Der Gemeinderat gibt grünes Licht für den knapp vier Millionen Euro teuren Ausbau.

Weil der Stadt - Wie eine Operation am offenen Herzen – dazu noch unter erschwerten Bedingungen – wird die Erweiterung der Kläranlage in Weil der Stadt ablaufen. Denn zwei neue Belebungs- und ein weiteres Nachklärbecken sowie zusätzliche Einrichtungen müssen gebaut werden, während die Anlage an der Würm weiter die Abwässer von rund 9000 Menschen sowie der Industrie- und Gewerbebetriebe in der Stadt klären muss. Keine einfache Aufgabe, wie Ingenieur Frank Kuhnle aus Pforzheim vor Ort in der Anlage sowie im Gemeinderat erläuterte.

Pflicht, keine Kür

Dennoch muss die Stadt das 3,85 Millionen Euro teure Vorhaben nun anpacken. Man bewege sich bei der Kläranlage im Bereich der Pflicht und nicht der Kür, sagte Stadtkämmerer Ulrich Knoblauch, obwohl die finanzielle Belastung für die Stadt „gewaltig“ sei. Rund 1,6 Millionen Euro werden durch Landesmittel gedeckt, 1,2 Millionen Euro hat die Stadt bereits über Haushaltsreste zur Verfügung. Der Rest wird in den kommenden Jahren finanziert werden müssen. So wird denn der Bürgermeister Thilo Schreiber auch nicht müde zu betonen, dass dieses Vorhaben zusammen mit dem Kindergarten in Schafhausen und der Ganztagsschule in Merklingen mit die größten Ausgabebrocken in nächster Zeit seien.

Die Betriebserlaubnis für die Anlage läuft bis Ende 2017. Damit das Klärwerk den wachsenden Anforderungen gerecht werden kann, muss es erweitert werden. Denn laut Kanalplan kommen künftig die Abwässer von etwa 1800 Einwohnern hinzu. Man rechnet längerfristig mit einer Spitzenbelastung von bis zu 20 000 Einwohnerwerten. Hierin sind auch gewerbliche und industrielle Abwässer enthalten.

Anlage aus den 60er Jahren

Die bestehende Anlage zwischen dem Wertstoffhof und der Eisenbahnbrücke stammt aus den 60er Jahren. Derzeit reinigen mehrere Rechen, ein Sandfang, ein Vorklärbecken sowie zwei Belebungs- und ein Nachklärbecken die Abwässer aus der Weil der Städter Kernstadt so weit, dass sie in die benachbarte Würm eingeleitet werden können. Die beiden bestehenden Belebungsbecken haben ein Volumen von 1500 Kubikmetern. Dieses wird nun durch zwei weitere Kammern auf 2500 Kubikmeter vergrößert. In diesen Becken wird das Abwasser biologisch gereinigt: Mittels Sauerstoffzufuhr werden gelöste Nährstoffe in Biomasse umgewandelt. Ein altes, kleineres Becken, das bisher auch zur biologischen Reinigung diente, wird künftig ein Havariebecken sein, das beispielsweise mit Heizöl verunreinigte Abwässer aufnehmen kann.

Das bestehende Nachklärbecken fasst 1275 Kubikmeter. Dort wird die Biomasse vom gereinigten Abwasser getrennt. Nun wird ein zweites, gleich großes Nachklärbecken gebaut. Dazu wird das Gelände der Kläranlage nach Nordwesten hin erweitert. „Dieses zweite Becken erhöht auch die Sicherheit der Anlage, falls in dem anderen eine Störung auftritt“, sagte Ingenieur Frank Kuhnle.

Das Gebiet bei der Würm ist schwierig zu bebauen

Die für die Belebungsbecken benötigten Belüftungsanlagen werden in einen neuen Gebäudeteil verlagert. In diesem wird künftig auch die komplette elektronische Ausrüstung der Kläranlage untergebracht. Neben umfangreicher elektrotechnischer Ausstattung ist auch eine Erweiterung des Zwischenhebewerks mit einer dritten Schnecke geplant, die das vorgeklärte Wasser in die Belebungsbecken pumpt.

Die Arbeiten für die Maschinentechnik und den Bau sind bereits ausgeschrieben. Kämmerer Knoblauch zeigte sich optimistisch, dass die Preise im Rahmen bleiben. „Die Firmen haben großes Interesse gezeigt“, sagte er. Allerdings wird die Umsetzung vor Ort wohl nicht ganz einfach werden. Zum einen gebe es dort in der Nähe der Würm mit dem vorhandenen Schwemmland „kein besonders belastbares Gelände“, so Ingenieur Kuhnle. Zum anderen müssen die Baugruben wegen des hohen Grundwasserspiegels entwässert werden. Außerdem befindet sich die Baustelle im Verdachtsgebiet für Kampfmittel. Denn im Zweiten Weltkrieg war die nahe Eisenbahnbrücke bombardiert worden. Deswegen muss während der Erdarbeiten eine darauf spezialisierte Fachkraft anwesend sein, die bei Bedarf den Kampfmittelbeseitigungsdienst anfordert.

Vom kommenden Frühjahr an werden also Abwassermeister Volker Weber und sein Team, zu dem auch eine Auszubildende gehört, auf einer Baustelle arbeiten. Bis zum Sommer 2018 soll die Erweiterung der Anlage abgeschlossen sein. „Allerdings“, so sagte Kämmerer Ulrich Knoblauch vor dem Gemeinderat, „sind wir bei einer Kläranlage nie fertig. Irgendetwas kommt immer, sei es bei den Maschinen, der Technik oder durch eine Gesetzesänderung.“ Da ist es sicher hilfreich, dass die Anlage durch die beim Faulprozess entstehenden Methangase rund drei Viertel ihres benötigten Stroms selbst produziert.

Auch die Kläranlage in Hausen muss saniert werden

Weil der Stadt hat nicht nur eine Kläranlage, sondern ist noch über Zweckverbände an zwei weiteren beteiligt. Eine wird gemeinsam mit Döffingen betrieben und reinigt die Abwässer des Teilortes Schafhausen. Eine zweite ist die Verbandskläranlage Mittleres Würmtal in Hausen, wohin die Abwässer von Merklingen, Münklingen, Hausen und Heimsheim fließen. Dort muss das aus den 70er Jahren stammende Betriebsgebäude saniert und erweitert werden. Auf das einstöckige Haus wird ein Obergeschoss aufgesetzt. Dadurch sollen die Mitarbeiter mehr Platz für die Umkleide- und Sanitärräume bekommen. Rund 340 000 Euro wird das den seit 1972 bestehenden Verband der Städte Weil der Stadt und Heimsheim kosten.