spendenaktion „Weihnachten im Schuhkarton“ und packe meinen eigenen Karton für ein bedürftiges Kind. Silvia Schuhmacher ist die perfekte Ansprechpartnerin. Sie hat vor Jahren eine Sammelstelle in Weil der Stadt eingerichtet und setzt sich seither mit großem Engagement für die Aktion ein.

„Als Erzieherin habe ich das Ganze erst drei Jahre kritisch verfolgt, weil ich sehen wollte: Kommt alles dort an, wo es hin soll?“ Doch das Konzept habe sie voll überzeugt. „Dann habe ich mein erstes eigenes Päckchen gepackt.“ Schließlich gründete sie die Sammelstelle, sie bewirbt die Aktion an Kindergärten und Schulen und verteilt Flyer und Plakate. Jahrelang übernahm sie mit Freundinnen auch freiwillig die Sichtung der Pakete vor Ort, von diesem Jahr an läuft das zentral über die neue Weihnachtswerkstatt in Birkenfeld.

„Das Ziel ist es, Kindern in extremer Not etwas zu schenken und ihnen zu zeigen: Jemand auf dieser Welt denkt an dich und weiß, dass es dir gerade nicht so gut geht“, erzählt Silvia Schuhmacher. Das können Kinder in Kriegsgebieten sein, verwaiste Kinder oder auch solche, die nach einer Naturkatastrophe alles verloren haben. Jedes Teilnehmerland ist für ein anderes Gebiet zuständig, Kartons speziell aus unserer Region gehen zum Beispiel nach Moldawien.

Bedarf bei Jungs zwischen 10 und 14

Ich beschenke also ein Kind aus Moldawien. Ob Silvia Schuhmacher einen Tipp hat, für wen ich meinen Karton packen soll? „Bei Jungen zwischen 10 und 14 haben wir immer den größten Bedarf“, sagt sie. Denn oft beteiligen sich Vereine, Kindergärten oder Schulklassen an der Aktion, damit die Jungen und Mädchen ein Päckchen für Gleichaltrige packen. „Jungs zwischen 10 und 14 machen da oft nicht mit, weil es für sie einfach nicht ,in’ ist“, bedauert sie.

Spontan wäre mir bei einem Mädchen zwar sicher mehr eingefallen. Doch am Ende ist es gar nicht so schwer. Auf der Homepage von „Weihnachten im Schuhkarton“ finden sich viele Tipps und Vorschläge. Und schließlich geht es zum großen Teil ja gar nicht um Luxusgüter wie Spielzeug.

Es sind die einfachsten Dinge, an denen es fehlt: Zahnpasta und Zahnbürste sollen zum Beispiel in den Karton, etwas Warmes zum Anziehen wie ein Schal oder eine Mütze und Schreibzeug. Ich entscheide mich für einen dicken Block, dazu Blei- und Buntstifte mit Radiergummi und einen Mini-Globus als Spitzer. „Schreibsachen sind ganz wichtig“, erklärt Silvia Schuhmacher. „Es gibt Länder, da dürfen die Kinder nicht in die Schule, wenn sie das nicht haben.“ Bleistifte sind ideal. „Manche müssen nach dem Ende des Schuljahrs ihre Aufschriebe wieder ausradieren, damit sie das Heft noch mal benutzen können.“

Spielzeug und Süßigkeiten

Trotzdem soll natürlich auch etwas dazu, an dem die Kinder einfach nur ihre Freude haben: Süßigkeiten und etwas zum Spielen. Bei Süßigkeiten ist es wichtig, dass es reine Süßigkeiten sind wie zum Beispiel Vollmilchschokolade oder Gummibärchen, in denen sich keine „echten“ Lebensmittel wie Nüsse befinden. Das hängt mit den Zollbestimmungen zusammen. Bei Spielzeug haben die Teilnehmer bis auf einige Ausnahmen die freie Wahl. „Bei Jungs in dem Alter sind Spielzeugautos natürlich passend, auch Bälle oder Flummis oder eine Mundharmonika, um Musik zu machen.“ Selbst Kuscheltiere sind noch gern gesehen. Hauptsache, es passt am Ende alles in den Karton. In meinen kommen zum Schluss noch ein paar Kulis von der Leonberger Kreiszeitung. Und der Einband ist natürlich auch aus Zeitungspapier.

Silvia Schuhmacher hat in der Zeit, in der sie ihre Sammelstelle betreibt, viel erlebt. Leider auch Negatives, Pakete mit schmutzigen Klamotten zum Beispiel oder komplett heruntergespitzten Stiften. „Die Waren für den Schuhkarton müssen ungebraucht sein“, betont sie. Das hat formelle Hintergründe, nämlich Zollbestimmungen, „aber es hat auch etwas mit der Wertschätzung der Kinder zu tun“. Diese schlechten Erfahrungen seien aber die Ausnahme. „Ich bin jedes Jahr von Neuem überrascht, wie liebevoll die Kartons gepackt und hergerichtet sind.“ Besonders schön findet sie es, wenn von einem Kind sogar eine Rückmeldung kommt – vielen ist das nicht möglich –, „und man erfährt, wie ihnen das Paket geholfen hat.“




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