Weil im Schönbuch Ganztagsbetreuung für Erstklässler startet – Bürgermeister findet klare Worte
Weil im Schönbuch organisiert die Ganztagsbetreuung für Erstklässler. Der Bürgermeister findet klare Worte zum neuen Rechtsanspruch.
Weil im Schönbuch organisiert die Ganztagsbetreuung für Erstklässler. Der Bürgermeister findet klare Worte zum neuen Rechtsanspruch.
Vom kommenden Schuljahr an haben Eltern von Grundschulkindern einen Rechtsanspruch auf Ganztagsbetreuung – während der Schulzeit, aber auch in den Ferien. Die Verwaltung in Weil im Schönbuch hat ein Konzept erarbeitet, wie dieses Gesetz für die Gemeinde mitsamt der Ortsteile Neuweiler und Breitenstein erfüllt werden kann. Das Besondere daran: „Wir ermitteln den Bedarf der Eltern und versuchen, ihn passgenau zu treffen“, sagte Bürgermeister Wolfgang Lahl in der jüngsten Gemeinderatssitzung. „Bei der Größe unserer Gemeinde können wir so handeln, das ist unsere Stärke.“
Welche Angebote die Eltern ab September benötigen, hat die Verwaltung bereits abgefragt – und zwar nicht nur von den Eltern der künftigen Erstklässler, für die der Rechtsanspruch gilt, sondern auch von den darüberliegenden Jahrgängen, da die Gemeinde die Betreuung allen ermöglichen will. Ausgehend von diesen Zahlen wird nächstes Schuljahr in Weil im Schönbuch und Breitenstein das Angebot „Kernzeit plus“ bis 15 Uhr angeboten.
In Neuweiler muss die Betreuung nach der Kernzeit um 14 Uhr enden, da dort nur zwei Familien Bedarf angemeldet haben. Die Aufsichtspflicht würde dennoch zwei Fachkräfte voraussetzen, erklärte die pädagogische Gesamtleiterin Sandra Thelen-Boigs. „Das wäre eine Eins-zu-Eins-Betreuung, das ist nicht darstellbar“, sagte sie und kündigte an, mit den betroffenen Eltern nach Lösungen zu suchen.
Bürgermeister Lahl betonte, dass das nicht bedeute, dass in Neuweiler niemals lange Betreuung angeboten werde. Der Bedarf werde jährlich abgefragt, das Angebot könne angepasst werden.
„Bei der Größe unserer Gemeinde können wir so handeln, das ist unsere Stärke.“
Wolfgang Lahl, Bürgermeister
Herausfordernder, sagte Thelen-Boigs, sei die Organisation der Ferienbetreuung, die 35 künftige Erstklässler nutzen sollen. Der Gesetzgeber lässt 20 Schließtage zu, an 47 Ferientagen muss die Gemeinde eine Betreuung von täglich acht Stunden auf die Beine stellen. Die Idee, die Ferienbetreuung extern auszugliedern, scheiterte: Die Waldhaus-Jugendhilfe, die bereits Feriencamps anbietet, lehnte ab.
Stattdessen wurde eine interne Lösung gefunden, bei der Kernzeitbetreuung und Hort kooperieren. „Das können wir durch die Aufstockung vorhandener Arbeitsverträge stemmen“, erklärte Thelen-Boigs. Familien können die Betreuung wochenweise buchen; die Gebühren liegen bei 110 Euro.
Die Kosten, die der Gemeinde durch zusätzliches Personal für die neue „Kernzeit plus“ und die Ferienbetreuung entstehen, werden im ersten Jahr mit 40.000 Euro kalkuliert; hinzu kommen Mehrkosten bei Reinigung und Sachmitteln. Künftig, wenn die Ferienbetreuung auch weiteren Jahrgängen ermöglicht wird, werden die Kosten steigen, kündigte Lahl an.
Der Bürgermeister äußerte seinen Unmut darüber, wie der Rechtsanspruch eingeführt wurde. „Der Bund macht ein Gesetz und wälzt es auf die Kommunen ab, die nicht wissen, wie sie es stemmen sollen.“ Stichwort: leere Kassen, Personalmangel. Bei der Planung seien die Kommunen im „luftleeren Raum“ geschwebt ohne konkrete Anweisungen des Landes – wohl deshalb, damit es entsprechend des Konnexitätsprinzips zwischen Land und Kommunen „wer bestellt, bezahlt“ keine Kosten tragen müsse. Inzwischen gebe es aber Signale, dass sich das Land beteilige, „das ist schön“. Lahl betonte: „Wir sind eine familienfreundliche Gemeinde, wir kriegen das hin. Aber es ist eine echte Herausforderung.“