Es ist nicht alles Krise – bei genauerem Hinsehen verliert das Schreckgespenst mitunter sein Grauen. Jüngstes Beispiel: das Weihnachtsgeschäft. Von einem „anständigen Start in die heiße Phase“ spricht der Handelsverband Deutschland (HDE).
Tatsächlich waren die großen Innenstädte am Samstag prall gefüllt; viele Menschen haben Lust auf weihnachtliche Stimmung und trotzen im Getümmel dem Untergangsgerede. Nicht zu unterschätzen ist neben Glühweindurst der Schnäppchenhunger – die „Black friday“-Bewegung wächst eher, anstatt im Sinne der Nachhaltigkeit zu schrumpfen. Von der Rabattschlacht profitiert jedoch in erster Linie der Onlinehandel. Nicht selten hieß es am vorigen Wochenende etwa bei wirklich guten Angeboten von Elektronikartikeln: ausverkauft.
Insgesamt halten sich die Verbraucher spürbar zurück
Doch auch davon darf man sich nicht täuschen lassen. In der Gesamtbetrachtung halten sich die Verbraucher spürbar zurück; es wird lieber dosiert Geld ausgegeben als die nächste Konsumorgie gestartet. Insofern berichten laut HDE auch fast zwei Drittel der Geschäfte von sinkenden Kundenfrequenzen gegenüber dem Vorjahr. Der Handel setzt nun auf den bekannten Trend, dass die Geschenke immer mehr kurz vor dem Fest erworben werden, damit die Umsätze am Ende doch noch zufriedenstellend ausfallen.
Die Lage ist in vielfacher Hinsicht diffus – schon von Stadt zu Stadt können sich größere Abweichungen ergeben. Ein Bild des Jammers bietet sich dem Handel nicht. Vielmehr spiegelt sich darin der Zustand einer gespaltenen Bevölkerung: Eine Hälfte erfreut sich weiterer Reallohnzuwächse oder des noch immer hohen Wohlstandsniveaus; ein anderer erheblicher Teil bangt infolge der Hiobsbotschaften von Insolvenz bis Personalabbau um die finanzielle Zukunft. Selten hat sich ein solches Nebeneinander von Konsumfreude und Kaufzurückhaltung gezeigt. In welche Richtung das Pendel im neuen Jahr stärker ausschlägt, ist kaum vorherzusagen.