Weihnachtsschokolade aus dem Kreis Esslingen Der Weihnachtsmann kommt aus Dettingen
Das Familienunternehmen Rübezahl produziert Schokoladen-Weihnachtsmänner. Gegründet wurde das Unternehmen 1949 in Dettingen unter Teck.
Das Familienunternehmen Rübezahl produziert Schokoladen-Weihnachtsmänner. Gegründet wurde das Unternehmen 1949 in Dettingen unter Teck.
Kreis Esslingen - Regelmäßig ab Herbst lächeln sie lockend aus den Supermarktregalen, und spätestens zur Adventszeit sind sie in aller Munde – Schokoladen-Weihnachtsmänner, klein und schlank oder groß und eher füllig, meist hohl und in bunte Alufolie gewandet. Viele von ihnen waren nicht lange unterwegs, denn sie stammen aus der Schokoladenfabrik Rübezahl in Dettingen. Während der Saison verlassen täglich etwa 250 000 Schoko-Weihnachtsmänner die Produktionshallen, in diesem Jahr hat das Unternehmen rund 70 Millionen von ihnen auf den Weg gebracht.
Das 1949 gegründete Familienunternehmen Rübezahl gehört zu den wenigen Herstellern in Deutschland, die Schokoladenhohlkörperfiguren, wie Weihnachtsmännern und Osterhasen ganz prosaisch heißen, produzieren. Im Jahr 2019 hat sich Rübezahl mit dem bayerischen Unternehmen Riegelein zusammengetan. Unter den Kernmarken Riegelein, Friedel und Gubor werden neben Weihnachtsmännern und Osterhasen weitere Schokoladenprodukte und auch Schoko-Puffreis hergestellt und vertrieben.
Der Geburtsort der schwäbischen Schoko-Weihnachtsmänner liegt im Keller des Werks in Dettingen. Dort wird der Ausgangsstoff, die Schokolade, aus Kakaomasse, Kakaobutter, Zucker und Milchpulver hergestellt. Wie der Unternehmenssprecher Dieter Schäfer berichtet, stammt der verwendete Kakao aus Ghana und der Elfenbeinküste sowie aus Ecuador, Madagaskar und Peru. „Fast alle unserer Produkte sind mittlerweile Fairtrade- und nach einem Programm zertifiziert, das für nachhaltigen Anbau, Umwelt- und Arbeitsschutz wie auch den Schutz landwirtschaftlicher Anbaugemeinschaften steht“, versichert er. Im Jahr 2019 seien mehr als 95 Prozent nachhaltigen Kakaos in den Produkten des Unternehmens verarbeitet worden, 2020 könne man von einem Anteil von „knapp unter 100 Prozent“ ausgehen.
Die Weihnachtsmännerproduktion in Dettingen läuft weitgehend maschinell ab. Die Zutaten werden zu einer feinen Masse geknetet und im Anschluss in die Conchen genannten Rührmaschinen transportiert. Dort wird die Schokoladenmasse auf etwa 60 Grad erwärmt und über viele Stunden hinweg veredelt.
Danach wird die Schokolade in zweiteilige Kunststoffformen gegossen, die anschließend gleichmäßig gedreht und gewendet werden, bis sich die Schokolade an den Wänden der Form abgesetzt hat. In der Mitte entsteht dabei ein Hohlraum. Abgekühlt und aus der Form gelöst, werden die nackten Weihnachtsmänner in Alufolie gekleidet und dann verpackt. Der kleinste von ihnen bringt gerade mal 12,5 Gramm auf die Waage, der größte im Sortiment wiegt beachtliche 3,5 Kilogramm.
Während sich die fast vollautomatischen Produktionsabläufe im Lauf der vergangenen Jahrzehnte kaum geändert haben und in allen Unternehmen annähernd gleich verlaufen, gehören das Mischungsverhältnis der Zutaten und die Veredelung der Schokoladenmasse zu den Betriebsgeheimnissen eines jeden Chocolatiers, erläutert Claus Cersovsky, der geschäftsführender Gesellschafter bei Rübezahl. „Jedes Unternehmen hat sein eigenes Rezept und somit seine eigene Geschmacksnote“, erläutert er.
Laut Schäfer macht das Weihnachtsgeschäft ein Drittel des Umsatzes der Rübezahl-Riegelein-Gruppe aus, Ostern und das Ganzjahresgeschäft steuern jeweils ein weiteres Drittel bei. In diesem Jahr haben rund 70 Millionen Schoko-Weihnachtsmänner die Produktionshallen der Unternehmensgruppe verlassen, laut Schäfer etwa fünf Millionen weniger als im Vorjahr. „Wir erwarten aufgrund der Corona-Pandemie ein schlechteres Weihnachtsgeschäft als in den vergangenen Jahren und rechnen mit einem Umsatzrückgang im einstelligen Prozentbereich in Deutschland“, berichtet er.
Beim Export sehe es in diesem Jahr schlechter aus. Zwar bleibt der größte Teil der Weihnachtsmänner in Deutschland, aber nennenswerte Stückzahlen würden weltweit verschickt. „Wir liefern in mehr als 50 Länder, darunter auch Australien, Neuseeland, Chile und Kanada. Unser Auslandsabsatz hat aber unter der Pandemie erheblich gelitten“, sagt Schäfer, der noch keine konkreten Zahlen nennen kann, da das aktuelle Geschäftsjahr erst im April endet. Welche Auswirkungen die aktuelle Situation haben wird, werde sich erst nach Weihnachten zeigen. Es sei aber davon auszugehen, dass die Kunden insgesamt zurückhaltender bei ihren Einkäufen waren oder aus Infektionsschutzgründen seltener die Geschäfte betraten.
Die Mitarbeiter der Medius-Kliniken in Kirchheim, Nürtingen und Ruit mussten allerdings auf ihren Schoko-Nikolaus nicht verzichten. Rübezahl-Geschäftsführer Claus Cersovsky bedankte sich bei ihnen am Nikolaustag „als Wertschätzung und Anerkennung für ihren Einsatz für die Patienten in der Pandemiezeit“ mit einer Gratis-Lieferung von mehr als 3000 Schokoladen-Weihnachtsmännern.