Weilheim Bürger wollen über Limburghalle entscheiden

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Eine Bürgerinitiative will in Weilheim den vom Gemeinderat beschlossenen Abriss der Limburghalle und einen Hallen-Neubau im Zentrum verhindern. Sie strebt einen Bürgerentscheid an. 1800 Unterschriften sind schon gesammelt worden.

Die  Zukunft der Limburghalle rückt  in Weilheim zurzeit in den Mittelpunkt der Diskussionen. Foto: Horst Rudel
Die Zukunft der Limburghalle rückt in Weilheim zurzeit in den Mittelpunkt der Diskussionen. Foto: Horst Rudel

Weilheim - Der im Dezember gefasste Beschluss des Weilheimer Gemeinderats, die Limburghalle abzureißen und im Stadtzentrum eine neue Fest- und Sporthalle zu bauen, stößt in der Bevölkerung auf Widerstand. Eine Initiative hat bereits mehr als 1800 Unterschriften gegen das Vorhaben gesammelt und strebt einen Bürgerentscheid zu dem Thema an. Sie will, dass die Limburghalle saniert wird.

Albert Englert ist einer der Initiatoren, die für die Erhaltung des 1962 eingeweihten Gebäudes kämpfen. Der Architekt aus Weilheim bezeichnet es als „Schande“, würde die Limburghalle abgerissen. Sie verfüge, anders als von der Stadtverwaltung behauptet, über eine gute Substanz. Davon habe er sich zum einen selbst überzeugt, zum anderen sei es ihm von einem erfahrener Bauingenieur bestätigt worden, sagt Englert. Er geht davon aus, der Weilheimer Bürgermeister Johannes Züfle sei bei der Beurteilung des Hallenzustands „falschen Propheten aufgesessen“. Für ihn und seine Mitstreiter ist das Gebäude am Helfersbergweg „eine hervorragende Veranstaltungshalle mit guter Gastronomie“.

Städtebauliche Zweifel wegen neuer Halle

Doch es ist nicht das einzige Argument, das die Bürgerinitiative gegen einen Abriss und den damit verbundenen geplanten Bau einer innenstadtnahen kombinierten Sport- und Festhalle ins Feld führt. Diese lasse sich verkehrsmäßig nur schwer erschließen und trotz der darunter vorgesehenen Tiefgarage befürchtet Englert künftig einen Parkplatzmangel. Ins Stadtbild passe das geplante Bauwerk ohnehin nicht, es „erschlägt“ seiner Ansicht nach die für Weilheim identitätsstiftende Peterskirche. Außerdem würde eine Sanierung der Limburghalle, die schrittweise vorgenommen werden könne, die Stadt 3,5 Millionen Euro weniger kosten als der Neubau.

Schon dieser Kostenberechnung widerspricht der Bürgermeister Johannes Züfle entschieden. Zwar sei es richtig, dass die neue Halle rund 10,5 Millionen Euro koste, wogegen eine Sanierung der Limburghalle mit vorsichtig geschätzten 7,2 Millionen Euro zu Buche schlagen würde. Doch bei den Kosten für einen Neubau sei die Investition von 1,5 Millionen Euro für eine ohnehin benötigte Tiefgarage bereits eingerechnet. Diese stünde nicht nur Hallennutzern, sondern auch den Lehrern der nahen Limburgschule und den Besuchern der Innenstadt zur Verfügung.

Rund drei Millionen Euro durch Grundstücksverkäufe

Außerdem ließe sich nach dem Abriss der Halle am Helfersbergweg auf einer Fläche von rund 1,4 Hektar ein „schönes Wohngebiet“ erschließen – allein aus dem Verkauf der im Besitz der Stadt befindlichen Grundstücke ergebe sich dann eine Refinanzierung von mehr als drei Millionen Euro, erklärt der Rathauschef.

Eine schrittweise Sanierung der Limburghalle ist Züfles Ansicht nach nicht möglich: „Wir brauchen ein grundlegendes Sanierungskonzept aus einem Guss für Elektrik, Lüftung, Heizung, Fenster und Dach.“ Eine Ertüchtigung peu à peu, wie von der Initiative angeregt, „funktioniert nicht“, ist Züfle überzeugt. Damit wäre die Halle zwei bis drei Jahre lang geschlossen, wogegen während der Bauzeit für eine neue Halle am vorgesehenen Standort die alte weiterhin genutzt werden könne.

Mehr als 1800 Unterschriften gesammelt

Außerdem hätten die Weilheimer nach einer Sanierung weiterhin eine Veranstaltungshalle ohne Tageslicht und ohne Blick nach draußen. Eine neue Halle mit großer Glasfassade biete hingegen eine schöne Sicht auf die Lauter und das Rathaus, wirbt der Bürgermeister für das vom Gemeinderat mehrheitlich befürwortete Vorhaben der Stadtverwaltung. Die Limburghalle habe zudem einiges von ihrer einstigen Attraktivität eingebüßt: „Die Stadtkapelle ist draußen, ebenso die Musikschule, und die Kegelbahnen sind seit einiger Zeit aus Brandschutzgründen stillgelegt.“ Englerts städtebauliche Zweifel lässt Züfle ebenfalls nicht gelten: Die im Zentrum geplante Halle sei „deutlich flacher“ als die benachbarte Limburgschule und die Wohn- und Geschäftshauszeile an der Bissinger Straße.

Albert Englert und seine Mitinitiatoren spüren „ganz massiv“, dass viele Bürger die Limburghalle behalten möchten. Das hätten sie mit mehr als 1800 Unterschriften kundgetan. Die sollen Anfang März eingereicht werden und zu einem Bürgerbegehren führen. Um über dieses vom Gemeinderat entscheiden zu lassen, würden in Weilheim schon rund 540 gültige Unterschriften reichen. Wenn das Gremium dann beschließt, einen Bürgerentscheid durchzuführen, müssten mindestens 20 Prozent der rund 7700 stimmberechtigten Weilheimer – also etwa 1550 – für das Anliegen der Bürgerinitiative votieren, um die Limburghalle zu erhalten. Albert Englert ist zuversichtlich, dass das zu schaffen ist: „Aber wir müssen die Leute natürlich dazu bringen, zur Wahl zu gehen.“