Weihnachtsmarkt in Ludwigsburg Rettungsaktion für den Weihnachtsmarkt

So weiß wird es auf dem Ludwigsburger Marktplatz so schnell wohl nicht wieder. Aber man darf ja schon glücklich sein, wenn es einen Weihnachtsmarkt gibt. Foto: Tourismus & Events Ludwigsburg

Corona, Sicherheit, Händler: Wie plant man eine Veranstaltung, nach der sich jeder sehnt, über der aber sehr viele Fragezeichen schweben? Mario Kreh findet das gerade heraus. Er ist für den Ludwigsburger Barock-Weihnachtsmarkt zuständig – und weiß, dass man nie wissen kann.

Region: Verena Mayer (ena)

Im Internet, wo die Stadt ihre touristischen Höhepunkte bewirbt, läuft alles nach Plan: Demnach bleibt im Herzen von Ludwigsburg in der Adventszeit kein Wunsch unerfüllt. Schön dekorierte Stände laden mit einem bunten Angebot zum Stöbern und Genießen ein, „während die leuchtenden Engel ihre funkelnden Flügel über dem barocken Marktplatz ausbreiten“. So wie sich das liest, heißt das vor allem eins: Der Ludwigsburger Barock-Weihnachtsmarkt findet statt. Und zwar vom 22. November bis zum 22. Dezember.

 

Ein extrem komplexes Vorhaben

Tatsächlich ist dies der größte Wunsch für die Adventszeit. Doch kein Mensch weiß, ob er sich erfüllt. Nicht mal Mario Kreh, der städtische Cheforganisator. „Ich bin sehr optimistisch, dass wir einen Weihnachtsmarkt haben werden“, sagt Kreh, der Chef des städtischen Eigenbetriebs Tourismus und Events ist. Angesichts der vielen Fragezeichen sagt er allerdings auch, dass seine Planung eigentlich unmöglich ist. Wobei er es wesentlicher freundlicher formuliert: „Das ist die Quadratur des Kreises.“

Ein besonders großes Fragezeichen steht über der Anordnung der Stände. Wer bekommt wo einen Platz? Jeder wie immer – wäre schön, erwies sich im letzten Jahr aber als tödlich: Am Abend vor der Eröffnung war der Weihnachtsmarkt abgesagt worden. Die Kontrolle der frisch verschärften Coronaregeln wäre nicht möglich gewesen. Selbst Geimpfte und Genesene hätten das Gelände nur mit einem aktuellen negativen Test betreten dürfen.

Dieses Jahr will die Stadt für diese Eventualität gewappnet sein. Aber wie: Alle Gastrostände auf den Marktplatz und einen Zaun drumrum? Nein, befanden die Planer um Mario Kreh. Weil kontraproduktiv und wenig stimmungsvoll. Und für die weniger reglementierten Kunsthandwerker in den Außenbereichen wenig reizvoll. Die Verteilung der Stände in der Innenstadt? Auch nicht wirklich sicher. Ein Umzug auf die gut abschirmbare Bärenwiese? Keine gute Idee. Weil die Händler in der Innenstadt kaum von den Marktbesuchern profitieren würden. Alles wie immer und im Fall der Fälle umbauen? Logistisch ein Ding der Unmöglichkeit.

Sperrung, Testung – an alles wird gedacht

Nichts, so erscheint es, haben die Retter des Weihnachtsmarkts nicht durchdacht. Ihre aktuelle Strategie sieht vor, den Markt so originalgetreu wie möglich aufzubauen – und innerhalb kurzer Zeit umzubauen, falls doch wieder Beschränkungen nötig sein sollten. Und zwar in Form von optisch halbwegs ansehnlichen Absperrungen, deren Verlauf bereits definiert ist. Ebenso wie Flächen für Kontrollstellen mitgedacht sind. „Unser Ziel ist, dass man so wenig wie möglich von Corona merkt“, sagt Mario Kreh, der trotz aller Gedankenspiele natürlich trotzdem nicht auf der sicheren Seite ist.

Weniger Bewerber, weniger Plätze

Es gibt ja auch jede Menge Fragezeichen bei den Beschickern. Weil nicht klar ist, wer letztlich dabei sein wird. Rund 25 Prozent weniger Bewerbungen gab es für dieses Jahr. Auch einige Stammbeschicker werden fehlen, sagt Mario Kreh, ohne Namen zu nennen. Mancher Betrieb habe die Pandemie nicht überlebt; mancher Händler zieht sich altershalber zurück oder sortiert sich neu.

Trotzdem gab es auch dieses Jahr mehr Bewerber als Plätze. Aber trotzdem wird die Auswahl damit nicht zum Selbstläufer. Schließlich muss die Mischung passen. Zu viele Glühweinstände oder Handyhüllenbuden im Übermaß entsprächen wohl kaum den Erwartungen an den fast weltberühmten Barockweihnachtsmarkt, der in normalen Zeiten an die eine Million Besucher anzieht. „Wir werden trotzdem einen attraktiven Markt haben“, ist Mario Kreh überzeugt. Anfang Oktober sollen die Bewerber ihre Zu- oder Absage erhalten – allerdings nur rund 150, statt wie sonst 180. Was nicht bedeutet, dass alles in trockenen Tüchern ist.

Alle hängen in der Luft

Was, wenn sich bis dahin jemand wo anders umgetan hat? In Esslingen und Stuttgart etwa sind die Zusagen bereits verschickt. Oder wenn es sich jemand wegen eines neuen Kostenrisikos anders überlegt hat? In Freudenstadt zum Beispiel ist der Weihnachtsmarkt inzwischen abgesagt worden. Wegen der vielen Unwägbarkeiten gab es viel zu wenig Bewerber für die 60 Plätze.

„Wir hängen alle in der Luft“, sagt Werner Burgmeier, der Präsident des Landesverbands der Schausteller und Marktkaufleute. Jeder Tag, den man früher Gewissheit habe, sei ein guter Tag. Denn die Zeit werde dringend benötigt, um nötige Einkäufe zu tätigen und Personal zu rekrutieren. Letzteres sei enorm schwierig. Weil sich, wie im Gastronomiebereich, viele Mitarbeiter von einst neu orientiert hätten. Aber, sagt Burgmeier, er kann auch nachvollziehen, wenn Kommunen noch abwarten. „Die Veranstalter kennen die Rahmenbedingungen ja nicht.“

Nichts ist ausgeschlossen

Und das wiederum liegt am allergrößten Fragezeichen: Wie verhält sich das Virus? Momentan ist die Lage relativ ruhig. Auf dem Wasen wird gefeiert, auf der Wiesn ebenso, und der Ministerpräsident erklärt, dass man vom „Team Vorsicht“ ins „Team Liberalisierung“ wechseln könne. Aber bedeutet das, dass alles so bleibt? „Es ist nicht ausgeschlossen, dass der Markt nicht stattfindet“, sagt Mario Kreh, der sich aber natürlich was anders wünscht.

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