Weihnachtsmarkt-Veranstalter in den Stadtteilen finden nicht genügend Standbetreiber. Das Problem: Viele Vereinsmitglieder wollen keinen Standdienst mehr machen.

Sie gehörten bislang zum Jahresendspurt wie das Gutslebacken oder die Silvesterbowle: die Advents- und Weihnachtsmärkte in den Stadtteilen. Oftmals sind sie die letzten Feste im Jahr, an denen sich die Bürgerinnen und Bürger nochmals im Ort begegnen. Nach zwei Jahren Corona-Zwangspause ist die Vorfreude groß. Umso lauter war der Aufschrei, als der Untertürkheimer Weihnachtsmarkt am Samstag, 10. Dezember auf der Kippe stand. Michael Walz, der für den Industrie-, Handels- und Gewerbeverein das Markttreiben im Ortskern organisiert, schlug Alarm, als kurz vor Anmeldeschluss nur neun statt der üblichen 40 Standbetreiber ihre Bewerbungsunterlagen abgegeben hatten.

„Etliche Vereine sind nicht mehr aktiv oder ihnen fehlen Mitarbeiter“, sagt Walz. Zudem sei der Aufwand gestiegen. Standbetreiber müssen strenge Vorschriften einhalten. Auch deswegen erklärten sich die Bezirksbeiräte bereit, die Standgebühren für Untertürkheims Vereine und Einrichtungen zu übernehmen. Nach einer weiteren Telefonrunde konnte Walz beruhigen: „20 weitere Standbetreiber haben sich in letzter Minute angemeldet. Stuttgarts ältester Stadtbezirksweihnachtsmarkt ist gerettet.“

Auch die Obertürkheimer werden den Ortskern für ihren Weihnachtsmarkt am Samstag, 26. November sperren. „Es fehlen zwar einige Standbetreiber, die zum Stamm gehörten, aber wir konnten fast alle Lücken mit neuen Interessenten schließen“, sagt Bezirksvorsteher Kevin Latzel. Auch rund um die Wangener Begegnungsstätte wird dieses Jahr wieder ein vorweihnachtlicher Kunsthandwerkermarkt am Samstag, 26. November, aufgebaut werden. „Wir konnten Marktbeschicker, die abgesagt haben, adäquat ersetzen“, sagt Michael Mischke von der evangelischen Kirchengemeinde. Am gleichen Tag wird in Rohracker gefeiert. Am 26. November richtet der Bürgerverein Hofen den 31. Weihnachtsmarkt aus.

Die Energieversorgung ist ein zentrales Thema

Bis zuletzt bangen musste allerdings der Gewerbe- und Handelsverein (GHV) Bad Cannstatt. Er organisiert am Samstag, 3. Dezember, den Cannstatter Niklasmarkt. „Mit normalerweise bis zu 45 Ständen in unserer Altstadt“, sagt GHV-Vorsitzender Achim Barth. 25 Betreiber sind das Minimum, hatte der Vorstand im Sommer beschlossen. Es war knapp. Einen Tag nach der Deadline kam die 25. Bewerbung. „Für den Verein wird es zwar ein Verlustgeschäft, aber wir wollen nicht, dass die Tradition stirbt“, sagt Barth. Die GHV-Verantwortlichen nehmen dafür einen erheblichen Aufwand auf sich. „Durch den Wegfall des Kaufhofs und der BW Bank gehen Unternehmen verloren, die uns Zugänge zu ihrer Stromversorgung ermöglicht haben. Die Filialisten, die jetzt in der Marktstraße beheimatet sind, haben wenig Interesse an diesem Engagement“, bedauert Barth. Auch bei der zweiten Cannstatter Traditionsveranstaltung, dem vierwöchigen Sternenmarkt vom 24. November bis 23. Dezember, ist die Energieversorgung ein zentrales Thema. „Er wird dieses Jahr kompakter ausfallen, sich auf den Platz am Erbsenbrunnen und am Rathaus konzentrieren. Zudem wird die Beleuchtung nicht so opulent“, sagt Dirk Strohm vom Verein Die Altstadt Bad Cannstatt. Die Macher verzichten auf die großen Sterne und werden die Beleuchtung auf die zwei zentralen Plätze konzentrieren. Nur fünf Betreiber werden für Adventsflair sorgen. Strohm: „Darunter ist leider nur ein Kunsthandwerker. Das Kosten-Nutzen-Risiko ist einfach zu groß. Die Ungewissheit bei den Standbetreibern, was noch passiert, und ob die Kunden Lust und Geld für Einkäufe haben, ist zu groß.“

Viele positive Rückmeldungen in Vaihingen und Weilimdorf

Auch der Möhringer Weihnachtsmarkt am 26. November fällt dieses Jahr mit nur 35 Ständen kleiner aus als vor Corona, als es mehr als 50 Stände gab. Manche Vereine hätten nicht mehr genügend Helfer gefunden und würden daher nicht teilnehmen, erklärt Volker Grosser. Er ist der Vorsitzende des Bürgervereins in Möhringen, der den Markt organisiert. „Ausgebucht“ ist hingegen der Vaihinger Weihnachtsmarkt am 26. und 27. November. Die gestiegenen Energiekosten trägt der Verbund Vaihinger Fachgeschäfte (VVF) als Veranstalter, er gibt die Preiserhöhungen also nicht an die Standbetreiber weiter. „Das ist okay für uns. Wir wollen mit dem Weihnachtsmarkt ja kein Geld verdienen. Es geht um den karitativen Zweck“, sagt der VVF-Sprecher Ingo Vögele.

Ebenso findet in Weilimdorf endlich wieder ein Weihnachtsmarkt statt, und zwar ebenfalls am 26. und 27. November. „Wir haben viele positive Rückmeldungen von den Beschickern und Vereinen bekommen. Die sind alle ganz gierig“, sagt Ralf Futterknecht, der stellvertretende Vorsitzende von Weil aktiv. Verwunderlich sei das nicht, schließlich seien viele Kassen nach der pandemiebedingten Pause leer. „Darum wollen wir es wieder machen: Um den Schulen, Kindergärten und Vereinen die Möglichkeit zu geben, wieder ein bisschen Geld zu verdienen“, sagt Ralf Futterknecht.