Weil der Stadt Der Job macht Spaß

Von Florian Mader 

Mit einem Hotel garni mit zehn Zimmern wollen Ilona und Michael Eberhard durchstarten.

Michael und  Ilona Eberhard wollen ein kleines Hotel eröffnen. Dafür reißen sie das Haus (hinter ihnen) ab. Foto: factum/Bach
Michael und Ilona Eberhard wollen ein kleines Hotel eröffnen. Dafür reißen sie das Haus (hinter ihnen) ab. Foto: factum/Bach

Weil der Stadt - Gäste empfangen, bewirten und auch beherbergen. Für Ilona und Michael Eberhard eine verlockende Vorstellung. So sehr, dass sie ihren Traum jetzt endlich in die Wirklichkeit umsetzen wollen. Hinter der großen Stadtmauer, am Königstor, dort, wo früher Autos montiert und repariert wurden, betreiben die beiden seit 1995 ihr kleines Café.

„Unser Schwager wusste, dass wir uns damals selbstständig machen wollten“, erinnert sich Michael Eberhard, der gelernte Konditor, der aus dem Hessischen stammt. Also kaufte er zusammen mit seiner Frau die alte Autowerkstatt. 1999 war ihnen dann das ältere Haus neben dem Café von der Stadtverwaltung angeboten worden.

Fast einhundert Jahre ist das Haus alt

„Da wollten wir eigentlich unser Café erweitern“, erinnert sich Ilona Eberhard. Am Haus, das fast einhundert Jahre alt ist, nagte immer mehr der Zahn der Zeit. Seit Sommer 2015 steht es nun leer, die Eberhards wollten einen Neubau mit Eigentumswohnungen errichten.

„Der Architekt hat dann vorgeschlagen: Warum macht ihr kein Hotel garni daraus?“, sagt Michael Eberhard und seine Augen leuchten ein wenig, träumt er doch schon lange davon, ein kleines Hotel zu betreiben. Bedarf gibt es in Weil der Stadt ohne jeden Zweifel. Regelmäßig müssen die Mitarbeiter der Touristen-Info die Reisenden in benachbarte Orte schicken. Dabei gehört der Tourismus genauso zur Innenstadtoffensive wie die Altstadtsanierung auch. „Die Stadt unterstützt uns sehr“, lobt Michael Eberhard den Bürgermeister. Jetzt könnte es zudem noch Geld aus dem Sanierungsprogramm geben, Abrisse hat der Gemeinderat ebenso in die Förderrichtlinien aufgenommen.

Umbau wäre ein Fass ohne Boden

Auch wenn damit historische Bausubstanz verloren geht. „Das geht aber bei diesem Haus nicht“, sagt der Hotelier in spe. „Ein Umbau des Hauses in ein Hotel wäre ein Fass ohne Boden.“ Zehn Zimmer will er in dem Neubau unterbringen, barrierefrei werden sie sein, 2017 soll es losgehen.

„Es gibt ja nicht nur Touristen in Weil der Stadt“, sagt Michael Eberhard. „Auch Geschäftsleute und Messebesucher aus Stuttgart übernachten hier gern.“ Die Eberhards sind überzeugt, dass es mit der oft brach liegenden Weiler Altstadt aufwärts geht. Das neue Verkehrskonzept wird momentan getestet, das Klösterle ist gerichtet, durch das Sanierungsprogramm und die Förderung der Stadtmauer fließt Geld ins Städtle. Und auch die Eigentümer der Krone-Post am Marktplatz haben angekündigt, das Hotel sanieren zu wollen.

„Unser Job macht uns Spaß“, sagen Ilona und Michael Eberhard unisono. Deshalb wollen sie viel Geld in die Hand nehmen, ein Teil der neuen Weiler Innenstadtoffensive sein, zeigen, dass es auch im 21. Jahrhundert noch möglich ist, kleinen Einzelhandel zu betreiben. „Sonst geht doch das Individuelle, Persönliche verloren“, findet Ilona Eberhard.