Weil der Stadt Das alte Betonbett hat ausgedient

Von Florian Mader 

Der Burggraben bei Münklingen muss dringend renaturiert werden, fordert das Landratsamt.

2,4 Kilometer ist der Burggraben lang – und fließt komplett auf Beton. Foto: factum/Bach
2,4 Kilometer ist der Burggraben lang – und fließt komplett auf Beton. Foto: factum/Bach

Weil der Stadt - Kleine Bäche sind durchaus selbstständige Wesen. „Der Burggraben betreibt hier munter Grunderwerb“, hat Holger Kappich festgestellt. „Das heißt, der Burggraben schafft sich sein naturnahes Bett wieder selbst“, erklärt er.

Zumindest an einigen Stellen, an denen die Betonschale nicht mehr so wasserfest ist und dicht hält. Der Stuttgarter Wasserkundler war in den vergangenen Wochen an dem kleinen Bächlein unterwegs, das sich vom Münklinger Jakobsbrunnen aus seinen Weg entlang der Kreisstraße hinunter zur Merklinger Riemenmühle schlängelt.

In den 70er Jahren hatte der Burggraben sein Betonbett bekommen, um darin schnurgerade und ohne viel Flächenverbrauch das Tal hinab zu fließen – ganz so, wie man es damals schick fand.

Der Burggraben entspricht nicht mehr den Gesetzen

Und wie es dem heutigen „Wasserhaushaltsgesetz“ und der „EU-Wasserrahmenrichtlinie“ allerdings überhaupt nicht mehr entspricht. Für deren Durchsetzung ist das Wasserwirtschaftsamt des Landkreises zuständig. „Legen Sie bis zum 31. Oktober einen Zeitplan vor, bei Nichteinhaltung müssen wir ansonsten die Maßnahmen förmlich anordnen“, hatte das Wasserwirtschaftsamt den Weiler Bürgermeister Thilo Schreiber in einem Brief aufgefordert. Zwei Forderungen stehen in dieser Richtlinie: Die naturnahe Umgestaltung der Flüsse, und die Sicherstellung, dass das Wasser keinen Schaden anrichtet, wenn es abfließt.

Genau das ist beim Burggraben nicht gegeben: Denn Probleme macht vor allem der 700 Meter lange Abschnitt zwischen dem Münklinger Gewerbegebiet und der Riemenmühle. „Hier hat der Burggraben ein so hohes Gefälle, dass er bei Hochwasser stark beschleunigt und nicht nur seine Böschung ausspült, sondern auch die danebenliegende Kreisstraße schädigt“, erklärt der Hydrologe Holger Kappich.

Das Land fördert

Eine Million Euro sind nötig, um diesen Abschnitt zu renaturieren, hat er ausgerechnet. Die gute Nachricht lautet: Seit vergangenem November fördert das Land Baden-Württemberg solche Maßnahmen und subventioniert 85 Prozent aller Ausgaben.

„Die Frage ist nicht, ob, sondern wie wir das machen“, hat Weil der Stadts Erste Beigeordnete Susanne Widmaier dazu jüngst im Gemeinderat erklärt. Jetzt arbeitet die Stadtverwaltung die Pläne aus und stellt die Förderanträge beim Land. Der zuständige Wasserkundler Holger Kappich hofft, dass er die Renaturierungsmaßnahmen dann im Jahr 2018 umsetzen kann. „Dafür müssen wir jetzt erst mal die entsprechenden Grundstücke neben dem Burggraben kaufen“, erklärt der Hydrologe. Denn der renaturierte Bach wird einmal mehr Platz benötigen als der begradigte Flitzer aus den 70er Jahren.




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