Ins Zentrum von Weil fahren sie mit dem Auto nun acht Kilometer, statt 700 Meter. Fußgänger und Radfahrer werden über Feldwege umgeleitet, ihre Strecke verlängert sich um einen halben Kilometer. Der Schulbus fährt die Siedlung nicht mehr an, Schüler sollen auf die Schönbuchbahn ausweichen.
Grund für die Sperrung ist die Renaturierung der Schaich, die unter der Straße hindurchfließt, inklusive Neubau der Brücke. Vor allem die Dauer der Sperrung beunruhigt Anwohner. Sie kritisieren die Kommunikation der Gemeinde und ärgern sich über die Beschilderung.
Abrupte Bremsmanöver
Einer der Anwohner ist Karl-Heinz Steinlen. „Autos mussten abrupt abbremsen, damit sie nicht in die Absperrung reinfuhren“, beobachtete er in den ersten Tagen. Offenbar wussten sie nichts von der Baustelle. Auf Facebook beschwert sich ein Mann, dass sein Hof keine Wendeplatte sei. Für die Situation verantwortlich machen beide die Beschilderung, die nicht klar genug auf die Baustelle und die Umleitungen hinweise.
Beschilderung soll noch besser werden
„Die Beschilderung war am ersten Tag ganz schlecht“, gibt Bürgermeister Wolfgang Lahl den Kritikern recht. Man habe nachgebessert. Tatsächlich prangen an der B 464 aus Tübingen kommend und am Ortseingang große Schilder, die darauf hinweisen, dass die Durchfahrt in der Siedlung gesperrt ist. Die Gemeinde plant noch mehr. „Wir wollen die Autofahrer noch früher darauf hinweisen, dass es nicht weitergeht, sodass sie noch abbiegen können“, sagt Lahl.
Bei einem Besuch vor Ort wird noch etwas deutlich: „Wir waren total überrascht“, sagt Maria Münkel. „Es kam für uns sehr plötzlich“, meint eine 41-Jährige, die ihren Namen nicht in der Zeitung lesen will. Am Freitag, vier Tage nach Beginn der Bauarbeiten, habe er einen Infozettel im Briefkasten gehabt, berichtet Steinlen. Bürgermeister Lahl verweist darauf, dass die Maßnahme Thema im Gemeinderat war und circa eineinhalb Wochen vor Beginn im Gemeindeblatt kommuniziert worden sei. „Man kann aber immer was besser machen“, räumt er ein.
Fußgänger und Radfahrer dürfen Straße früher wieder benutzen
Fest steht, dass die Sperrung für die Siedlungsbewohner eine Herausforderung darstellt. „Das ist schon eine große Einschränkung“, sagt die 41-Jährige, die aber auch Verständnis für die Maßnahme signalisiert. Sie hätte sich allerdings gewünscht, dass die Arbeiten früher beginnen, weil sich in der warmen Jahreszeit die Strecke besser mit dem Rad überbrücken lasse.
Lahl kann den Unmut nachvollziehen, sagt aber: „Ich halte den Umweg für Autofahrer zumutbar.“ Sie wie die Fußgänger und Radler über die Feldwege zu leiten, sei keine Option. „Auf den schmalen Wegen ist eine Parallelnutzung undenkbar.“ Zumal im Notfall Einsatzfahrzeuge über diese Wege zum Roten Berg fahren. Im Gegensatz zu Autofahrern müssen sich Fußgänger und Radfahrer nicht so lange gedulden, bis sie die Straße ins Zentrum wieder nutzen dürfen. Für sie soll möglichst noch vor Beginn des Winters der Durchgang wieder frei sein. „Damit die Kinder nicht im Dunkeln über Feldwege zur Schule laufen müssen“, sagt Lahl.
Amphibien kommen künftig weiter
Bereits im Frühling mit den Arbeiten zu beginnen sei keine Option gewesen, weil für Eingriffe in die Gewässerökologie nur ganz bestimmte Zeitfenster zur Verfügung stünden, erklärt Lahl. Die Schaich fließt derzeit noch in einem Rohr unter der Straße hindurch. Das Problem: Dort kommen laut Lahl keine Amphibien durch. Das soll sich nach der Umgestaltung ändern. Das Rohr werde durch einen Quader ersetzt, der am Boden mit Sedimenten versehen sei. Die Schaich soll außerdem auf der östlichen Seite nach Norden verlegt werden und künftig durch die Wiese mäandern. Rund 1,3 Millionen Euro gibt die Gemeinde laut Lahl dafür aus – und sammelt Punkte auf ihrem Ökokonto. Die sie wiederum für das Baugebiet Bäumlesgarten „ausgeben“ könnte.
Während die ökologische Verbesserung der Schaich sicher gut tut, müssen die Anwohner mit der Situation erst mal klar kommen. Steinlen überlegt bereits, ob sich ein Lieferservice vom Supermarkt in die Siedlung organisieren ließe und die 41-jährige sieht zumindest einen positive Aspekt: Wegen der Sperrung würden „deutlich weniger Autos“ an ihrem Haus vorbeirasen.
Weitere Baustellen rund um Weil im Schönbuch
Neuweiler
Wer nicht auf der B 464, sondern über die Weiler Teilorte zurück nach Böblingen fährt, sieht sich zwischen Neuweiler und Breitenstein einem Wirrwarr an Baustellen- und Umleitungsschildern ausgesetzt. Die Ortsdurchfahrt Neuweiler wird noch bis 2025 erneuert. Nach Schönaich ist aktuell keine Weiterfahrt möglich, weil die L 1185 zwischen Schönaich und Waldenbuch noch bis Mitte Oktober saniert wird.
Breitenstein
In der entgegengesetzten Richtung geht es an Breitenstein vorbei. Dann ist allerdings nur der Abzweig nach Schönaich möglich, in Richtung Holzgerlingen ist die Straße noch bis voraussichtlich 8. September voll gesperrt. Dort wird unter anderem eine Bushaltestelle ausgebaut und die Fahrbahn saniert.