Weihnachtsmarkt Esslingen Markt der eingeschränkten Möglichkeiten

In diesem Jahr soll der Esslinger Weihnachtsmarkt kleiner und pandemiekonform über die Bühne gehen. Foto: Roberto Bulgrin

Der Esslinger Weihnachtsmarkt soll kein Corona-Opfer werden. Die Esslinger Stadtmarketing und Tourismus GmbH (EST) hat ein Konzept in abgespeckter Form vorgelegt, das eine Durchführung der Traditionsveranstaltung auch in Pandemie-Zeiten möglich machen soll.

Esslingen - Es weihnachtet. Nicht laut Kalender, aber in den Gedanken mancher Esslinger. Aussteller, Gastronomen, Einzelhändler und Organisatoren bereiten den Weihnachtsmarkt mit Start am Dienstag, 23. November, vor. Im Vorjahr war er ausgefallen. 2021 soll er in abgespeckter Form mit einem Anti-Corona-Konzept über die Bühne gehen. Die Reaktionen auf den Markt der geringeren Möglichkeiten sind gemischt.

 

Budenzauber ohne Hafenmarkt

Ein Budenzauber nur bis zum Postmichelbrunnen unter Aussparung des Hafenmarktes – der Gedanke bringt Guido Hertweck auf die Palme. Der Weihnachtsmarkt sei ein Frequenzbringer, Publikumsliebling und Kundenmagnet, den der Einzelhandel in diesen schwierigen Zeiten dringend brauche, erklärt der Betriebsleiter des Schuhhauses Fischer am Hafenmarkt. Große Teile der Altstadt aber seien bei der und durch die Planung ausgebremst worden. Dabei sei gerade die historisch aparte Innenstadt von Esslingen ein Pfund, mit dem man wuchern müsse: „Nicht nur bei der Umgestaltung der Ritterstraße zur Fußgängerzone, sondern auch bei der Konzeption des Weihnachtsmarktes wurde die City außen vor gelassen.“ Der Hafenmarkt müsse mit an Bord geholt werden, meint auch Andreas Walter. Der Geschäftsführer der Firma Heiges begrüßt zwar den Weihnachtsmarkt in diesen Krisenzeiten. Das sei positiv, zumal ähnliche Feste in anderen Städten gerade abgesagt würden: „Es ist wichtig, dass wir den Markt haben. So können wir Stück für Stück aus der Krise herausrutschen und in die Normalität zurückkehren.“ Die Ausgrenzung des Hafenmarktes aber bedauert auch er. Betroffene Einzelhändler müssten darum kämpfen, dass die Bewirtung auf diesen Teil der Altstadt ausgedehnt werde.

Weingärtner sind mit an Bord

Ein wenig Dampf aus dem Kessel nimmt Ramona Fischer. Über eine Ausdehnung der Veranstaltung auf den Hafenmarkt, so die Geschäftsführerin der Weingärtner, werde diskutiert. Dort könnten dann auch die Weingärtner ihren Stand platzieren, denn ihr angestammter Platz hinter dem Alten Rathaus sei wegen seiner Enge und fehlenden Ausweichmöglichkeiten in Coronazeiten nicht zu halten. Dabeisein werde man auf jeden Fall. Art, Form und Ausmaß der Beteiligung müssten aber noch geklärt werden. Sie verweist auf die Vinothek der Weingärtner am Marktplatz, die mit einbezogen werden könnte. Eines sei felsenfest sicher: Auf ihren geliebten Glühwein müssten die Marktbesucher auf keinen Fall verzichten.

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Marktbeschicker sind zufrieden

Ob mit oder ohne Glühwein – Joachim Kritz platzt fast vor Vorfreude: „Wenn keiner gekommen wäre, ich wäre gekommen“, versichert der Marktbeschicker aus Leidenschaft. Der Weihnachtsmarkt müsse über die Bühne gehen, die Besucher müssten bei der Stange gehalten werden. Die Veranstaltung sei Werbung und Reklame für Esslingen, die Neckarstadt dürfe mit Blick auf die Konkurrenz in den Nachbarstädten Stuttgart und Ludwigsburg nicht ins Hintertreffen geraten. Die Menschen hätten keine Probleme mit Kontrollen, dem Kauf eines Eintrittbändchens, dem Tragen einer Maske oder dem Einhalten von Abstandsvorgaben: „Die Leute sind vernünftig.“ Eine Umzäunung des Marktgeschehens wäre schlimmer gewesen. Anwohner hätten dann beim Gang nach Hause Umwege und ansässige Einzelhändler Umsatzeinbußen in Kauf nehmen müssen. Ein Aussteller-Urgestein und seit vielen Jahren mit dabei ist auch Sonja Merz: „Das Konzept ist stimmig“, meint sie. Wenn den Besuchern klare Ansagen gemacht würden, dann würden sie die Regeln auch einhalten. Alle seien nach der Coronaflaute wild auf ein wenig Entspannung. Und die bringt der Weihnachtsmarkt, meint auch Annette Currle. Die Menschen hätten sich längst an die Einhaltung von Auflagen gewöhnt. Das sei nach der langen Pandemiezeit überhaupt kein Problem mehr.

Ein Impuls für die Innenstadt

„Schick, klein, elegant“ werde der Weihnachtsmarkt im neuen Gewand, prophezeit Markthändler Gerald Ritter. Mag sein, dass die Touristen und das internationale Publikum in diesem Jahr coronabedingt wegfallen. Doch er ist überzeugt: „Das Konzept funktioniert.“ Der Weihnachtsmarkt sei selbst in reduzierter Form ein Impulsbringer für die Innenstadt, für Gastronomie, Handel und Dienstleister, meint Alexander Kögel. „100 Prozent Zustimmung“ signalisiert der Vorstandssprecher der City Initiative Esslingen. Beruflich bringe ihm die Veranstaltung Kunden, privat freue er sich darauf.

Der Esslinger Weihnachtsmarkt 2021

Die Veranstaltung
 Der Weihnachtsmarkt soll von Dienstag, 23. November, bis Mittwoch, 22. Dezember, auf dem Rathaus-, dem Postmichel- und dem Marktplatz über die Bühne gehen. Laut Esslinger Stadtmarketing und Tourismus (EST) wird er mit 65 Buden bestückt. 35 Stände kommen am Mittelaltermarkt hinzu.

Die Auflagen
 Der Markt soll unter Corona-Auflagen stattfinden. An sieben Prüfstellen in Zelten rund um den Marktplatz werden die Corona-Nachweise und Ausweise der Besucher laut jetziger Planung von eigens geschultem Personal gecheckt. Zusätzlich werden mobile Zweierteams kontrollieren.

Die Armbändchen
 Wer die Corona-Auflagen erfüllt, bekommt nach aktueller Planung ein tagesaktuelles Armbändchen, das ihn zum Eintritt berechtigt. Da der Aufwand für Personal und Organisation hoch ist, plant die EST die Einführung einer Gebühr. Pro Bändchen soll demnach ein Euro bezahlt werden. sw

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