Weihnachtsmarkt im Schwarzwald Fackelwanderung zum Weihnachtsmarkt

An der alten Säge singen alle zusammen ein Adventslied – und weiter geht es mit den Fackeln Foto: Doris Burger

Der Weihnachtsmarkt in der Ravennaschlucht im Schwarzwald ist immer ein Erlebnis. Noch aufregender wird der Besuch, wenn man zuvor durchs Tal gewandert ist.

Hinterzarten - Gut, dass das Kurhaus in Hinterzarten ein ausladendes Vordach hat. Hier lässt sich im Schneegestöber trefflich warten, bis alle zusammen sind. Diese Wanderung soll eine besondere sein: Mit Fackeln wird es hinunter zur Ravennaschlucht gehen, hinunter in der winterlichen Dunkelheit.

 

Viele Familien sind dabei, mit Zwergen in der Rückentrage und Kindern an der Hand. Diese werden sich als geübte und unerschrockene Wandergesellen erweisen. Sie laufen, ohne zu klagen, wahrscheinlich sind sie häufiger draußen als viele Erwachsene. Schon die „Regendächle“ über den Rückentragen ließen die Profis erahnen.

Nach einer Begrüßung durch Thomas Hilpert, Chef der Schneeschuhakademie in Hinterzarten, spaziert die Gruppe los, durch die Wiesen hinter dem Kurhaus in einem Bogen hinein ins Löffeltal. Tatsächlich wurden hier im 19. Jahrhundert Löffel geschmiedet, aus Eisenblech und mit der Wasserkraft der Mühlen, so erklärt es Hilpert beim ersten Stopp. Bis zu 40 Löffel am Tag konnte ein Arbeiter formen, das scheint schon eine Menge. Doch bald kam die Dampfmaschine und machte die Löffelschmiede am Schwarzwaldbach überflüssig.

Die Wanderer singen Weihnachtslieder

Weiter geht es hinunter ins Tal, bis zu einer alten Säge, die im zunehmenden Dunkel nur noch schemenhaft zu erkennen ist. Angetrieben wurde auch sie durch das Wasser des Bachs, lange war ein Baumstamm unterwegs, bis er komplett durchgesägt war. Sommers werde die Säge zu Schauzwecken noch ab und zu angeworfen, so erfährt man hier.

Doch jetzt lauschen die Wanderer einer Geschichte, die vom stolzen Pfau erzählt, für den Weihnachten nur dann Weihnachten sei, wenn er ein schönes neues Kleid bekommt. Der Ochse möchte wiederum saufen ohne Ende, das Faultier schlafen den ganzen Tag, und so hat jedes Tier seine eigenen Wünsche zum Fest. Und was ist mit dem Kind? „Ach ja, wenn das Kind geboren wird, dann ist Weihnachten“, so beschließen die Tiere. Und zuletzt fragt ein ganz schlauer Fuchs: „Wissen das die Menschen denn auch?“ Alle lachen und freuen sich. Jörg Winter hat diese Geschichte erzählt. Erlebnispädagoge in Donaueschingen sei er, wie er auf dem weiteren Weg verraten wird. Doch zunächst noch ein Adventslied: „Lasst uns froh und munter sein“. Erstaunlich textsicher singen die Wanderer, und es klingt im engen Tal ganz wunderbar.

Die Fackeln lodern

Zügig spaziert man nun am Wildbach weiter, in einer Schleife unter der Bundesstraße hindurch, die Fackeln leisten gute Dienste. Kurz vor dem Hofgut Sternen wartet eine Feuerstelle: Jeder steckt seine Fackel hinein, hoch lodern die Flammen und bescheinen die erwartungsvollen Gesichter. Denn jetzt geht es auf den Weihnachtsmarkt unter den hohen Brückenbögen des Viaduktes in der Ravennaschlucht. Zum zehnten Mal findet er in diesem Jahr statt.

Das konnte man sich nur schwerlich vorstellen, bis man es zum ersten Mal erlebt hat. Ein Weihnachtsmarkt unter einer Zugbrücke? Welch verrückte Idee. Doch die beleuchteten Bögen zaubern zusammen mit den geschmückten Weihnachtsbäumen und den Buden im weiten Rund eine besondere Atmosphäre. Die Lage und der spezielle Zugang begrenzen die Zahl der Gäste, sodass es Platz für alle gibt.

Der erste Glühwein des Jahres ist ein Nikolaus

Zunächst kann man auf den „Galgenberg“ neben dem Weihnachtsmarkt steigen, der wie die Kapelle zum historischen Hofgut Sternen gehörte, und die Lage überblicken. Marie Antoinette, die österreichische Kaisertochter und Braut des französischen Königs Ludwig XVI. war die wohl berühmteste Durchreisende hier, ein Gemälde am Hofgut zeigt den Brautzug. Über 50 Kutschen waren im April 1770 unterwegs.

Wer lange genug verweilt, sieht langsam die Farben wechseln: von Blau zu Grün, von Rot zu Lila leuchten die Brückenbögen. Auch die Buden sind besondere, denn nur wer einen Bezug zum Schwarzwald hat, bekommt eine Lizenz: So wie der Ospelehof aus Hinterzarten, der sein Schwarzwälder Raclette anbietet, eine halbe Seele bildet die Basis, geduldig vom Chef mit eigenem Schinken und geschmolzenem Käse belegt. Dazu passt der erste Glühwein des Jahres. Beliebt bei den einheimischen Besuchern ist der „Nikolaus“, ein heißer Bratapfellikör mit einem Sahnehäubchen und Zimt eines Feinkostladens in Titisee-Neustadt. Wer da nun nicht in die richtige Weihnachtsstimmung kommt . . .

Anreise

Mit dem Zug über Karlsruhe und Freiburg bis Himmelreich oder Hinterzarten (www.bahn.de). Weiter mit dem kostenlosen Shuttlebus. Für Autofahrer: Am Bahnhof Himmelreich und am Bahnhof in Hinterzarten stehen kostenlose Parkplätze bereit.

Unterkunft

Am Bahnhof in Hinterzarten Hotel Schwarzwaldhof, DZ ab 92 Euro: www.schwarzwaldhof.com Gemütlich mit guter Küche in Hinterzarten: Hotel Imbery, DZ ab 96 Euro/Nacht, www.hotel-imbery.de Direkt vor Ort wohnt man im Hotel Hofgut Sternen, DZ/F ab 102 Euro: www.hofgut-sternen.de

Weihnachtsmarkt

Der Weihnachtsmarkt in der Ravennaschlucht an allen vier Adventswochenenden, freitags von 15 bis 21 Uhr, Sa. von 14 bis 21 Uhr und So. von 13 bis 20 Uhr. Eintritt: 4,50 Euro (freitags 3,50 Euro) für Erwachsene, Kinder und Jugendliche bis 16 Jahre frei. Am ersten Wochenende Lichtershow am Viadukt. Online-Tickets und Infos über www.hochschwarzwald.de/weihnachtsmarkt. Tipp für Kinder: Das Weihnachtspostamt hat samstags und sonntags von 15 bis 18 Uhr geöffnet. Fackelwanderung: Erwachsene 22 Euro inkl. Fackel und Eintritt zum Weihnachtsmarkt. Kinder bis 16 Jahre sind frei. Rückweg mit dem Shuttlebus. www.schneeschuhakademie.de

Allgemeine Informationen

www.hochschwarzwald.de

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