Weihnachtsmärkte im Rems-Murr-Kreis Die Beschicker sind die Leidtragenden

Nur die Weihnachtsmütze auf dem Schorndorfer Rathaus hält weiter die Stellung. Foto: / Stoppel

Auch die Städte Fellbach und Backnang haben ihren Weihnachtsmarkt abgesagt. Man befürchte sonst einen Weihnachtsmarkt-Tourismus, heißt es vonseiten der Verantwortlichen.

Rems-Murr: Simone Käser (sk)

Rems-Murr-Kreis - Ein richtiger Paukenschlag ist es wohl nicht. Vielmehr reagiert die Stadt Fellbach mit der Absage von Weihnachtsmarkt und Eisbahn so, wie es in Anbetracht der sich täglich zuspitzenden Coronalage zu erwarten war. Die Durchführung falle den steigenden Infektionszahlen und weiteren Absagen im Landkreis zum Opfer, heißt es in der Pressemitteilung der Stadt.

 

Fellbach sagt den Budenzauber und die beliebte Eisbahn ab

Nachdem der Weihnachtsmarkt in Schorndorf am Montag kurzfristig abgesagt worden war, zieht nun auch Fellbach nach und sagt sowohl den stimmungsvollen Budenzauber mit Lichtermeer als auch die besonders bei Familien beliebte Eisbahn ab. Dadurch, dass im Hinblick auf die sich täglich verschlimmernde Coronalage alle Weihnachtsmärkte in der Region abgesagt worden sind, sei ein „Weihnachtsmarkt-Tourismus“ und ein damit noch höheres Infektionsrisiko zu befürchten gewesen, wenn am Fellbacher Markt festgehalten worden wäre, so die Pressesprecherin Fellbachs, Sabine Laartz, über die Absage des Marktes, der am kommenden Samstag, also traditionell einen Tag vor dem ersten Advent, eröffnet worden wäre.

Gäste anderer Städte könnten den einzigen Markt als Ausflugsziel sehen

So habe die Gefahr bestanden, dass Gäste aus anderen Kommunen den einzigen Markt in der Region als Ausflugsziel nutzen würden. „So gerne wir Gäste bei uns haben, wäre dies beim momentanen Infektionsgeschehen fahrlässig“, sagt Fellbachs Oberbürgermeisterin Gabriele Zull. „Die hohen Inzidenzwerte haben zu landesweiten Absagen geführt, trotz einem sehr ausgereiften Hygienekonzept ist ein Weihnachtsmarkt daher nicht möglich“, bedauert die OB und betont, dass alles, was möglich war, in Bewegung gesetzt wurde. „Wir hätten auch 2G plus umsetzen können, aber der Appell der Landesregierung lautet ganz klar, Kontakte zu vermeiden“, sagt Gabriele Zull.

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Ähnlich argumentierte auch der Verein „Attraktives Winnenden“, der den Winnender Markt abgesagt hat. „Als einer der ganz wenigen Weihnachtsmärkte in der Region hätten wir vermutlich einen erheblichen Andrang erlebt, der mit unserem ausgefeilten 2G-Plus-Hygienekonzept dann nicht mehr in Einklang und vor allem nicht mehr kontrollierbar gewesen wäre“, heißt es von dort.

Die Stadt Murrhardt organisiert einen Warenverkaufsmarkt

Die Stadt Murrhardt hat dagegen entschieden, dass der Weihnachtsmarkt am Samstag, 4. Dezember, zwar stattfinden soll, allerdings dürften Speisen und Getränken zum Verzehr vor Ort nicht verkauft werden. Stattdessen findet der Markt als reiner Warenverkaufsmarkt statt. Darüber hat sich die Verwaltung der Kommune mit dem Murrhardter Gemeinderat verständigt. Die Stadt Backnang hat den Weihnachtsmarkt, der vom 26. bis 28. November auf dem Stiftshof hätte stattfinden sollen, komplett abgesagt. OB Maximilian Friedrich sagt: „Diesen Schritt haben wir uns nicht leicht gemacht.“

Auf dem Platz in Fellbach sieht es aus als könne es losgehen

So geht es wohl allen verantwortlichen Kommunen. Doch die eigentlichen Leidtragenden sind die Beschicker, deren Verzweiflung angesichts der neuesten Entwicklungen wohl nur erahnt werden kann. Wer am Vormittag – noch vor der Verkündigung der Fellbacher Absage – über den Guntram-Palm-Platz schlenderte, bekam den Eindruck, es müsste nur noch der Strom eingeschaltet werden, und schon könne es losgehen: Eine große Weihnachtsmannfigur grüßt freundlich, auf dem Teich neben den Wasserspielen werden auf einem Podest Lebkuchenhäuschen montiert, die Buden stehen parat. Ein Beschicker ist bis zuletzt noch guter Dinge und fühlt sich mit dem Fellbacher Konzept auf der sicheren Seite, seine Waren feilbieten zu können. Die Absage des Stuttgarter Marktes führe bei Kollegen von ihm dazu, dass sie nicht einmal mehr genug Geld für den Abbau hätten, sagt er.

In Gesprächen mit den Beschickern erklärte Fellbachs OB die Umstände der Absage. Dabei machte sie den Schaustellern – die die schlechte Nachricht reichlich kurzfristig ertragen müssen – ein bisschen Hoffnung. „Wir planen ein paar Überraschungen im Stadtgebiet.“ Inwieweit sich Süßigkeitenstände oder auch weihnachtliche Imbissstände finden können, werde noch geprüft.

Weihnachts-Pop-up-Stände sind in Waiblingen die Lösung – aber ohne Essen

Ähnlich sieht es auch das Konzept in Waiblingen vor. OB Andreas Hesky sagt: „Von vornherein hatten wir in Waiblingen dieses Jahr keinen Weihnachtsmarkt im klassischen Sinne geplant.“ Um den Einzelhandel in der Innenstadt zu unterstützen, wurde ein dezentrales Standkonzept erarbeitet. So sollen über die Innenstadt verteilte Stände („Weihnachts-Pop-up-Stände“) Kunsthandwerkliches und Speisen anbieten. Angesichts der aktuellen Lage immens steigender Zahlen wird nun jedoch auf das Angebot von Essen und Trinken verzichtet. „Damit bringen wir die Solidarität mit der kommunalen Familie und vor allem mit den Beschäftigten der Kliniken und den Erkrankten zum Ausdruck“, sagt Hesky.

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