Weihnachtsmärkte im Rems-Murr-Kreis Märchenzauber, Eisbahn und Mietlounges

Der Schorndorfer Weihnachtsmarkt hat dieses Jahr zwar keine rote Zipfelmütze, aber andere Attraktionen zu bieten. Foto: /Edgar Layher

Im Rems-Murr-Kreis haben Fans von Weihnachtsmärkten die Qual der Wahl: Allerorten wird gefeiert. Was haben die Märkte in Waiblingen, Schorndorf und Fellbach zu bieten? Und was kosten Glühwein und Rote in diesem Jahr?

Ein kalter Wind pfeift in den Gassen der Waiblinger Altstadt. Viel Betrieb herrscht am Samstagnachmittag nicht. Auch auf dem Marktplatz, wo am Freitag der Weihnachtsmarkt eröffnet hat, hält sich der Andrang in Grenzen. Schlange stehen ist kein Thema – Thüringer Rostbratwurst, Kürbissuppe und heißer Punsch werden prompt über den Verkaufstresen gereicht. Nur unter den Arkaden des Alten Rathauses gibt es Gedränge: Kinder, Eltern und Großeltern quetschen sich auf die Bierbänke, die vor einer Bühne aufgestellt sind, und warten gespannt darauf, dass sich der Vorhang des Wonnegauer Puppentheaters öffnet. Um 15.30 Uhr ist es dann soweit – Kasperle, Prinzessin Goldsternchen und die böse Hexe Sauerkraut haben ihren Auftritt.

 

Taschen verbreiten gute Laune

Im Schlosskeller haben Kunsthandwerker aus der Region ihre Stände aufgebaut und bieten unter dem Motto „Artverwandt“ Schmuck, warme Mützen und Handschuhe, Naturseifen, Keramik und Karten an. Carolin Altmann ist zum fünften Mal dabei: „Der Schlosskeller ist schon etwas Besonderes, hier gibt es keinen Ramsch, sondern gute Qualität.“ Die Ludwigsburgerin näht Täschchen mit witzigen Sprüchen, Mäppchen und Unikate, die sie seit 2011 unter dem Label „Carolinchen“ vertreibt.

Zum Nähen kam sie, nachdem sie zur Geburt ihrer Tochter eine selbst genähte Decke bekommen und beschlossen hatte, das auch mal zu probieren. „Damals hätte mir keiner zugetraut, dass ich so lange dabei bleibe“, sagt Carolin Altmann, deren Tochter nun 17 Jahre ist. Mit ihren mit Sprüchen versehenen Taschen will die Kunsthandwerkerin ein bisschen gute Laune verbreiten, was ihr offensichtlich auch gelingt.

Märchenzauber und Eisvergnügen

Der Bus vom Waiblinger Postplatz zur Lutherkirche in Fellbach ist proppenvoll – alle Sitzplätze sind belegt, und im Gang stehen die Fahrgäste dicht gedrängt. Den Innenhof des Fellbacher Rathauses überspannt wie in jedem Jahr ein leuchtender Sternenhimmel, darunter stehen die Besucher des gerade eben eröffneten Weihnachtsmarkts in Grüppchen zwischen den schön geschmückten Weihnachtsbäumen, schlürfen heißen Glühwein und unterhalten sich.

Auf dem Alten Friedhof in Fellbach sind vor allem Familien unterwegs. Der Nachwuchs wuselt zwischen den alten Grabsteinen hin und her, denn hier sind sieben Hörstationen und allerlei Figuren aufgestellt. Während eine Männerstimme ein Märchen zum Besten gibt, bringen bunte Lichter die Umgebung und die alten Bäume in den schönsten Farben zur Geltung. Zusammen mit dem frisch gefallenen Schnee sieht der Märchenwald einfach zauberhaft aus. „Stellt euch mal vor den Grabstein“, bittet eine Frau ihre Familie – Zeit für ein Foto.

Von hier ist es nur ein kurzer Fußmarsch bis zur Eislaufbahn auf dem Palm-Platz, die nach Ausfällen wegen der Energiekrise und der Coronapandemie in diesem Winter wieder in Betrieb gehen konnte. Zum Klassiker „I’m dreaming of a white Christmas“ drehen knapp 30 Schlittschuhläuferinnen und -läufer ihre Runden auf der Eisfläche. Die Jüngsten sind im Kindergartenalter und schlittern an der Hand eines Erwachsenen oder halten sich an einem der Pinguine fest, die als Fahrhilfe ausgeliehen werden können. Die Größeren im Teeniealter legen sogar schon die eine oder andere Pirouette hin – Bauchlandungen inklusive.

Fachwerkidyll mit Lounge-Charakter

Manche Städte müssen sich mit viel Lichterglanz aufhübschen. Schorndorf hat mit seinem Marktplatz, umrahmt von historischen Fachwerkhäusern, die perfekte Kulisse für den Weihnachtsmarkt, die mit festlicher Giebelbeleuchtung unterstrichen wird. Zwar fehlt, wie auch schon im vergangenen Jahr, die rote Zipfelmütze auf dem Rathausturm, die die Verwaltung aus Kostengründen erneut gestrichen hat. Doch der Weihnachtsmarkt hat auch ohne sie eine Menge Attraktionen zu bieten. Es gibt zwei große Aufenthaltsflächen, ausgelegt mit Hackschnitzeln, auf denen die Besucher nicht so schnell kalte Füße bekommen. Kuschelig warm sogar ist es in den Mietlounges. Im vergangenen Jahr wurden sie eingeführt und stießen gleich auf große Resonanz. Deshalb gibt es in diesem Jahr nicht nur zwei, sondern drei davon. Paarweise oder in Gruppen können sich Gäste hier einmieten, um für zwei Stunden oder mehr in kuscheliger Atmosphäre – mit Kissen und Decken – Glühwein und andere Köstlichkeiten zu genießen.

Neu auf dem Weihnachtsmarkt ist die Wechselhütte der Schorndorfer Landfrauen, die tageweise kostenfrei von Vereinen, Schulen, Kindergärten und karitativen Einrichtungen genutzt werden kann. Erneut steht der Wunschbaum des Kinderschutzbunds im Rathaus, bestückt mit Weihnachtswünschen von Kindern aus sozial benachteiligten Familien. Wer ihnen eine Freude machen will, nimmt einen Wunsch vom Baum, besorgt das Geschenk, verpackt es liebevoll und gibt es im Rathaus an der Stadtinfo ab.

Im Wunschbuch notieren Besucher ihre Wünsche

In Schorndorf gibt es auch seit mehr als zehn Jahren ein Wunschbuch, das im Wunschbuchhäusle ausliegt. Gesponsert vom Rotary Club und vom ehemaligen Stadtdekan Waldemar Junt gehütet. Auf 350 Seiten können kleine und große Wünsche verewigt werden. „Das Wunschbuch ist ein echter Klassiker“, sagt Bernd Hornickel, der Oberbürgermeister, der sich nach der Eröffnung am Freitag auf Seite 1 eintrug mit „Frieden, Toleranz und Liebe für alle Menschen auf dieser Welt“. Eher pragmatisch ist der Wunsch eines Führerscheinanfängers, der auf „vorausschauendes Fahren“ hofft.

Was kosten die Marktklassiker?

Glühwein
 Für einen Becher Glühwein zahlt man auf dem Waiblinger Weihnachtsmarkt im Schnitt vier Euro. Im Weihnachtswald des Sternelokals Bachofer muss man tiefer in die Tasche greifen: Für 5,50 Euro gibt es hier 0,2 Liter roten Glühwein oder weißen Glüh-Hanoi mit Zitronengras, Ingwer und Anis. In Fellbach kostet der Glühwein ab drei Euro, meist ist der Becher aber für vier Euro zu haben. In Schorndorf kostet der Glühwein fast überall vier Euro, wer einen hochprozentigen Schuss hineinwill, bezahlt fünf.

Bratwurst
Die Preise für Bratwurst beginnen in Waiblingen bei vier Euro, im Schnitt kostet die Wurst 4,50 Euro. Die teuerste Variante ist Bachofers Curry Wurst Spezial für 6,50 Euro. In Fellbach kostet die Bratwurst meist 4,50 Euro. In Schorndorf bezahlen die Besucher im Schnitt vier Euro.

Weitere Themen