Der Astronomietag lockt viele Neugierige zur Weiler Sternwarte, obwohl der Himmel bedeckt ist. Spät verziehen sich die Wolken.

Auf zu den Sternen hätte das Motto des Astronomietags am Samstag lauten können, an dem die Kepler-Gesellschaft zu Vorträgen und Führungen in ihre Sternwarte eingeladen hatte. Vor allem den Kometen mit dem komplizierten Namen Tsuchinshan, der gerade in der Nähe der Erde – also in etwa 70 Millionen Kilometer Entfernung – das Weltall durchkreuzt, hätten viele gerne näher gesehen. Doch das Himmelszelt hatte sich verhüllt und Sternengucker konnten sich den Blick durchs Teleskop sparen. Bis sich dann später doch noch eine Lücke auftat.

 

Keplers Erbe

Die bundesweite Vereinigung der Sternfreunde hatte diesen Astronomietag koordiniert und für die Kepler-Gesellschaft ist es Ehrensache, ihre Aktivitäten rund um die Welt der Sterne zu zeigen. Schließlich trägt sie den Namen des bekanntesten Sohnes der Stadt, des großen Astronomen Johannes Kepler. Gilt es doch, sowohl dieses historische Erbe zu bewahren, als auch die Kepler-Sternwarte auf dem Gelände des Johann-Kepler-Gymnasiums immer wieder für die Öffentlichkeit zugänglich zu machen.

Zu mehreren Vorträgen kommen rund 130 Zuhörerinnen und Zuhörer. Der Astronom Jörg Dubiel zeigt beeindruckende Aufnahmen von Polarlichtern, die Ingenieurin Susanne Fugger spricht über die Forschungsreise zum Merkur durch die BepiColombo Mission. „Das Interesse an den Themen ist groß“, sagt Jürgen Gunter. Das gilt auch für den Nachwuchs in der Jugendgruppe des Vereins. „Immer mehr Kinder und Jugendliche interessieren sich für diese Themen – Buben und Mädchen gleichermaßen“, so der Ingenieur, der wie viele seiner Mitstreiter bei der Kepler-Gesellschaft Amateurastronom ist. „Wir vermitteln Grundlagen der Astronomie und der Sternenbeobachtung.“ Er sei manchmal erstaunt, was die Jugendlichen an Wissen schon alles mitbringen.

Ein Komet namens Tsuchinshan

Schließlich geht es später am Abend in die Sternwarte, doch die Sicht auf die Sterne bleibt wegen der Wolkendecke erst einmal verwehrt, obwohl Astronom Dieter Ludwig die große Kuppel geöffnet hat. Dicht gedrängt stehen die Besucher auf der Empore rund um die drei Teleskope – ein Linsen- und ein großes schwarzes Spiegelteleskop zur Beobachtung der Himmelskörper sowie ein Sonnenteleskop, das einen Blick auf unser heißes Zentralgestirn ermöglicht. Dieter Ludwig zeigt ein eindrucksvolles Foto vom Tsuchinshan-Komet, das vor Kurzem vom Ihinger Hof aus fotografiert wurde. Die Besucher plaudern mit dem Fachmann über Kometensichtungen und gute Möglichkeiten, die Himmelskörper zu fotografieren.

Als sich die Sternwarte am späteren Abend allmählich leert, kommt Vivaan mit seiner Mutter, um noch einen Blick hineinzuwerfen. Der Zehnjährige ist von den Sternen fasziniert. Schon früher am Abend hat er sich mit dem Experten-Bilderrätsel beschäftigt, bei dem nach dem Orionnebel und den Plejaden genauso gefragt wurde wie nach Porträts von Kepler und Kopernikus. Gerade als Dieter Ludwig die Kuppel der Sternwarte wieder schließen will, erscheinen die ersten Lichter weit oben am Horizont. Der Astronom richtet das Refraktor-Teleskop aus und zu sehen ist die Wega, ein lichtstarker Stern im Sternbild Leier, ganze 25 Lichtjahre entfernt.

Die Kepler-Gesellschaft bietet rund um die Sternwarte viele Veranstaltungen an. Weitere Informationen unter www.kepler-sternwarte.de.