Weinbau im Neckartal Mehr Geld für den Steillagenweinbau

Von Elke Hauptmann 

Weil Weinbau in Steillagen unrentabel ist, besteht die Gefahr, dass auch die letzten Hänge sukzessive aufgegeben werden. Das Land will mit einem neuen Förderprogramm die Kulturlandschaft erhalten.

Weinbau in Steillagen ist ein mühseliges Geschäft – und deshalb  unrentabel. Foto: dpa
Weinbau in Steillagen ist ein mühseliges Geschäft – und deshalb unrentabel. Foto: dpa

Rohracker - D ie steilen Südhänge in Rohracker werden seit fast 800 Jahren für den Weinbau genutzt. Aufgrund der fehlenden Flurbereinigung werden die Reben in den Lagen Burghalde, Dürrbach, Engenberg, Pfauweid und Speidel heute noch ausschließlich in terrassierten Mauernweinbergen angebaut. Und das geht nur in aufwendiger Handarbeit, der Einsatz von Maschinen ist nicht möglich. Es sind Idealisten wie Markus Wegst, die diese kleinteiligen Flächen im Nebenerwerb bewirtschaften. Leben kann man davon nicht, dafür müsste der Preis für eine Weinflasche deutlich über dem heutigen Betrag liegen – und der Verbraucher bereit sein, diesen zu bezahlen. Dennoch schwärmt der Aufsichtsratsvorsitzende der Weingärtnergenossenschaft Rohracker von der Arbeit im steilen Wengert: „Es ist eine Herausforderung, die Spaß macht. Denn unsere Landschaft lebt.“ Charakteristisch für die Rohracker Weinberge sind die Trockenmauern, die eine reichhaltige Flora und Fauna bieten.

In Baden-Württemberg gibt es rund 7000 Hektar Steillagen mit über 30 Prozent Hangneigung, davon etwa 1000 Hektar terrassierte Mauerweinberge. Tendenz sinkend. Nur noch rund fünf Prozent der gesamten Weinbaufläche im Land sind Terrassen- und Steilstlagen. Weil Weinbau dort unrentabel ist, besteht die Gefahr, dass auch die letzten Hänge sukzessive aufgegeben werden. Doch es wird gegengesteuert: „Es ist eine gesellschaftliche Aufgabe, die ökologisch wertvollen Weinbausteillagen und gewachsenen Weinbaukulturlandschaften zu erhalten“, betont Landwirtschaftsminister Peter Hauk. Bei einer Veranstaltung des Europe Direct Informationszentrums Stuttgart über die Europäische Weinbaupolitik vergangene Woche in der Rohracker Kelter verwies er auf ein neues Förderprogramm des Landes zur Stärkung der Weinbausteillagen.

Von rund 548 Hektar Rebfläche sind rund 114 Hektar Steillagen

Bislang wurden diese vom Land lediglich mit 900 Euro je Hektar und Jahr gefördert, ab 2018 sind bis zu 3000 Euro je Hektar und Jahr vorgesehen. Dieser Zuschuss solle „ein Stück Anerkennung und Motivation“ sein, so Hauk. Die Antragsteller müssen sich für fünf Jahre verpflichten, an dem Programm teilzunehmen. Förderfähig sind sehr steile Weinberge mit einer überwiegenden Hangneigung ab 45 Prozent sowie Terrassenweinberge, die von Hand bewirtschaftet werden müssten. „Mit dem neuen Programm sollen auch Kleinststrukturen gefördert werden, um den Steillagenweinbau in der Fläche zu erhalten“, sagte der Minister. Bereits ab fünf Ar kann ein Zuschuss beantragt werden, der Mindestauszahlungsbetrag liegt bei 150 Euro. Bereits Ende vergangenen Jahres konnten Betriebe ihre Absicht zur Teilnahme am Förderprogramm anzeigen, bis zum 15. Mai müssen sie die entsprechenden Unterlagen einreichen. „Für dieses Jahr gehen wir von einer beantragten Fläche von bis zu 350 Hektar aus, die in den nächsten Jahren weiter wachsen wird“, so Hauk. Der Einstieg in das Förderprogramm sei auch in den Folgejahren möglich. Es ist davon auszugehen, dass ein Großteil der Stuttgarter Wengerter das Angebot annehmen wird. Denn der Anteil der Steillagenweinberge in der Landeshauptstadt ist nicht gering: Von rund 548 Hektar Rebfläche sind rund 114 Hektar Steillagen. Allein die Terrassenweinberg-Lage „Zuckerle“ in Bad Cannstatt, Münster und Mühlhausen ist etwa 30 Hektar groß.

Die 30 Rohräcker WG-Mitglieder bewirtschaften insgesamt fünf Hektar Steillagen. Sie haben laut dem Geschäftsführenden Vorstand der Genossenschaft, Edgar Veith, bereits ihr Interesse an dem Bewirtschaftungszuschuss bekundet. Auch Wengerter Fritz Raith, der hauptberuflich in Mühlhausen drei Hektar Steillagen hegt und pflegt, hat sich dafür angemeldet. Er rechnet damit, dass viele seiner Kollegen mitziehen werden. Die Haupt- und Nebenerwerbswengerter des Weinfactum Bad Cannstatt bearbeiten immerhin noch rund 18 Hektar Steillagen, die der Weinmanufaktur Untertürkheim 4,5 Hektar, die des Collegium Wirtemberg etwa 7,5 Hektar. Für das städtische Weingut, das über fünf Hektar Steillagenweinberge verfügt, komme das Förderprogramm aufgrund der Besitzerstruktur indes nicht infrage, meint Weingut-Leiter Timo Saier.

Die EU unterstütze den deutschen Weinbau übrigens mit jährlich 40 Millionen Euro, sagte Jens Schaps, Direktor der Generaldirektion Landwirtschaft der EU-Kommission bei der Veranstaltung, die der Frage nachging: „Welchen Weinbau wollen wir uns leisten?“ Allein zehn Millionen Euro davon würden nach Baden-Württemberg fließen. Die Investition zahlt sich seiner Einschätzung nach aus: „Die Weinqualität ist in den vergangenen zehn Jahren deutlich gestiegen.“ Allerdings stagniert der Weinkonsum. Zuletzt wurden in Deutschland insgesamt 17,2 Millionen Hektoliter Wein getrunken.

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