Wo führte die Waldenbucher Stadtmauer einst entlang? Wann waren Goethe und Schiller zu Besuch in der Stadt? Seit wann heißt Weil der Stadt Weil der Stadt? Wann war Sebald Kepler, der Großvater des Astronomen Johannes Kepler, hier Bürgermeister? Antworten auf Fragen wie diese bieten Stadtführungen. Trockene Wissensvermittlung allerdings ist nicht jedermanns Sache. Mancher Stadtführer und manche Stadtführerin ist hier schon kreativ, bietet zum Beispiel historisch kostümiert Touren an, auch sogenannte Nachtwächter sind in Weil der Stadt und Waldenbuch unterwegs und führen die Gäste in den Abendstunden durch die nächtlichen Städte.
Neue Impulse für lebendigere Stadtführungen
Das Projekt „Stadtführung neu gedacht“, eine Kooperation der Städte Weil der Stadt und Waldenbuch und gefördert vom Verband Region Stuttgart, möchte Stadtführungen nun noch lebendiger machen und für neue Zielgruppen erschließen. Die Initiative dazu stammt von der ehemaligen Weil der Städter Citymanagerin Marion Beck, sagt Projektkoordinatorin Sandra Fleige von der Stadtverwaltung. Beck habe den Kontakt nach Waldenbuch gesucht, denn für die Förderung durch den Verband Region Stuttgart mussten sich zwei Städte zusammentun. Und Weil der Stadt und Waldenbuch hätten einige Gemeinsamkeiten, sagt Fleige. „Es sind Städte mit ähnlicher Struktur“, sagt die Projektkoordinatorin. „Sie haben beide schöne Altstädte. Ein weiteres verbindendes Element ist der Museumsradweg.“ Derzeit seien in Weil der Stadt 20 Stadtführerinnen und Stadtführer aktiv, in Waldenbuch seien es sieben, sagt Fleige.
Im Rahmen des Projekts wurden in den vergangenen Monaten Stadtführerinnen und Stadtführer aus- und weitergebildet. Manche von ihnen haben bereits einschlägige Erfahrungen, andere sind neu dabei. Bei Veranstaltungen zur Historie der Städte und zur Methodik der Führungen haben sie seit dem Sommer ihre Kenntnisse erweitert und arbeiten nun ihre künftigen Stadtführungsangebote aus. Für Weil der Stadt seien sieben Stadtführerinnen und Stadtführer aktiv am Projekt beteiligt, in Waldenbuch seien es zwei, sagt Sandra Fleige. „Es werden unterschiedliche szenische Führungen, Angebote für Kinder und Familien, Märchenführungen und auch neue Themenführungen dabei sein“, kündigt sie an.
Stadt mit allen Sinnen erleben
„Stadtführung ist mehr als nur sehen und hören“, sagt Eva Weil, eine der neuen Stadtführerinnen in Weil der Stadt. Sie möchte die Stadt mit allen Sinnen erlebbar machen, für Touristen ebenso wie für Einheimische. Ihr Fokus liegt auf Kinder-, Jugend- und Familienführungen. Sie hat sich bereits Gedanken gemacht, wie sie die Teilnehmer die Stadtgeschichte hören, riechen und fühlen lassen kann: „Wie war das damals im 17./18. Jahrhundert? Wie schwer war der volle Kübel, den die Magd am Brunnen mit Wasser gefüllt hat? Wie roch es dort, wo Gerbereien waren? Wie hörte es sich an, wenn eine Pferdekutsche vorbeikam?“ Hufgetrappel zum Beispiel lasse sich gut mit Kokosnüssen nachahmen. Gerade die jungen Teilnehmer würden aus Führungen, die die Sinne ansprechen, viel mitnehmen, sagt Eva Weil.
Das Projekt nimmt aber nicht nur persönliche Führungen in den Fokus. Auch an der Umsetzung eines digitalen Angebots arbeite man aktuell. Zum einen sollen Spaziergänger über QR-Codes an Hinweistafeln weitergehende Informationen zu Örtlichkeiten bekommen. Über GPS soll es außerdem möglich sein, sich über das Smartphone durch die (Alt-)Stadt führen zu lassen, erklärt Sandra Fleige. „Und wer mag, kann sich dann auch ohne Besuch vor Ort digital einen Eindruck der Sehenswürdigkeiten verschaffen.“ Mit den Stadtführerinnen und Stadtführern bestücke man derzeit eine App mit Bildern und Informationen.
Neue StadtführerInnen sind willkommen
Im März 2023 sollen die ersten „neuen“ Stadtführungen angeboten werden, momentan ist eine Kick-off-Veranstaltung mit mehreren kleineren Führungen in beiden Städten für den 19. März geplant. Und das Projekt ist noch nicht zu Ende. „Wer Interesse hat, selbst Stadtführungen in Waldenbuch und Weil der Stadt anzubieten, kann sich jederzeit melden“, sagt Fleige. Solange das Projekt laufe, stehe sie als Ansprechpartnerin zur Verfügung, nehme Interessenten an die Hand und begleite sie bis zur Umsetzung ihrer Konzepte.
Eine gewisse Vorkenntnis zur Stadtgeschichte und Affinität zum lebendigen Vortragen sollten Interessenten mitbringen. Es gehöre schon etwas dazu, vor einer Gruppe von Menschen zu sprechen, vom Vorbereitungsaufwand mit Recherchen zur Stadtgeschichte ganz zu schweigen. „Wir hatten auch Teilnehmer, die abgesprungen sind“, sagt Fleige. Sie bescheinigt dem Projekt dennoch einen Erfolg. „Die Teilnehmerinnen und Teilnehmer haben Kontakt zu anderen Stadtführerinnen und Stadtführern geknüpft, es ist ein richtiges Gruppengefühl entstanden.“
Weitere Informationen und Kontaktformular unter: www.stadtfuehrung-neu-gedacht.de sowie bei Sandra Fleige unter der Adresse s.fleige@weil-der-stadt.de per Mail.