Weilimdorf „Es ist eben ein altes Häusle und keine Villa“

Der alte Ortskern von Weilimdorf: die Oswaldkirche, das alte Schulhaus und das alte Rathaus (v.l.). Foto: Leonie Hemminger
Der alte Ortskern von Weilimdorf: die Oswaldkirche, das alte Schulhaus und das alte Rathaus (v.l.). Foto: Leonie Hemminger

Der Bauantrag für die Sanierung von altem Rathaus und altem Schulhaus wird eingereicht.

Nordrundschau: Leonie Hemminger (lem)
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Weilimdorf - Stück für Stück rückt die Sanierung der beiden historischen Gebäude im Herzen Weilimdorfs näher. Fast zwei Jahre haben die Bürger vor Ort dafür gekämpft, dass das alte Rathaus und das alte Schulhaus von der Stadt nicht verkauft und stattdessen für das Gemeinwesen ausgebaut werden. „Nun stehen wir unmittelbar vor der Eingabe des Bauantrags“, sagt der zuständige Architekt Michael Hilse von der Werkgemeinschaft Böhme Hilse.

Vergangene Woche haben sich Vertreter des Vereins Pro Alt-Weil, des Hochbauamtes, des Amtes für Liegenschaften und Wohnen, des Kindergartens Regenbogen, des Heimatkreises sowie die Bezirksvorsteherin Ulrike Zich und der Architekt Hilse zusammengesetzt und ihr Plazet zu der Planung gegeben. „Damit wollen wir sicherstellen, dass die Dinge so wie sie jetzt geplant sind nachher noch gelten“, sagt Zich. Auch das Denkmalschutzamt signalisierte Zustimmung. Allerdings wird es noch eine Weile dauern, bis der Bauantrag genehmigt ist. Hilse rechnet mit einem Jahr Bearbeitungszeit.

Das Nutzungskonzept, das vom Verein Pro Alt-Weil und dem Architekten Hilse erarbeitet wurde, sieht vor, die beiden Gebäude in drei Stufen zu sanieren. Auf diese Weise können die Kosten auf verschiedene Haushalte verteilt werden. Für den ersten Bauabschnitt hat der Gemeinderat bereits 789 000 Euro bewilligt. Ob in den darauf folgenden Doppelhaushalten die Bauabschnitte zwei und drei mit veranschlagten Kosten in Höhe von 456 000 Euro und 243 000 Euro genehmigt werden, bleibt abzuwarten. „Davon träumen wir im Moment“, sagt Edeltraud John, die Vorsitzende von Pro-Alt-Weil.

„Es ist eben ein altes Häusle und keine Villa“

Im ersten Schritt werden jene baulichen Änderungen abgearbeitet, die notwendig sind, um baurechtlich genehmigungsfähig zu sein. „Die Maßnahmen werden sich aber nicht in der Schönheit der Gebäude niederschlagen“, sagt Ulrike Zich. Nach der Sanierung hätten die Weilimdorfer aber ein betriebsfertiges Gebäude. „Es ist eben ein altes Häusle und keine Villa“, ergänzt Edeltraud John. Wesentlich seien die Möglichkeiten, die sich im Inneren des Gebäudes auftun.

Diese sind vielfältig. In dem 1605 erbauten, denkmalgeschützten alten Rathaus soll im Erdgeschoss Kinderbetreuung angeboten werden. Im ersten Stock bekommt der Heimatkreis einen Raum. Außerdem wird dort ein Veranstaltungsraum für bis zu 40 Personen eingerichtet. Im zweiten Obergeschoss kann der Heimatkreis sein Archiv unterbringen. Der Luftschutzkeller und die Arrestzellen im Dachgeschoss bleiben erhalten.

Im 1705 erbauten Schulhaus können Vereine oder andere Institutionen künftig einen Saal im Erdgeschoss nutzen. Daneben werden eine Werkstatt für die Kindertagesstätte Regenbogen sowie Toiletten eingerichtet. Der Zugang wird barrierefrei gemacht. Den ersten Stock nutzt weiterhin der Kindergarten. Um einen weiteren Fluchtweg zu schaffen, wird eine zweite Treppe gebaut. Das Gerüst rund um das alte Schulhaus kann daher abgebaut werden. Abschließend wird eine Verbindung zwischen den beiden Gebäuden geschaffen, die vom ersten Stock des alten Rathauses ins Erdgeschoss des alten Schulhauses führt. Um die Kosten im Rahmen zu halten, will Michael Hilse einen Antrag auf Befreiung von einer energetischen Sanierung stellen. „Das ist unvereinbar mit dem Denkmalschutz. Zudem wäre unser Budget nicht einzuhalten“, sagt der Architekt.

Die Bezirksvorsteherin Ulrike Zich hofft, dass sich einige Bürger finden, die bei einfachen handwerklichen Tätigkeiten wie zum Beispiel Streichen oder Tapezieren mit anpacken. „Es wäre schön, wenn man dafür Weil­imdorfer gewinnen könnte“, sagt sie. „Dann könnte man ein paar Sachen realisieren, für die sonst kein Geld da wäre.“ Nicht zuletzt sei es auch eine Gelegenheit, um mit anderen Bürgern aus dem Stadtbezirk in Kontakt zu kommen und vielleicht sogar neue Freunde zu finden.

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