Stuttgart - Landesweit wird es in Baden-Württemberg keinen Frühstart in die Weihnachtsferien geben. Das hat Kultusministerin Susanne Eisenmann (CDU) am Donnerstagabend klargestellt. „Wir werden in Baden-Württemberg keine längeren Weihnachtsferien anordnen. Eine solche Maßnahme von oben verordnet könnte organisatorische Fragen auslösen und zahlreiche Eltern vor Betreuungsprobleme stellen. Das wollen wir vermeiden“ erklärte sie. Damit rudert die CDU-Politikerin zurück. Zuvor hatte sie es in Medienberichten als „kluges Vorgehen“ bezeichnet, mit Hilfe beweglicher Ferientage früher in die Weihnachtspause zu starten. Jetzt stellt Eisenmann es ausdrücklich ins Belieben der Schulgemeinschaft vor Ort, ob sie Schülern und Lehrern mithilfe der beweglichen Ferientage „ein bisschen mehr Zeit zum Durchatmen kurz vor Weihnachten“ einräumen wollen.
Bei ihrem Vorstoß hatte Eisenmann eine Idee von Nordrhein-Westfalens Ministerpräsident Armin Laschet (CDU) aufgenommen, der bewegliche Ferientage aus der Faschingszeit an den Beginn der Weihnachtsferien verlegen wollte. Daran hat sich auch in Nordrhein-Westfalen Kritik entzündet. Der Berliner Senat hat angekündigt, seine Weihnachtsferien nicht vorzuverlegen. Eisenmanns sächsischer Amtskollege und Parteifreund Christian Piwarz sah in einem solchen Schritt „ein veritables Betreuungsproblem“ und zeigte sich „skeptisch“.
Eltern dringen auf Notbetreuung
Auch in Baden-Württemberg war das Echo zwiespältig. „Ich unterstelle, dass Frau Eisenmann damit etwas Gutes erreichen will“, sagte der Vorsitzende des Landeselternbeirats Michael Mittelstaedt. „Aber was die positiven Effekte einer solchen Maßnahme sein könnten, ist mir noch nicht ganz klar.“ Auch er rechnet damit, dass längere Ferien Betreuungsnöte auslösen könnten. „Alle Schulen, an denen Eltern wegen der Ferienverlängerung Betreuungsprobleme bekommen, müssen zwingend eine Notbetreuung anbieten“, sagte Mittelstaedt. „Anders ist das für uns nicht akzeptabel.“
Rückendeckung für den Vorstoß erhielt Eisenmann von den Grünen, die von einem „sinnvollen Schritt“ sprachen. „ Schüler und Lehrer können dadurch schon eine komplette Woche vor Heiligabend ihre Kontakte deutlich reduzieren“, erklärte die Bildungspolitikerin Sandra Boser. „Das kann helfen, das Infektionsrisiko zu senken, falls Kinder, Eltern und Großeltern an Weihnachten zusammenkommen wollen.“ Wichtig sei dabei, dass die Familien in den freien Tagen ihre Kontakte auch tatsächlich auf das Allernötigste beschränkten. FDP-Fraktionschef Hans-Ulrich Rülke kann dem früheren Ferienbeginn gute Seiten abgewinnen. Das würde für viele Familien eine Erleichterung darstellen, erklärte er auf Anfrage. „Wenig Verständnis haben wir dafür, dass die Kultusministerin die Entscheidung hierüber sechs Wochen vor Weihnachten auf die Verantwortlichen vor Ort abwälzt“, sagte Rülke. Der FDP-Bildungspolitiker Timm Kern befürchtet, dass so „ein Flickenteppich unterschiedlicher Regelungen“ entstehen könnt.
„Kein Beitrag zur Eindämmung der Pandemie“
„Es ist uns nicht ersichtlich, wie dieser Vorschlag zu einer Verbesserung bei der Eindämmung der Pandemie beitragen soll oder den Familien mehr der dringend benötigten Ruhe und Besinnlichkeit in der Weihnachtszeit ermöglichen soll, ohne selbst wieder größere Probleme zu schaffen“, sagte der SPD-Bildungspolitiker Stefan Fulst-Blei: „Nach dem viel zu großen Unterrichtsausfall im Frühjahr tut uns jeder weitere Tag weh, an dem Unterricht nicht stattfindet.“