Politik: Rafael Binkowski (bin)

Die Ereignisse überschlugen sich. Ein Teil der Band war in Frankreich, der andere in Italien auf Promotion-Tour. „Dann hat man uns gefragt: Wollt ihr USA oder Asien machen?“ Sie entschieden sich für Asien, vier Wochen Rundreise. In Tokio erhielten sie einen Preis und traten mit den Spice Girls auf, es gab eine Mandarin-Version von „Lemon Tree“ für China.

In Singapur durfte das Publikum zum ersten Mal in der Geschichte des Landes bei einem Konzert aufstehen. „Das werde ich nie vergessen“, erzählt Mangold, „Peter Freudenthaler hat ihnen gesagt: Ihr dürft aufstehen. Das ist erlaubt.“ Erst wagten sich einige vor, dann mehr, schließlich standen alle. Ein Gänsehaut-Moment.

Im Backstage-Bereich irgendeiner Bühne begegnete ihnen Iggy Pop: „Ein totaler Psychopath. Er stand hinter der Bühne mit seinem Mantel in sich gekehrt, streifte ihn ab, ist zwei Stunden auf der Bühne mit nacktem Oberkörper abgegangen wie Schnitzel, dann lief er wieder mit dem Mantel weg.“

Echo, Bambi und Goldene Stimmgabel

Es war kaum zu fassen oder zu begreifen. Kometenhaft war der Aufstieg. Preise folgten: Echo, Bambi, Goldene Stimmgabel, alles was Rang und Namen hat in der Branche. Genauso kometenhaft stieg die Zahl der Schulterklopfer an. „Unglaublich, alle wollten dein Freund sein“, erinnert sich Thomas Mangold. Zum Glück blieben die beiden Schwaben bodenständig.

Zudem sahen beide auch die Schattenseiten. Immer nur Lemon Tree, Lemon Tree, Lemon Tree. Tag und Nacht, im Radio, Fernsehen. „Man tut sich irgendwann schon schwer, das noch mit Begeisterung vorzutragen“, sagt Roland Röhl. Der zweite Hit „Wild Days“ war noch einigermaßen erfolgreich, dann flaute der Hype ab. Zwar kann die Band bis heute auf ordentlichem Niveau überleben, hat Fans in Osteuropa.

Und der war begeistert.

Vor allem von „Lemon Tree.“

Wie Lemon Tree die Band nach oben bringt

Einem Lied, dem die Band selbst zwar Potenzial, aber wenig Bedeutung zumaß. Michael Mattuschik fasste einen kühnen Plan und wollte dieses Lied ins Radio bringen. „Er hat per Hand die CD einfach in seiner Sendung eingespielt – am Musikredakteur vorbei“, schmunzelt Thomas Mangold. Das gab zwar Riesenärger – aber auch eine gigantische Resonanz. Die Telefonleitungen glühten, alle wollten wissen: Was ist das für ein cooler Song? Wer ist die Band?

Der nächste Schritt: Telefonkette für die SWF-3-Hitparade. „Alle mussten anrufen, sogar die Oma“, sagt Roland Röhl. „Lemon Tree“ stieg auf Platz eins der Hörercharts, dann wurde auch der Stuttgarter Partnersender SDR auf ihn aufmerksam.

Und dann gab es kein Halten mehr.

Der Song war vier Wochen bis März 1996 auf Platz eins, erhielt dreifach Gold in Deutschland, Platin in Norwegen und Irland, Gold in der Schweiz, Österreich, Belgien, Dänemark und Frankreich. Auch das Album verkaufte sich blendend, sogar in Singapur, Hongkong und Malaysia.

Beatle-Mania in Darmstadt

Wie eine Welle überschwappte die jungen Männer der Ruhm. Zuvor hatten zig Plattenfirmen das Lied abgelehnt. „Das wird nie was, hieß es“, sagt Mangold lachend, „Deutsche, die Englisch singen, und dann noch aus Schwaben, also nee.“ Plötzlich waren sie in der Harald-Schmidt-Show, in Hamburg wurde das Video zu „Lemon Tree“ gedreht.

Es ging zu MTV nach London, zum Frühstücksfernsehen nach Berlin, auf die Donauinsel nach Wien. „Das war schon ein komisches Gefühl“, erinnert sich Roland Röhl. Die fünf Jungs wurden plötzlich Teenie-Stars. Die beiden erinnern sich gut an eine Autogrammstunde in einem Darmstädter Kaufhaus: „Als wir raus kamen, sind plötzlich 5000 Leute auf uns zugelaufen.“ Ein wenig Beatle-Mania, die fünf ergriffen panisch die Flucht, die Security-Kräfte konnten sie in letzter Sekunde hinter einer Tür ins Treppenhaus zerren. Wahnsinn.

So stellte sich die Frage: Werden wir Profimusiker? Die Plattenfirma hatte für 1996 ein vorsichtiges Programm zusammengestellt – 100 Konzerte, was jedem Bandmitglied ein Auskommen von 1500 Mark im Monat garantieren sollte. „Als wir das kalkuliert hatten, haben wir alle unsere Jobs aufgegeben“, erzählt Röhl.

Die 1500 Mark wurden um ein Vielfaches übertroffen. Die Konzerthallen wurden schnell zu klein. Etwa in Heidenheim, der kleine Club Mouse on Mars fasste gerade mal 60 Zuhörer – davor standen 10 000. „Wir haben trotzdem gespielt, weil wir es versprochen hatten“, erinnert sich Mangold, „das war romantisch, aber dumm.“ Hätte man abgesagt und die Konventionalstrafe bezahlt, dann hätte Fools Garden in einer großen Halle am gleichen Abend das 40-fache verdienen können.

Ein kometenhafter Aufstieg

Die Ereignisse überschlugen sich. Ein Teil der Band war in Frankreich, der andere in Italien auf Promotion-Tour. „Dann hat man uns gefragt: Wollt ihr USA oder Asien machen?“ Sie entschieden sich für Asien, vier Wochen Rundreise. In Tokio erhielten sie einen Preis und traten mit den Spice Girls auf, es gab eine Mandarin-Version von „Lemon Tree“ für China.

In Singapur durfte das Publikum zum ersten Mal in der Geschichte des Landes bei einem Konzert aufstehen. „Das werde ich nie vergessen“, erzählt Mangold, „Peter Freudenthaler hat ihnen gesagt: Ihr dürft aufstehen. Das ist erlaubt.“ Erst wagten sich einige vor, dann mehr, schließlich standen alle. Ein Gänsehaut-Moment.

Im Backstage-Bereich irgendeiner Bühne begegnete ihnen Iggy Pop: „Ein totaler Psychopath. Er stand hinter der Bühne mit seinem Mantel in sich gekehrt, streifte ihn ab, ist zwei Stunden auf der Bühne mit nacktem Oberkörper abgegangen wie Schnitzel, dann lief er wieder mit dem Mantel weg.“

Echo, Bambi und Goldene Stimmgabel

Es war kaum zu fassen oder zu begreifen. Kometenhaft war der Aufstieg. Preise folgten: Echo, Bambi, Goldene Stimmgabel, alles was Rang und Namen hat in der Branche. Genauso kometenhaft stieg die Zahl der Schulterklopfer an. „Unglaublich, alle wollten dein Freund sein“, erinnert sich Thomas Mangold. Zum Glück blieben die beiden Schwaben bodenständig.

Zudem sahen beide auch die Schattenseiten. Immer nur Lemon Tree, Lemon Tree, Lemon Tree. Tag und Nacht, im Radio, Fernsehen. „Man tut sich irgendwann schon schwer, das noch mit Begeisterung vorzutragen“, sagt Roland Röhl. Der zweite Hit „Wild Days“ war noch einigermaßen erfolgreich, dann flaute der Hype ab. Zwar kann die Band bis heute auf ordentlichem Niveau überleben, hat Fans in Osteuropa.

Doch ohne Thomas Mangold und Roland Röhl. Und dann anfangs das erwählte verschwitzte Hemd vom Mitspieler im Tourbus. Dazu kamen immer stärkere interne Differenzen. Schließlich kam es zum Bruch, 2003 stiegen beide aus. Schon zwei Jahre zuvor hatten sie ihre Werbeagentur in Merklingen gegründet.

Nun sind sie zurück im Alltag der Normalmenschen. Für Mangold ist Musik Hobby mit Freunden, für Röhl nur privater Zeitvertreib. Für die Familie hat er jetzt Zeit, oder fürs Grillfest mit den Kumpels in Weil der Stadt. Ob es ein Revival mit Freudenthaler und Co. gibt? „Nein“, sagen beide ganz entschieden, „das ist durch.“ Sie sind nach 20 Jahren mit sich im Reinen.