Udine in Italien lässt Bilder anstelle von Texten sprechen. Aber diese Bilder haben immerhin eine große Aussagekraft Foto: Comune di Udine Foto: /Fo
In Indien, Polen, Italien, Slowenien und der Ukraine verlaufen die Festtage anders. Esslingens Partnerstädte lassen sich zu Weihnachten einiges einfallen: Da gibt es Weihnachtsbäume mit Kindersicherung oder variable Geschenkzyklen.
Simone Weiß
23.12.2024 - 18:00 Uhr
Sie feiern auch. Aber etwas anders. In Esslingens Partnerstädten gibt es über die Feiertage weihnachtliche Extras als Ergänzung zu Weihnachtsliedern, Christbäumen oder Krippenspielen. Ein festlicher Blick nach Slowenien, Italien, in die Ukraine sowie nach Indien und Polen.
Der hängende Christbaum Die alten Sitten waren pragmatischer. In früheren Zeiten, so teilt das slowenische Velenje mit, wurden die geschmückten Weihnachtsbäume nicht einfach auf den Boden gestellt. Nein, das passiert erst seit gut 100 Jahren. Zuvor wurden die Weihnachtsbäume in einer Ecke des Hauses an der Decke aufgehängt. In manchen Familien wurden die Christbäume mit der Spitze nach oben angebracht, in anderen geschah das mit der Spitze nach unten. Der Clou dabei: Die Methode war platzsparend. Von der Decke baumelnde Christbäume ließen auf dem Boden Raum für andere Aktivitäten. Und die Leckereien sowie der dekorative Schmuck am Baum waren sicher vor dem Zugriff von Kinderhänden und damit vor jeder Form von Sachbeschädigung oder vorzeitigem Verzehr. Die Sitte des Schmückens von Christbäumen sei von Deutschland nach Slowenien gekommen, heißt es aus Velenje mit seinen etwa 26 000 Einwohnern. Die Häufigkeit der Bescherung ist in Slowenien zudem Glückssache und hängt von der jeweiligen Familie ab. Manchen Kindern geht es gut und sie können gleich drei Mal Geschenke auspacken. Andere haben das Nachsehen und dürfen sich nur einmal über eine Bescherung freuen. Doch zumindest theoretisch besteht die Möglichkeit, dass drei „gute Männer“ vorbeischauen: St. Nicholas (Miklavž) in der Nacht vom 5. auf den 6. Dezember, Santa Claus (Božiček) am Weihnachtsabend und Großvater Frost (Dedek mraz) am Neujahrsabend. Zu manchen – sehr glücklichen – Kindern kommen alle drei, heißt es aus der slowenischen Partnerstadt.
/Damijan Kljajic
Eine opulente Bildsprache Udine lässt Bilder sprechen. Aus Esslingens italienischer Partnerschaft kommt kein Text zu lokalen Weihnachtsbräuchen – dafür aber ein Foto. Diese Aufnahme aber ist sehr wirkungsvoll. Sie zeigt als visueller Ersatz für das geschriebene Wort ein wunderschön beleuchtetes Gebäude. Das Bild stehe für die weihnachtlichen Traditionen und die Festtagsatmosphäre in der Stadt, wird aus der Kommune mitgeteilt.
Fleischloser Gastro-Mix zum Fest Ungeduldig dürfen sie nicht sein, die Kinder von Kamianets-Podilskyi. In Esslingens ukrainischer Partnerstadt wird Weihnachten nämlich erst am Montag, 6. Januar, gefeiert. Dann aber wird kräftig aufgetischt. Die Familien, heißt es aus der Partnerstadt, versammeln sich um einen Tisch und verzehren zwölf fleischlose Speisen. Zum vegetarischen Gastrogenuss gehören Kutia, Uzvar, Borschtsch, Knödel oder Kohl. Die Speisen sind nicht nur für den Eigenbedarf gedacht: Ein Teil der Kutia, einer süßen Getreidespeise, wird auf die Türschwelle gelegt, um sie so mit den Seelen der Verstorbenen zu teilen. Die Kinder nutzen Weihnachten aber auch, um in Kamianets-Podilskyi von Haus zu Haus zu ziehen, Weihnachtslieder zu singen, Glück und Gesundheit zu wünschen. Das historische Stadtzentrum und die Festung der westukrainischen Stadt mit ihren knapp 97 000 Einwohnern werden während der Feiertage festlich erleuchtet, und es werden kulturelle Veranstaltungen wie Konzerte oder Neujahrsdiscos abgehalten. Der Haupt-Weihnachtsbaum steht im Zentrum von Kamianets-Podilskyi, und der Beginn der Feierlichkeiten wird von einem festlichen Programm begleitet. Diese und andere Bräuche und Traditionen, so wird aus der ukrainischen Partnerstadt mitgeteilt, würden für eine „warme und magische Atmosphäre sorgen“, die Einheimische und Besucher begeistern würde. Der russische Angriffskrieg wirft aber dennoch seine Schatten auf den Weihnachtszauber: Die Veranstaltungen, so wird mitgeteilt, dienten auch dazu, den „patriotischen Geist“ zu heben, die bewaffneten ukrainischen Streitkräfte zu unterstützen und einen Sieg näher zu bringen.
Die Jugend von Kamianets-Podilskyi zieht von Haus zu Haus und singt Weihnachtslieder. Foto: Stadt Kamianets-Podilskyi
Schattenspiele zum Fest des Lichts Die Vorführung dauert nur fünf bis sechs Minuten. Doch die Vorbereitungen dafür müssen sehr aufwendig gewesen sein. 15 Studierende der Colleges führen in der Weihnachtszeit in der Christkirche der indischen Partnerstadt Coimbatore ein Schattenspiel auf. Unter der Überschrift „Das Echo von Bethlehem“ wird die Geschichte der Geburt Christi mit Hilfe der Figuren in Szene gesetzt. Schäfer, Hirten, Könige und Engel, aber auch Josef, Maria und das Jesuskind werden dabei auf die Bühne gebracht. Die kirchliche Festgesellschaft sei von der Darbietung überrascht und sofort in ihren Bann gezogen worden, wird aus der Partnerstadt mitgeteilt. Begleitet werden die Weihnachtsfeierlichkeiten nach Angaben der Partnerstadt von gemeinnützigen Aktionen. Familien mit wenig Geld werden unterstützt, Initiativen zum Verteilen von Speisen und Essen starten, Gemeinschaftsveranstaltungen wie Weihnachtsbasare und das Singen von Weihnachtsliedern in der unmittelbaren Nachbarschaft gehen über die Bühne. Esslingens Verbindung zu Coimbatore wurde im Juli 2016 besiegelt und gilt als die erste offizielle Städtepartnerschaft zwischen einer deutschen und einer indischen Kommune.
Ein Christbaum für das Tierwohl Nicht für die Katz sind die Weihnachtsbräuche im polnischen Piotrków Trybunalski, mit dem Esslingen seit 1992 eine Städtepartnerschaft unterhält. In der Kommune mit ihren etwa 70 000 Einwohnern, so berichtete Stadtpräsident Juliusz Wiernicki bei seinem Besuch in der Neckarstadt, werden etwa 20 Weihnachtsbäume an zentralen Stellen aufgestellt. Drei der Bäume werden von der Stadt festlich herausgeputzt. Die anderen Christbäume werden für integrative Ziele, für Eigenwerbung und für Selbstdarstellung genutzt. Sie werden von Einrichtungen, Vereinen, Gruppen, Schulen oder Kindergärten aus dem Gebiet von Piotrków Trybunalski geschmückt. Die für den jeweiligen Baum Verantwortlichen können dabei ihrer Fantasie freien Lauf lassen. Einen Baum aber hebt Juliusz Wiernicki ganz besonders hervor: Er steht in der Patenschaft des örtlichen Tierheims und die Verantwortlichen haben in den Zweigen und an Christbaumkugeln Bilder von den Hunden und den Katzen aufgehängt, die sie gerne an neue Herrchen oder Frauchen vermitteln würden. Treue Tieraugen vom Weihnachtsbaum herab – das ist ein unschlagbarer Reklamecoup. Nur ganz wenige können widerstehen. In den vergangenen Jahren ist die Vermittlungsquote sehr hoch gewesen, freut sich Juliusz Wiernicki: „Die Aktion war ein voller Erfolg.“