Weihnachten in Böblinger Klinik Wie Heiligabend auf der Kinderstation abläuft

Kristin Leucht (links) und Anne-Maren Keck auf der weihnachtlich dekorierten Kinderstation Foto: Stefanie Schlecht

Auch an Heiligabend ist die Kinderklinik Böblingen offen und besetzt. Ob kleine Patienten oder Mitarbeitende – für alle ist etwas Weihnachtliches geboten.

Böblingen: Martin Dudenhöffer (dud)

Ein funkelnder Weihnachtsbaum, ein üppiges Weihnachtsessen, farbenfroh verpackte Geschenke – bei den meisten wird der Weihnachtsabend im eigenen Wohnzimmer so oder so ähnlich aussehen. Nicht bei allen aber, denn es gibt auch zahlreiche Menschen, die Heiligabend im Krankenhaus verbringen – entweder weil sie erkrankt sind oder dort arbeiten.

 

Damit für Patienten wie Mitarbeitende Weihnachtsstimmung aufkommt, sind manche Stationen im Klinikum Böblingen dekoriert. Auf der Kinderstation zum Beispiel steht ein geschmückter Tannenbaum, Sterne hängen an den Fenstern. Vor Wochen schon bastelten die Erzieherinnen mit kleinen Patienten an Weihnachtsdeko. Sie soll an Heiligabend die eigentlich sterile Station aufhellen.

Es gibt Freiwillige für Heiligabend

Am 24. Dezember hat Kristin Leucht Frühdienst. Um den Dienstplan auch an den Feiertagen voll zu kriegen, muss die stellvertretende Bereichsleitung nicht lange suchen. „Wir hören uns vor Weihnachten im Team um, wer welche Präferenz hat“, erläutert Leucht. Vor allem Mitarbeitenden mit Kindern wolle man an jenen Tagen entgegenkommen. „Das geht so gut wie immer auf“, sagt Leucht. Das liege auch daran, dass Kollegen, die Weihnachten aus religiösen Gründen nicht feiern, sich freiwillig melden. Auch 2025 lautet die Regel: Wer an den Weihnachtsfeiertagen arbeitet, hat an Silvester, Neujahr und Dreikönige frei.

Kindergesundheitspflegerin Kristin Leucht hat schon einige Weihnachtstage dienstlich im Klinikum abgeleistet. Sie weiß, wie Weihnachten in der Kinderklinik ausschaut: „Es ist meistens ruhiger. Die Kinder haben Besuch von Eltern, essen vielleicht ein mitgebrachtes Essen und genießen die Zeit zusammen.“ Auch Geschwisterkinder oder Großeltern seien willkommen. Eine gemeinsame Bescherung auf den Stationen gibt es keine – aus Infektionsschutzgründen und weil nicht jedes Kind fit genug ist.

Ein Weihnachtsbaum, Geschenke, Sterne an den Scheiben – die Kinderklinik ist weihnachtlich geschmückt. Foto: Stefanie Schlecht

Leer ausgehen wird am 24. deshalb aber kein Kind. Von ihren Eltern und den Familien würden die Kinder selbstverständlich reich beschenkt. Und auch die Klinik lässt ihre Kontakte zum Christkind spielen: „Altersentsprechend erhält jedes Kind ein kleines Geschenk“, verrät Kristin Leucht. Was die Kinder an Heiligabend auspacken dürfen, bleibt allerdings noch ein Geheimnis.

Es weihnachtet auf der Station

Auch die Mitarbeitenden selbst sorgen für etwas Festtagsatmosphäre, wie die pflegerische Zentrumsleiterin Anne-Maren Keck sagt: „Wir haben ein Mitarbeiterwichteln und wir versuchen, es uns schön und entspannt zu machen: Mit Kuchen, Schokolade, Gutsle, Deko oder Weihnachtsmusik.“ Ob der Abend besinnlich bleibt, ist nicht abzusehen. „Es gab mal einen sehr turbulenten Heiligabend. Damals konnte ich nicht mal Pause machen“, erinnert sich Kristin Leucht an den Einsatz in der Notaufnahme.

Weil an Weihnachten auch die Kulinarik zählt, serviert die Küche am 25. ein besonderes Essen: Für wen medizinisch nichts dagegenspricht, gibt es einen Schoko-Weihnachtsmann, Schweinerückenbraten mit Lebkuchensoße, Rotkohl und Semmelknödel und zum Nachttisch Mousse au Chocolat.

Auch wenn es dieses Jahr wieder ein ansehnliches Weihnachtsmenü gibt, freiwillig verweilt wohl kein Patient im Krankenhaus. „Wir haben schwer kranke Kinder, aber auch Patienten, die spontan in die Klinik müssen, zum Beispiel wegen Atemwegsinfekten“, erklärt Leucht. Grundsätzlich versuchten Ärzte den Wunsch zu berücksichtigen, Weihnachten möglichst zuhause zu feiern. „Wenn es der Gesundheitszustand zulässt, machen wir das“, merkt Anne-Maren Keck an, die zuhause mit Familie und Kindern feiern wird.

Auch Erwachsene dürfen hoffen

Hoffnung auf eine rechtzeitige Rückkehr haben auch erwachsene Patienten. Wenige Tage vor dem Weihnachtsfest liegt Günther (Name geändert) nach einer ungeplanten Operation im Krankenbett der chirurgischen Station. Ob er vor dem 24. entlassen werde, wisse er nicht: „Das sehe ich dann. Wenn es so wäre, dass ich hier sein muss, dann ist es so. Wichtig ist mir, dass mir geholfen wird.“

Sollte keine Heimkehr möglich sein, werde seine Familie ein Teil der Feier auf der Station am Krankenbett abhalten. „Die Gesundheit geht vor. Sie ist das größte Geschenk – auch an Weihnachten“, betont der Patient.

Kliniklandschaft im Kreis Böblingen

Umbruch
Aufgrund der Medizinkonzeption 2030 und des Baus des Flugfeldklinikums befindet sich der Klinikverbund Südwest mit seinen Standorten Böblingen, Sindelfingen, Herrenberg und Leonberg sowie Calw und Nagold in einer Umbruchphase.

Gesundung
Der Klinikverbund ist finanziell angeschlagen und muss bis 2030 weitere 25 Millionen Euro einsparen. Fünf Millionen Euro pro Jahr sind veranschlagt. Das beschloss der Kreistag Böblingen kürzlich.

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