Weil der Stadt 3,8 Millionen Euro für den Umbau des Marktplatzes

Soll der Marktplatz autofrei werden oder nicht? Foto: factum/Jürgen Bach
Soll der Marktplatz autofrei werden oder nicht? Foto: factum/Jürgen Bach

Der Gemeinderat steht einstimmig hinter den Sanierungsplänen.

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Weil der Stadt - Das ist so eine Sache mit dem Herzen. „Es geht hier um das Herz und den Mittelpunkt der Stadt“, sagt der Landschaftsarchitekt Michael Glück. „Operationen am Herzen sind immer gefährlich“, hat Jürgen Widmann, der Fraktionsvorsitzende der Freien Wähler, erkannt. Und wer sich einer solchen Operation annimmt, der trifft manchmal auch einen Nerv.

„Seit zwei Tagen machen der Beigeordnete Jürgen Katz und ich nichts anderes, als Mails zu diesem Thema zu beantworten“, sagt der Bürgermeister Thilo Schreiber. Vor zwei Wochen hatte er bei einer Bürgerinfo bekannt gegeben, den Umbau des historischen Marktplatzes angehen zu wollen. Manche Bürger, auch Händler, hatten sich kritisch dazu geäußert, dass der Platz damit künftig autofrei sein soll.

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Schreiber: „Wir können nicht alle Wünsche erfüllen“

Der Gemeinderat aber steht geschlossen hinter den Plänen. Einstimmig hat das Gremium am Dienstagabend den Baubeschluss für das Projekt gefasst. Einen „steinernen Teppich“ bekommt der Platz als Zentrum, dazu Freitreppen, eine Sandsteinkante um das Kepler-Denkmal, eine Baumreihe und Sitzbänke.

In einer emotionalen Rede hatte der Bürgermeister für die Pläne geworben und die Gemeinderäte um ihre Zustimmung gebeten. „Es wird nicht möglich sein, dass wir alle Wünsche erfüllen“, sagt er mit Blick auf die Kritiker. „Hier sitzen 27 Gemeinderäte: Sie sind der Souverän der Stadt.“

3,8 Millionen Euro wird der Umbau des mittelalterlichen Platzes kosten. „Wir geben das Geld aber bestimmt nicht aus, um am Ende wieder Autos draufzustellen“, ist Schreiber überzeugt. „Sonst teeren wir ihn neu – und fertig.“ Weil der Stadt aber müsse den Mut zur Veränderung haben – wie viele andere Städte im Land auch.

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Schreiber ist das örtliche Gewerbe nicht egal

Schreiber weist den Vorwurf zurück, dass ihm das örtliche Gewerbe egal sei. Er habe die Tourist-Info am Marktplatz eingerichtet, dazu das Stadtmarketing mit Marion Beck als Citymanagerin eingestellt. Jetzt sei es Zeit für den Marktplatz-Umbau. „Meine Bitte an Sie ist“, sagt er zu den Gemeinderäten, „entscheiden Sie sich. Entweder, wir gehen diesen Weg, oder nicht.“

Für die Freien Wähler kündigt Jürgen Widmann die Zustimmung an. „Details, wie die Parkierung oder die Bepflanzung sind ja noch offen“, sagt er. Auf Widmanns Antrag hin richtet der Gemeinderat zudem einen Projektausschuss mit Vertretern des Rats, der Stadtverwaltung, des Gewerbevereins und den Anwohnern ein.

Von dem grünen Fraktionsvorsitzenden Alfred Kappler gibt es ein Lob für den Bürgermeister für sein Engagement um die Belebung der Altstadt. „Wir können den gesellschaftlichen Wandel nicht aufs Parken reduzieren“, sagt er. „Wir wollen Gewerbe und Handel in der Altstadt halten.“ Das werde man mit diesen Plänen schaffen.

Wenn nicht jetzt, wann dann?

Martin Buhl, der Chef der CDU-Fraktion, freut sich ebenfalls über den Startschuss zur Marktplatz-Sanierung. „Wenn wir jetzt nichts machen – wann dann?“, fragt er rhetorisch. „Wenn wir dieser Vision nicht folgen, dann können wir dicht machen.“ Buhl betont, dass darunter auch nicht andere Investitionsobjekte in der Stadt, wie das Schulzentrum, leiden.

Kritische Töne kommen nur von der FDP. Deren Stadtrat Hans Dieter Scheerer hatte noch am Morgen einen Antrag formuliert, zuerst offene Punkte wie das Parken, die Furcht der Händler vor Umsatzeinbußen oder den komplizierten Untergrund unter dem Marktplatz zu klären. „Wir sind nicht gegen den Umbau“, sagt Scheerer. „Aber auch mein Mail-Postfach war voll.“ Daraufhin nahmen seine Ratskollegen in den Antrag mit auf, nach „Einvernehmen zu suchen“.

Jürgen Katz, der Beigeordnete, schränkt aber ein: „Einvernehmen mit allen werden wir nicht hinbekommen.“ Auch könne man nicht garantieren, ständig zehn Parkplätze während der Bauzeit zu erhalten. „Wir werden aber ein aktives Baustellenmarketing angehen“, so Katz.




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