Weil der Stadt Landwirte gegen Glyphosat-Verbot auf Äckern

Von Florian Mader 

Die Grünen wollen das Mittel auf städtischem Grund verbieten. Das führt im Gemeinderat zu Debatten.

Protest gegen Glyphosat gibt es immer wieder – wie hier im November 2017 in München vor der Parteizentrale der CSU. Foto: dpa
Protest gegen Glyphosat gibt es immer wieder – wie hier im November 2017 in München vor der Parteizentrale der CSU. Foto: dpa

Weil der Stadt - E in Experte für Glyphosat sei er nicht, sagt Bürgermeister Thilo Schreiber am Dienstagabend in der Gemeinderatssitzung. Das sind andere, und er blickt zu seinen Stadträten.

Mit David Götz, Georg Riehle (beide CDU) und Michael Borger (Freie Wähler) sitzen gleich drei Landwirte in dem obersten kommunalpolitischen Gremium in Weil der Stadt. Sie sind es daher, die rhetorisch zur Hochform auflaufen, um den Antrag der Grünen niederzuschmettern.

„Kein Einsatz des Herbizidwirkstoffes Glyphosat auf Flächen der Gemeinde Weil der Stadt“ hatten die fünf grünen Stadträte ihren Antrag überschrieben, über den sie im Gemeinderat abstimmen haben lassen. „Wir haben den Antrag gestellt, weil die Wahrscheinlichkeit hoch ist, dass Glyphosat krebserregend ist“, erklärt Rosemarie Sticker ihren Kollegen. „Außerdem hat der Wirkstoff Einfluss auf die Artenvielfalt.“

Stadt kann regeln, was auf ihren eigenen Grundstücken passiert

Darum wolle man Glyphosat nicht in der Stadt haben. Wobei die Sache natürlich komplizierter ist, als nur ein solch plakatives Verbot zu verhängen. Der Gemeinderat ist kein Gesetzgeber, er kann den Garteneigentümern und Landwirten in der Stadt keine Vorschriften machen. Die Stadt kann lediglich regeln, was auf ihren eigenen, städtischen Grundstücken passiert.

Dazu gehören Grün- und Sportflächen, Straßenränder und Spielplätze. Allerdings verzichtet der Bauhof schon seit 2014 hier ganz freiwillig auf Glyphosat, teilt der Bauhofleiter Ralf Wöschler in einer Stellungnahme mit. Seine Kollegen und er bekämpfen Unkraut nämlich mit 98 Grad heißem Wasser. Ohne große Diskussion und bei nur zwei Enthaltungen folgt der Gemeinderat daher jenem Teil des Grünen-Antrags, der dem Bauhof und den von der Stadt für die Pflege dieser öffentlichen Flächen beauftragten Firmen den Einsatz von Glyphosat untersagt.

Die Stadt ist allerdings auch Großgrundbesitzerin. Rund 100 Hektar hat sie verpachtet, viele Flächen davon sind landwirtschaftlicher Grund, der von Bauern bewirtschaftet wird. Die Grünen wollen auch hierfür in die Pachtverträge entsprechende Verbots-Klauseln schreiben.

„Glyphosat ist nicht alternativlos“, erklärt Rosemarie Sticker. „Das weiß man, weil es ja auch Biobauern gibt.“ Die Stadt habe hier eine Vorbildfunktion, außerdem setzten sich mehrere europäische Länder auch für ein Glyphosat-Verbot ein.

Mehr als 240 Wirkstoffe

Da fühlen sich als Gegenredner die Landwirte der anderen Fraktion herausgefordert. „Wir Landwirte haben keinen Nachhilfeunterricht nötig“, wettert CDU-Stadtrat David Götz, der einen Hof in Schafhausen bewirtschaftet. Die Hälfte des Glyphosats setzt die Bahn und die Industrie ein, zitiert er Untersuchungen. „Wir Landwirte in Weil der Stadt verwenden es so wenig wie möglich, nicht regelmäßig – und nur dort, wo es notwendig ist.“

Also zum Beispiel in einem sehr trockenen Jahr wie diesem an einigen Ackerrändern zur Unkrautbekämpfung. Glyphosat sei außerdem nur einer von 240 Wirkstoffen, die er anwendet, berichtet David Götz. „Wenn Sie uns das verbieten, kaufen wir das nächste, das wir dann aber mit erheblich größeren Mengen anwenden müssen.“

Man tue sich mit dem Glyphosat-Verbot für die Landwirte schwer, sagen auch die Vertreter von FDP und den Freien Wählern. „Wir haben das kontrovers diskutiert“, berichtet FWV-Chef Markus Kling. „Wir meinen aber, das sollte in der verantwortungsbewussten Hand der Landwirte liegen.“ Da seien Fachleute am Werk, die genau wissen, was sie tun, ergänzt Michael Borger.Der CDU-Stadtrat Georg Riehle verwendet als Bio-Landwirt zwar selbst kein Glyphosat. „Mir stinkt es aber, dass die Landwirte immer der Sündenbock sind für das, was auf der Welt schief läuft“, sagt er und verweist auf das von seinen grünen Ratskollegen genannte Arten- und Bienensterben.

Alfred Kappler, der grüne Fraktionsvorsitzende, unternimmt einen letzten Verteidigungsversuch. „Ich verwalte die Äcker meiner Mutter und achte auch darauf, dass da kein Glyphosat eingesetzt wird“, sagt er. „Wenn es Alternativen gibt – und die gibt es – dann sollten wir das auch machen.“

Überzeugen kann Kappler damit die Mehrheit aber nicht. Außer den fünf grünen Stadträten und dem Bürgermeister stimmt am Ende aber niemand dafür, den Landwirten auf städtischen Ackerflächen das Glyphosat zu verbieten.