Dem Negativtrend zum Trotz. Der Eltinger Wengerter Martin Hartmann schenkt an zwei Wochenenden in seinem Hof verschiedene Weine aus.

Leonberg: Thomas K. Slotwinski (slo)

In Gerlingen gibt es immerhin noch zwei Besen: Die Familien Schopf und Volz laden stets in der warmen Jahreszeit zum Sommerbesen ein. Die Weinlaube im Brückle wie auch das Weinhöfle in den Grundwiesen haben noch bis zum 24. Juli geöffnet.

 

Coronapandemie bereitet Probleme

In Leonberg hingegen ist diese urige Form der zeitlich begrenzten Bewirtschaftung auf dem Rückzug. Nachdem zu Beginn der Coronazeit im April 2020 Brigitte und Herbert Hartmann ihre beliebte Weinstube Weidenbusch in der Renninger Straße geschlossen hatten, blieb nur noch der Besen von Stefan Hartmann übrig, der nur ein paar Häuser weiter wohnt und dort normalerweise vor Ostern und im Herbst Fasswein ausschenkt und rustikale Speisen reicht.

Wegen der Pandemie mussten Stefan Hartmann und seine Frau Anja neue Wege gehen. Um mehr Platz zu haben, verlegten sie Tische und Bänke ins Freie. Das hatte gut funktioniert, obwohl es im vergangenen November und in der Vor-Osterzeit doch noch recht frisch draußen war. Die Leute hatten sich halt warme Jacken angezogen.

Am Hitze-Wochenende geht’s ins Freie

Zumindest solche Probleme hat Martin – und jetzt kommt der dritte Hartmann aus Eltingen ins Spiel – nicht. Der Sohn von Brigitte und Herbert Hartmann ist ambitionierter Wengerter, der in den Hängen am Ehrenberg gleich mehrere Sorten anbaut. Doch seitdem die Weinstube seiner Eltern geschlossen ist, läuft es mit dem Absatz nicht mehr so gut. Also haben Martin Hartmann und seine Partnerin Ivonne Dombrowski aus der Not eine Tugend gemacht und starten im Privathaus in der Balinger Straße 33 mit einer Besenwirtschaft. Geöffnet hat sie an den kommenden zwei Wochenenden, jeweils von Freitag bis Sonntag.

Hartmann keltert seine Weine unter dem Markennamen „Eltinger Keller“ und nennt auch seinen Besen so. Doch im Keller sitzen muss am kommenden Hitze-Wochenende niemand. Die Familie hat im Hof des Hauses im Ezach überdachte Tische und Bänke, umrankt von Weinreben, aufgebaut.

Von Spätlese bis Auslese

Das Weinangebot ist für einen Besen ausgesprochen vielfältig und reicht von der Riesling Spätlese, über den Lemberger Weißherbst Spätlese bis zum roten Lemberger Auslese. „Natürlich gibt es auch den klassischen Fasswein“, sagt Hartmann. „Aber wir möchten unseren Gästen schon etwas Vielfalt anbieten. Dazu gibt es die klassische Besenküche, sei es jetzt Siedfleisch, Bauernbratwürste oder Käsewürfel.“

Der echte Besen, der über dem Eingang hängt, ist übrigens eine Erinnerung an die gute alte Zeiten auf dem Ehrenberg. Hier hatte die Familie Hartmann in den Achtzigern und Neunzigern in ihrem Wengerterhäusle einen Besen betrieben. Und der war von der Lage und der Atmosphäre her so einzigartig, dass auch viele Gäste aus Stuttgart kamen.

Echter Besen von 1993

„Genau dieser Besen hat zum letzten Mal 1993 an unserer Scheuer gehangen“, sagt Hartmann, der ihn sorgsam aufbewahrt hat. Dass der historische Stiel jetzt über der Balinger Straße hängt, ist ein gutes Zeichen.