Neuregelung für Imbissbuden Schausteller auf Stuttgarter Weihnachtsmarkt sind sauer

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Je attraktiver der Stand desto besser der Platz: Diese neue Regelung für die Imbissbuden auf dem Weihnachtsmarkt in Stuttgart wird kontrovers diskutiert. Vor allem die Schausteller sind sauer.

Die Bratwurst muss schmecken – egal wer sie verkauft. Foto: Lichtgut/Julia Schramm
Die Bratwurst muss schmecken – egal wer sie verkauft. Foto: Lichtgut/Julia Schramm

Stuttgart - Während die Beschicker des Weihnachtsmarktes wegen der zuletzt ziemlich verregneten Tagesbilanz stöhnen, ist auch im Umfeld nicht alles eitel Sonnenschein. Der Schaustellerverband Südwest Stuttgart ist verärgert. Er stört sich an manchen Aussagen, die Marcus Christen in unserer Zeitung gemacht hat. Christen ist bei der in.Stuttgart der für Feste zuständiger Abteilungsleiter. Er will wie berichtet das Vergabesystem für die Imbissbuden auf dem Weihnachtsmarkt ändern. Bisher mussten die klassischen Wurst-und-Pommes-Stände ihre Standorte nach einem festgelegten Rhythmus wechseln, von 2020 an sollen dagegen die attraktivsten Stände auch die besten Plätze bekommen.

Das sieht der Vorsitzende des Verbandes, Mark Roschmann, genauso. „Qualität und Fleiß müssen belohnt werden“, schreibt er in einem Brief an die in.Stuttgart sowie an den zuständigen Bürgermeister Thomas Fuhrmann. Sein Verband habe sich daher schon immer gegen das Rollieren von Stammgeschäften ausgesprochen. Und er betont auch: „Wenn einer meiner Kollegen sein Geschäft nicht gut macht, dann habe ich auch kein Argument ihn zu verteidigen.“

Schaustellverband verwehrt sich gegen eine „Zweiklassengesellschaft“

Aber die Aussagen Christens implizierten, dass allein die Schausteller an der schlechter werdenden Qualität Schuld seien und nur die Gastronomen für eine Verbesserung sorgen könnten. Gegen eine solche „Zweiklassengesellschaft“ und gegen die „die ständige Diffamierung meines Berufsstandes“ verwehre er sich. „Das lasse ich nicht auf mir sitzen.“ Der Besucher unterscheide beim Kauf einer Bratwurst auch nicht, ob als Standbetreiber „Schausteller“ oder „Gastronom“ auf dem Schild stehe. Besser wäre es, künftig allgemein von „Beschickern“ zu reden.

Außerdem betont Roschmann, dass es Schausteller wie seine Großeltern gewesen seien, die nach dem Zweiten Weltkrieg den Weihnachtsmarkt in den Trümmern aufgebaut hätten. „Sie haben Steine weggetragen und vor der Stiftskirche gekehrt“, erzählt der Enkel. Roschmanns Großeltern hatten zunächst eine Schießbude und dann ein Kinderkarussell auf dem Weihnachtsmarkt; er verkauft heute Süßwaren am Rand des Schillerplatzes mit Blick auf die Eisbahn.

Bisher habe die Zusammenarbeit mit der in.Stuttgart gut funktioniert, sagt der Schausteller-Vorstand. Etwaige Probleme habe man unbürokratisch am Telefon geregelt. Auch jetzt gab es offenbar ein klärendes Gespräch mit Christen. Dennoch sagt Roschmann, er werde im kommenden Jahr, wenn die konkrete Auswahl der Bewerber anstehe, genau hinschauen.

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