Weil der Stadt/Calw „Das Scheitern der Bahn ist kein Thema“

Von Peter Meuer 

Der Durchbruch in den Verhandlungen um die Hermann-Hesse-Bahn bleibt nach wie vor aus. Noch in diesem Jahr muss der Bund grünes Licht geben und die Fördermittel zusagen – ansonsten wird es eng für das Schienenprojekt.

Bis 1983 ist die Schwarzwaldbahn zwischen Weil der Stadt und Calw gefahren. Foto: nh
Bis 1983 ist die Schwarzwaldbahn zwischen Weil der Stadt und Calw gefahren. Foto: nh

Weil der Stadt/Calw - Die Zeit wird knapp für die Hermann-Hesse-Bahn. Bis 2019 muss das Projekt abgerechnet sein. Das ist Voraussetzung, damit es Fördermittel von Bund und Land gibt; genauer gesagt: aus dem Topf des Finanzierungsgesetzes GVFG. Und weil es eine Weile dauert, die Kosten eines 80-Millionen-Projektes auf Heller und Pfennig genau zu bestimmen, müsste die Bahn 2017 fahren. „Das heißt, dass wir möglichst in diesem Jahr grünes Licht für die Finanzierung brauchen“, sagt der Calwer Landrat Helmut Riegger.

Die kommunal betriebene Hermann-Hesse-Bahn ist sein wichtigstes Infrastrukturprojekt. Auf den Gleisen der früheren Schwarzwaldbahn sollen demnach wieder Züge fahren. Aus Calw über Weil der Stadt nach Renningen – und zurück. Seit Jahren schon forciert der Kreis Calw das Projekt. Ein Büro überlegt, wie der Bahnbetrieb wirtschaftlich organisiert werden kann.

Seit 2012 gibt es zudem Gespräche zwischen den Calwern und den Entscheidern in Land und Bund. Das Land habe bereits signalisiert, mit im Boot zu sein, sagt Riegger. Erst im Januar habe der baden-württembergische Verkehrsminister Winfried Hermann ihm telefonisch versichert, hinter dem Projekt zu stehen. Und eigentlich habe er mit der Zustimmung der Entscheider in Bonn und Berlin auch schon längst gerechnet. „Wir hoffen, dass es bald nach Ostern soweit sein wird“, sagt Riegger.

Der Optimismus ist bei Helmut Riegger Programm, auch und besonders beim Thema Hermann-Hesse-Bahn. Zwar gibt er zu, dass sich das Vorhaben schwieriger entwickele als gedacht. Aber: dass „bald das Okay für das Projekt“ und die Fördergelder gegeben werde, wiederholt der Landrat seit Monaten wie ein persönliches Mantra. Auch sei der so genannte Nutzen-Kosten-Indikator (NKI) deutlich über „der magischen eins“. Ab diesem Wert gilt ein Verkehrsprojekt als wirtschaftlich und damit förderfähig. „Wir waren noch nie soweit bei der Hermann-Hesse-Bahn wie heute.“ Was, wenn das Projekt scheitert? „Das ist kein Thema für mich“, sagt Riegger.

Allerdings: mit jedem Monat steigen die Planungskosten. Bereits jetzt ist eine siebenstellige Summe in das Projekt geflossen – obwohl noch nicht sicher ist, ob die Bahn am Ende wirklich auf die Schiene kommt. Vor allem aus Böblingen mehrt sich die Kritik. Weil die Hermann-Hesse-Bahn durch Weil der Stadt und bis nach Renningen fahren wird – um an die S  60 anzuschließen – ist der Nachbarlandkreis mit im Boot.

Mehr als eine halbe Million Euro für die Planungsbüros hat der Kreis Böblingen bereits beigesteuert. Damit hat es nun vorerst ein Ende: die Böblinger Kreisräte haben künftige Zuschüsse mit einem Sperrvermerk versehen. Erst sollen die Calwer alle Daten und Fakten offen legen. Nicht einmal den „NKI“ haben sie bisher erfahren, so lautet beispielsweise die Kritik der Grünen Fraktion im Kreistag.

Unter Böblinger Kreispolitikern heißt es, der Calwer Landrat halte die Zahl deswegen zurück, weil sie noch keineswegs so gut sei, wie er glauben machen wolle. Helmut Riegger selbst weist das zurück. Den Indikator nenne er nicht, weil das Verkehrsministerium in Berlin ihn zuvor erst noch bestätigen müsse.

Im Böblinger Landratsamt ist die Zahl dem Vernehmen nach mittlerweile bekannt. Auf Nachfrage unserer Zeitung bestätigt der Landrat Roland Bernhard das allerdings nicht. Er teile den Optimismus seines Kollegen, sagt Bernhard. „Es wäre natürlich der Todesstoß für das Projekt, wenn der nötige Nutzen-Kosten-Faktor nicht erreicht würde“, ergänzt er. „Aber ich bin da nach wie vor zuversichtlich.“ Ganz einfach seien die Verhandlungen mit den Vertretern des Bundes aber wohl nicht, räumt Roland Bernhard ein.

Auch mit den Vorbehalten aus Weil der Stadt wird sich Helmut Riegger noch auseinandersetzen müssen. Denn dort stehen die Zeichen ebenfalls auf Sturm. Die Weiler müssten nicht nur mit städtischen Mitteln ihre alte Eisenbahnbrücke ertüchtigen – sie fürchten sogar, dass mittelfristig ihre eigene Anbindung an den Großraum Stuttgart wegen der Hermann-Hesse-Bahn schlechter würde. Ihre Sorge: Wenn die Hermann-Hesse-Bahn erst einmal bis Renningen fährt, könnte dafür Züge der S-Bahn-Linie 6 ab Weil der Stadt wegfallen. „Ich weiß nicht, was die Region Stuttgart in Zukunft plant“, sagt Helmut Riegger dazu. Aber er beruhigt: „Wir wollen die Taktzahl ja auch für Renningen und Weil der Stadt verbessern, und nicht verschlechtern.“




Veranstaltungen