Tiere als Weihnachtsgeschenk Welpen bei Ebay gekauft

Von Florian Mader 

Tiere an Weihnachten zu verschenken, sollte gut überlegt sein. Die Stiftung Warentest warnt nun vor den Gefahren des Haustierhandels im Internet.

Viele Kinder wünschen sich zu Weihnachten einen Hund – doch solch eine Anschaffung will gut überlegt sein. Foto: dpa
Viele Kinder wünschen sich zu Weihnachten einen Hund – doch solch eine Anschaffung will gut überlegt sein. Foto: dpa

Stuttgart - Mit großen, schwarzen Augen lächelt der Hund aus dem Bildschirm. „Süßer Welpe sucht ein Zuhause“, steht da – eine Französische Bulldogge, „mit Ahnentafel“. Fast 7500 Inserate für kleine Welpen sind derzeit allein bei den Ebay-Kleinanzeigen zu finden. Jetzt, vor Weihachten, steigen die Anfragen. Ein kleines Haustier, wäre das nicht ein nettes Geschenk?

Die Stiftung Warentest warnt in ihrer aktuellen „Finanztest“-Ausgabe vor den Gefahren des Haustierhandels im Internet. „Händler werben dort mit niedlichen Fotos, die Leute verlieben sich spontan“, erklärt „Finanztest“-Redakteurin Kirsten Schiekiera. „So kann man schnell auch auf unseriöse Händler hereinfallen.“

Denn die Gefahr von solchen Geschäftemachern im Netz ist groß. Über Herkunft und Gesundheitszustand der Tiere geben die Online-Annoncen keine Auskunft, Papiere wie Impfscheine und Ahnentafeln lassen sich leicht fälschen. Oft sind diese Händler Teil eines internationalen Netzwerks, vor dem auch das Bundeslandwirtschaftsministerium derzeit warnt. Vor allem Hundewelpen würden in Polen, Tschechien oder Ungarn unter miserablen Bedingungen gezüchtet und dann illegal nach Deutschland importiert. Hier tauchen sie in den Internetkleinanzeigen auf. „Das Problem ist, dass der Laie beim Surfen im Netz kaum zwischen seriösen und unseriösen Anbietern unterscheiden kann“, warnt Kirsten Schiekiera.

Nach Drogen und Waffen sind Welpen das lukrativste illegale Geschäft

Was es heißt, an unseriöse Händler zu geraten, das weiß Birgitt Thiesmann. Sie arbeitet hauptberuflich für die Tierschutzorganisation Vier Pfoten und leitet dort eine Kampagne gegen den illegalen Welpenhandel. Erst vergangene Woche hat sie zusammen mit einer SWR-Redakteurin eine Händlerin in Schwäbisch Hall hochgehen lassen. „Die Händlerin ist uns aufgefallen, weil sie jede Woche inseriert hat – jedes Mal mit dem gleichen Text und dem gleichen Welpenfoto“, berichtet Thiesmann.

So viele Welpen könne die eine Mutterhündin überhaupt nicht gebären. Die Welpen müssen also von auswärtigen Züchtern stammen. Damit gerät diese Händlerin gleich mehrfach mit dem Gesetz in Konflikt. Weil die Welpen ohne Impfung nach Deutschland eingeführt werden, liegt ein Verstoß gegen das Tierseuchengesetz vor. Und laut Tierschutz-Hundeverordnung dürfen Welpen frühestens im Alter von acht Wochen von ihren Müttern getrennt werden, was ebenfalls nicht eingehalten wird.

650 Euro hat ein Welpe der Schwäbisch Haller Händlerin gekostet, sie selbst hat ihn für höchstens 50 Euro zugekauft, schätzt Birgitt Thiesmann – ein riesiges Geschäft. „Nach Drogen und Waffen sind Welpen mittlerweile das lukrativste illegale Geschäft“, sagt sie.

Die Leidtragenden dabei sind die Tierheime. Denn die Tiere sind meist krank und aufgrund der frühen Trennung von der Mutter nicht sozialisiert. „Das überfordert die Leute schnell, und dann geben sie die Tiere wieder ab“, berichtet Marion Wünn, die Leiterin der Stuttgarter Einrichtung. 2500 Tiere nimmt ihr Heim jedes Jahr auf, mittlerweile zehn Prozent davon stammen aus dem Online-Handel. Wünn kann das nicht verstehen. „Ich bestell mir doch ein Tier nicht wie ein paar Schuhe“, schimpft sie.

Vor dem Kauf selbst ein Bild machen – entweder beim Züchter oder im Tierheim

Was aber tun, um beim Tierkauf sicher gehen zu können? „Es wäre unrealistisch, ganz vom Internet abzuraten“, sagt Kirsten Schiekiera von der Stiftung Warentest. „Man darf eben seinen Verstand beim Tierkauf nicht ausschalten.“ Sie hat ein paar Tipps gesammelt: Unabdingbar ist es, Hund oder Katze vor dem Kauf vor Ort in ihrer Aufzuchtstation zu besuchen und sich dort ein Bild zu machen, wie sie gehalten werden. „Wenn Händler versuchen, ihre Tiere aus dem Kofferraum oder auf Märkten zu verkaufen, heißt es nicht nur: Finger weg“, warnt Schiekiera. „Dann sollte man auch die Polizei verständigen.“

Gute Züchter würden einem möglichen Käufer die Tiere niemals aufschwatzen, sondern zu einem mehrmaligen Besuch raten, bevor man das Tier mit nach Hause nimmt. Die Anlagen, in denen die Tiere gehalten werden, sollten zudem sauber sein. Kunden sollten diese genau unter die Lupe nehmen. Auch der Preis ist wichtig. Gerade Rassehunde haben ihren Wert – Dumpingpreise sollten hier ebenfalls stutzig machen.

Die Stiftung Warentest empfiehlt zudem, einen Kaufvertrag mit dem Verkäufer abzuschließen. Im Sinne des Gesetzes sind Tiere nämlich „Gebrauchsgüter“ – und damit haftet der Verkäufer zwei Jahre lang für alle Mängel, die sie verantworten. Was aber ein solcher Mangel sein könnte, hängt von eben jenem Kaufvertrag ab. Oft sind es Krankheiten oder schwere Verhaltensauffälligkeiten.

Achtet man auf all diese Dinge, dann spricht nichts dagegen, ein Haustier zu Weihnachten anzuschaffen. Tierschutzorganisationen warnen zwar davor, Tiere spontan zu kaufen oder zu verschenken. „Die Entscheidung für ein Haustier sollte immer gut durchdacht sein – und niemals aus einer Laune heraus erfolgen“, sagt auch Kirsten Schiekiera von der Stiftung Warentest: „Wenn vorher geklärt wurde, dass eine Familie die Betreuung zeitlich und den Unterhalt finanziell stemmen kann, dann passt das auch in die Vorweihnachtszeit.“

Für Marion Wünn, die Leiterin des Stuttgarter Tierheims in Botnang, gibt es ohnehin nur eine Anlaufstelle, wenn jemand nach Haustieren sucht: eben ein Tierheim vor Ort. „Da sollte man sich auf jeden Fall erkundigen“, sagt sie. „Auch bei uns gibt es meistens Welpen.“ Tiere als weihnachtliche Überraschungsgeschenke sind hier ohnehin nicht möglich. Zwar bekommt Marion Wünn auch jetzt im Advent wieder einige Anfragen, aber bei ihr ist das Prozedere klar geregelt. „Wir schauen uns Haltungsbedingungen bei allen Interessenten zu Hause genau an“, sagt sie. „Das Tier darf bei uns erst ausziehen, wenn keine Bedenken mehr bestehen.“