Franziska Walbrühl mit ihrer Figur der Bremer Stadtmusikanten: Diese wird mit anderen Motiven auf dem Alten Friedhof in Fellbach platziert. Foto: Gottfried Stoppel
Die neuen Märchenfiguren beim Fellbacher Weihnachtsmarkt hat die Szenenbildnerin Franziska Walbrühl gestaltet. Die 26-Jährige erzählt, woher sie sich die Inspiration holt – und welche Motive dazukommen.
Die Bremer Stadtmusikanten – Esel, Hund, Katze und Hahn – hat Franziska Walbrühl unter den Arm genommen. Für den Fototermin haben sie und Max Seeger, Fellbacher Marktleiter, die Figur eigens aus dem Depot geholt. Denn erst Samstag kommender Woche werden die berühmten vier Tiere und viele andere Märchengestalten im Alten Friedhof ihren Auftritt haben. Pünktlich zur Eröffnung des Fellbacher Weihnachtsmarktes am Samstag, 30. November.
Die Geschichte von Esel, Hund, Katze und Hahn, die sich auf Wanderschaft begeben, wurde vielfach übersetzt und ist international beliebt. Die Bremer Stadtmusikanten waren daher eines der Motive, die Franziska Walbrühl gestaltet hat für den „Märchenwald“, der beim Fellbacher Weihnachtsmarkt entsteht. „Die alten Bäume bieten eine wunderbare Umgebung“, sagt sie. Platziert und in stimmungsvolles Licht getaucht werden die Fantasiegestalten während der Dauer des Weihnachtsmarktes. „So entsteht eine magische Stimmung“, sagt Seeger.
Der Alte Friedhof wird zu einem „Märchenwald“ mit verschiedenen Figuren wie hier die Tauben aus Aschenputtel. Foto: Eva Schäfer
Die Bremer Stadtmusikanten waren wie 14 weitere Motive erstmals im vergangenen Jahr zu erleben. Sie sind aus Holz gefertigt und wurden von Franziska Walbrühl kreiert und von Hand bemalt. Die Holzfiguren bemalte sie mit Fassadenfarben, die auch bei Holzhäusern zum Einsatz kommen. „Diese ließ sich auch gut mischen und künstlerisch verwenden“, sagt die ausgebildete Szenenbildnerin. Am Schluss sorgte jeweils eine Schicht Klarlack dafür, dass die Bremer Stadtmusikanten und Co. Wind und Wetter trotzen. In der Tat ist an den tierischen Musikanten die vergangene Saison der Budenstadt mit Regen und Schnee auf den ersten Blick spurlos vorbeigegangen.
Sie bekommen nun Gesellschaft von sechs neuen Figuren: darunter Max und Moritz, die Eiskönigin, die Prinzessin auf der Erbse, Aladin und die Wunderlampe sowie Pinocchio. Bei ihm habe sie eine Mischung aus der historischen Figur und der Disney-Variante geschaffen. Carlo Collodis Märchen„Pinocchio“ erzählt die fantastische Geschichte eines Holzjungen, der immer wieder auf Abwege gerät und damit seinen Vater Geppetto in Verzweiflung stürzt. Sie spielt in der Toskana im späten 19. Jahrhundert.
Die Stuttgarter Szenenbildnerin arbeitet vor allem in der Filmbranche
Rund drei Wochen lang hat Franziska Walbrühl an den neuen Figuren sowie einigen Hinweisschildern gearbeitet. Ansonsten ist die Stuttgarterin hauptsächlich in der Filmbranche tätig. Auf ihrer Internetseite unter www.franziskawalbruehl.com/de zeigt eine lange Referenzliste die große Bandbreite ihrer Aufträge. Vor allem für Filmsets bringt sie ihr Know-how ein.
Franziska Walbrühl hat Kostüm- und Bühnenbild an der Staatlichen Akademie der Bildenden Künste in Stuttgart studiert. Während dieser Zeit begann sie als Freelancerin bei Film-Sets zu arbeiten. Nach und nach habe sich seit 2018 daraus ihr Beruf als selbstständige Szenenbildnerin entwickelt. Außerdem hat sie den Bachelor of Game, Art and Animation draufgesetzt.
Die Märchenfiguren sollen „bunt, freundlich und nicht gruselig“ sein
Die Leidenschaft für ihren Beruf ist zu spüren, wenn sie von spannenden Filmprojekten erzählt, als es beispielsweise darum ging, eine Wohnung einzurichten, in der in der Geschichte ein Cowboy mit einem Pferd zusammenlebt. Wie muss so eine Wohnung wohl aussehen? „Groß, breite Wege, der Boden schmutzig und voller Stroh und viel viel Platz, damit sich das Pferd darin bewegen und kann – und die Möbel landen dann konzentriert in einer Ecke“, erzählt die Szenenbildnerin. „Mit viel Liebe zum Detail entwerfe ich die Welt zu deiner Geschichte“, schreibt die Stuttgarterin denn auch auf ihrer Homepage.
Inspirationen für ihre kreative Arbeit bekomme sie, indem sie viele Filme schaue, Bücher lese, aber auch durch die Arbeit im Team. Bei den Märchenfiguren sei für sie klar gewesen, „dass sie bunt, hell, freundlich und nicht gruselig im Ausdruck werden“. Die märchenhaften Gestalten sollen für die Kinder auch von einer kleinen Plattform im Alten Friedhof zu entdecken sein. Außerdem soll der „Märchenwald“ eine Brücke zwischen der Budenstadt rund um den Fellbacher Kirchplatz und der Eisbahn auf dem Guntram-Palm-Platz schlagen.
Die Holzfiguren sind eine Ergänzung zu den Hörstationen mit den Märchen, die aus Metall gefertigt sind. Dass die Märchenfiguren heil bleiben, dafür sorge auch eine Nachtwache, sagt Marktleiter Max Seeger. Für ihn sei es ein Anliegen gewesen, das Thema märchenhafter Weihnachtsmarkt wieder mehr in den Fokus zu rücken. Und es sieht so aus, dass damit ein großer Wunsch vieler Besucher der Budenstadt aufgegriffen wird. Wie Seeger ankündigt, soll es aller Voraussicht nach weihnachtliche Musik auf dem ganzen Gelände der Budenstadt geben.