Gut 160 000 Euro hat der Betreiber Wolfgang Mareczek in sein Kino investieren müssen, um die großen Hollywood-Streifen weiter zeigen zu können. Doch der Einzelunternehmer aus Weil der Stadt steht zu seinem Lichtspielhaus, auch das Open-air-Kino läuft gut.

Weil der Stadt - Die weißen Plastikstühle stehen bereit. Etwa 100 Menschen finden hier Platz, doch leider sind nur wenige gekommen. Der Himmel ist dunkel, es ist schwül. Bald wird es regnen. Der Chef der „Kulisse“ Wolfgang Mareczek beschließt, die Vorstellung lieber nach drinnen zu verlegen, in die Kulisse. Doch das war eher die Ausnahme in diesem Sommer. „Wir mussten fünf Mal indoor spielen, 13 Mal ging es draußen“, sagt der Betreiber.

 

Es ist das Los von Open-air-Veranstaltungen, direkt am Tropf des Wettergottes zu hängen. Aber das weiß der Veranstalter Mareczek selbst am besten. Er sieht es gelassen. Das Interesse des Publikums ist definitiv da, 700 bis 900 waren es in diesem Sommer. Die Besucher kommen gerne, auch wenn er in puncto Glanz nicht mit den großen Filmpalästen in Sindelfingen oder Stuttgart mithalten kann. Eigentlich möchte er das auch gar nicht. „Wir sind erfolgreich, weil wir so geblieben sind, wie wir immer waren“, erklärt er dazu.

Und das soll auch so bleiben. Wolfgang Mareczek macht schon seit fast 40 Jahren Kino in der Keplerstadt. Der ausgebildete Kinotechniker hat neben der Kulisse auch das Lichtspielhaus in der Altstadt.

Hier zeigt er auch die großen Sommer-Blockbuster und hier hat er sich auch den Veränderungen der Zeit angepasst. Mitte Juli hat er vier moderne Digitalprojektoren installieren. „Der Schraubenzieher für Reparaturen hat im Prinzip ausgedient“, sagt der Kinoexperte ein bisschen wehmütig.

Es ist ein bisschen wie bei alten Autos. Was zu rein mechanischen Zeiten der Laie mit ein bisschen gutem Werkzeug noch selber machen konnte, verschließt sich im digitalen Zeitalter, bis auf den ausgewiesenen Hard- und Softwarespezialisten, so gut wie jedem. Jetzt sind die vier Säle in der Altstadt auf dem neuesten Stand der Technik. Dafür muss der so genannte DCI-Standard erfüllt werden. Das Kürzel steht für „Digital Cinema Initiative“, unter diesem Label haben sich die großen Hollywood-Filmverleiher zusammengeschlossen.

„Die DCI-Projektoren sind doppelt so teuer, ohne entscheidende Qualitätsverbesserung“, sagt Wolfgang Mareczek. Es gehe vor allem darum, die Daten besser zu verschlüsseln. Doch die US-Firmen verlangten eben jenen Standard. Und so muss ein einfacher Digitalprojektor, den Mareczek schon hatte, jetzt in die Kulisse wandern, dort wird Programmkino vorwiegend aus Deutschland oder Europa gezeigt – mit einfachem Digitalstandard.

Die vier DCI-Projektoren haben 160 000 Euro gekostet. „Wir haben schon überlegt, ob wir das noch machen“, räumt der Betreiber ein. Doch letztlich glaube er an den Standort, mit rund 70 000 Besuchern jährlich habe er sich bewährt. Immerhin gibt es 50 000 Euro Filmförderung von Bund und Land, die kleine Häuser bei der Digitalisierung unterstützen.

Und so bleibt das Weiler Kino ein schönes Beispiel für die wenigen Flecken entschleunigten Lebens, die noch geblieben sind. In der alten Kulisse werden auch mal unbekanntere Perlen des internationalen Kinos gezeigt, während die Mainstream-Streifen in der Altstadt laufen.

Das Open-air-Kino lief jedenfalls in diesem Jahr wieder gut. Wolfgang Mareczek fasst seine Filmabende unter freiem Himmel gerne in Kategorien zusammen. Literatur, Beziehungen und Menschen sind die Mottos der Freilicht-Veranstaltungen, die seit dem Jahr 2007 immer mit den Sommerferien beginnen.

So bleibt der Charme der analogen Welt zumindest in der Kulisse erhalten. Ein bisschen ist es hier wie in einem Plattenladen von früher, die man heutzutage vielleicht noch in den Großstädten finden kann. Es hat Charme, Seele und strahlt eine natürliche Wärme aus. Es riecht nicht nach säuberlich shampooniertem Teppichboden oder aufgewärmten Nachos, wie in den großen Multiplex-Kinohäusern. Stattdessen gibt es Naschzeug und Getränke zu fairen Preisen.

Vor den türkisfarbenen, runterklappbaren Sitzbänken gibt es kleine Tischchen für die Snacks. Eine Seltenheit heutzutage. Wolfgang Mareczek trägt die großen 35 Millimeter Filmrollen durch den Verkaufsraum, der ohne Tür und uniformiertes Abreißer-Personal in den Vorführraum übergeht. Hinter der Theke ist eine kleine Küchenzeile installiert. Der Projektor beginnt zu rasseln. Das Bild ist ein bisschen körnig. Streifen laufen von der Rolle mit über das Bild. Hier ist auch das noch authentisch.

Aber genau wie die Schallplatte noch nicht tot ist, glaubt Mareczek auch nicht ganz an den Tod des analogen Projektors. Und mit der Kulisse beweist er, dass es funktionieren kann. Im kleineren Rahmen wohlgemerkt. Aber die Leute kommen trotzallem. Eine kleine Oase der analogen Langsamkeit, mitten in der immer weiter wachsenden Wüste des Digitalen.