Wein, Wandern und Genuss Genuss-Runden durch das Bottwartal
Stopps zum Wein-Kosten und poetische Einlagen: Die besondere Mischung von „Wein, Wandern und Genuss“ hat viele angesprochen.
Stopps zum Wein-Kosten und poetische Einlagen: Die besondere Mischung von „Wein, Wandern und Genuss“ hat viele angesprochen.
„So, der Wein ist kaltgestellt, es kann losgehen.“ Jürgen Wirth schaute zufrieden. Am Stand der Bottwartaler Winzer, hoch oben am Benning, hatte er noch mehr zu bieten als den Rebensaft. Vor allem eine Station mit unschlagbarer Aussicht auf einem der beiden Rundwege „Wein, Wandern und Genuss“, zu denen die Tourismusgemeinschaft Marbach Bottwartal am Sonntag eingeladen hatte.
Das sahen auch die Wanderer, die hier vorbeikamen. „Das ist wunderbar hier,“ sagte Antje. „Ich nehme einen Wein und dann setzen wir uns gleich vorne auf die Aussichtsplattform.“ Um die Blicke weit schweifen zu lassen, vom Stromberg im Westen bis zum Fernsehturm und Schurwald im Süden. Die Station am Benning gehörte zum Rundweg, der mit Start in Großbottwar gewissermaßen um Kleinbottwar herumführte, durch die großen Weinlagen, dann über das Bioweingut Forsthof und das Weingut Waldbüsser zum Ausgangspunkt zurück. Der andere Weg führte um Beilstein und Schmidhausen herum, umrundete die Burg und machte Station in den Weingütern Gemmrich,, Kircher, Sankt Annagarten und im Schlossgut Hohenbeilstein. Zwei attraktive Angebote in einer Landschaft, die manche als schwäbische Toskana preisen.
Ganz früh waren Brigitte und Ralf zum Benning aufgebrochen, schon kurz nach 10 Uhr. Sie kamen aus Korntal, waren also schon ein Stück angereist. „Wir wandern hier auch sonst immer gerne.“ Sehr sportlich war auch Andrea aus Oberstenfeld unterwegs, von dort war sie schon um 10 Uhr losgelaufen. „Vielleicht gehe ich später auch noch die Beilsteiner Runde,“ sagte sie mit einem Lächeln.
Auch Wanderer aus Gerlingen machten an diesem Stand Rast. Die gut gelaunte Miryam meinte: „Dieser Wein hier ist so gut, allein dafür lohnt es sich schon herzukommen.“ Drei Mal Grauburgunder, einmal Spätburgunder. Oder doch lieber einen Sekt?
Jürgen Wirth stand den ganzen Tag am Stand, ist selber Winzer und im Aufsichtsrat der Bottwartaler Winzer. Mit einem firmeneigenen Fahrzeug war der Stand den steilen Weg bis auf 350 Meter Höhe hochgezogen worden, dazu Stromaggregate für die Kühlung. Auch Fingerfood und Würstchen wurden angeboten. Wirth sagte: „Mir gefällt das, hier draußen, bei den Leuten sein…“
Neben süffigem Wein und malerischen Weinbergen kam die Kultur auf beiden Runden nicht zu kurz. Zum Beispiel im Weingut Forsthof: In einem stilvollen, Ambiente, einem früheren Nebengebäude, trat jeweils zur vollen Stunde die Schauspielerin Dorothea Baltzer auf, insgesamt vier Mal. Ihr Thema: ebenfalls der Wein. Sie schoss ein kleines Feuerwerk an Zitaten und kleinen Geschichten rund um den Wein ab.
Dorothea Baltzer konnte eine illustre Reihe literarischer Größen anführen, die den Lobgesang auf den Rebensaft angestimmt haben. Beginnend mit Shakespeare – der zum Schluss kam, wer Wein trinke, der sündige nicht – über Schiller und Goethe bis hin zum schwäbischen Dichterpfarrer Eduard Mörike, der mit seiner „Weinlust“ ein Gedicht mit Anspielungen geschrieben hat. Die Schauspielerin sprach ausdrucksstark, die Pointen kamen gut an. So auch beim abschließenden „Streitgespräch“ zwischen Wasser und Wein, bei dem der letztere zum Schluss zugeben musste, das helle, geschmacklose Getränk sei „Meister“, wässere es doch selbst ihn, den Rebstock.
Man konnte den Weg natürlich auch entgegen der vorgeschlagenen Uhrzeiger-Richtung gehen. Das machten Albrecht und Doris aus Ludwigsburg. Sie waren mit ihren E-Bikes bis Kleinbottwar geradelt und dort auf die Route eingestiegen. „Zu Mittag haben wir im Forsthof gegessen, jetzt geht es über den Benning und später am Nachmittag dann Kaffee und Kuchen im Weingut Waldbüsser,“ sagte Doris.
Das Weingut Waldbüsser hat einige Erfahrung mit Wein, Wandern und Genuss. Steffen Waldbüsser, der Inhaber, meinte: „Wir sind schon seit etlichen Jahren dabei. “ Er hat beobachtet, dass „die große Welle immer zwischen 2 Uhr und 3 Uhr zu uns kommt.“ Tatsächlich lockte der freundliche Außenbereich mit Schattenplätzen unter Ahornbäumen schon vorher etliche Besucher an.
Und auch hier Kultur: Marius Loy, Autor aus Esslingen, baden-württembergischer Vizemeister im Poetry-Slam, gab Gedichte zum Besten. Der Künstler, der seine Texte mit überraschenden, dabei aber unterhaltsamen Tempowechseln vorträgt, dichtet auch zu sportlichen Themen, zum Beispiel zur erfolgreichen Saison des VfB Stuttgart. Da fühlte sich einer, der sonst immer das fünfte Rad am Wagen war, plötzlich in der Fankurve im Stadion freundlich aufgenommen. Dabei gelangen Loy interessante Sätze. Da „spannt die Abendsonne ihr spätes Licht als einen roten Brustring“ über die Szene, und in Stadion sah er „eine schimmernde Perle: die beste Kurve der Republik.“