„Das neue Logo steht für unseren Anspruch, höchste Qualität zu liefern – mit Herkunft, Handwerk und genossenschaftlichem Zusammenhalt“, sagt der Geschäftsführer Martin Kurrle über den tiefgreifenden Veränderungsprozess. Was in den vergangenen Monaten in Weinberg und Keller nachgeschärft worden ist, soll jetzt auch die Kundschaft am Supermarkt-Regal überzeugen – und der in die Krise geschlitterten Genossenschaft einen Weg in eine finanziell erfolgreiche Zukunft weisen.
Der Kunde wählt vor allem nach der Optik aus – und nach dem Verkaufspreis
Der neue Markenauftritt ist die sichtbare Antwort auf eine veränderte Weinwelt: Die Zeiten, in denen Kunden jahrelang treu ihr bewährtes Weinkistle von den örtlichen Erzeugern orderten, sind vorbei. Heute steht der Verbraucher vor einer riesigen Regalauswahl – und wählt nicht zuletzt nach der Optik aus. Mehr als die lokale Herkunft zählen die Aufmachung und der Preis – weshalb die aus Spanien, Italien oder Chile gelieferte Importware immer größere Marktanteile gewinnt.
Das soll sich aus Sicht der Remstalkellerei ändern – weil die nach der Austrittswelle auf 340 Hekar geschrumpfte Genossenschaft bei der Vermarktung wieder Boden gut machen will. Wichtigstes Element des neuen Designs ist ein goldener Tropfen. Er lässt Raum für Interpretationen. Etwa, dass seine geometrischen Formen symbolisch für Parzellen, Rebsorten und Mitglieder stehen und Zusammenhalt ausdrücken.
Der Tropfen, am Wochenende beim Weintreff des Remstal-Tourismus in der Alten Kelter in Fellbach, auch für ein größeres Publikum erstmals zu sehen, soll zum universellen Erkennungszeichen werden, das sich von Etiketten über Plakate, Korken bis hin zu Social-Media-Beiträgen zieht.
Zeitlos passend dazu gibt es einen neuen Schriftzug für die Remstalkellerei. Geschwungene Buchstaben spiegeln die Eleganz der Weine wider; das fließende „S“ symbolisiert die Rems, das wellenförmige Dach des „T“ die Weinberglandschaft. In derselben Schrift präsentiert sich der neue Slogan: „Dein Tal. Dein Wein.“ Er ersetzt den angestaubt wirkenden Vorgänger „höher.fruchtiger.württemberger.“
„Es fehlte nicht viel und wir hätten hier zugeschlossen“, sagt der Aufsichtsratschef
Die Neuausrichtung kommt zur rechten Zeit, denn die Remstalkellerei feiert einen sensationellen Erfolg. Drei von fünf möglichen Trauben hat die Genossenschaft in der 2026er-Ausgabe von Henris Edition erhalten. In der mehr als acht Jahrzehnte währenden Geschichte des Betriebs ist diese Einstufung nicht weniger als eine Sensation.
„Vor ein paar Jahren hat nicht viel gefehlt, dass wir hier zugeschlossen hätten – und jetzt das“, sagt Stefan Altenberger, der in der Kaiserstraße den Aufsichtsratschef macht. Die Remstalkellerei ist der höchste Neueinsteiger bei den Winzer-Genossenschaften in Deutschland. „Aus dem Stand drei Trauben sind äußerst selten“, sagt Altenberger, früher Bürgermeister in Kernen.
Zu tun hat der neue Erfolg allerdings auch mit einem Streichkonzert. Von einst mehr als 200 Produkten wurde das Sortiment fürs Kerngeschäft auf etwa 40 Artikel reduziert. „Wir dürfen uns nicht in der Vielfalt verlieren, sondern müssen uns auf die Dinge konzentrieren, die auch Ertrag bringen“, sagt Martin Kurrle, vom Collegium Wirtemberg gekommen und seit 2022 an Bord.
Schlechtes Image und eine schwierige Historie
Die Genossenschaft hatte in der Tat eine schwierige Historie. Nach dem Weggang der Stettener Weingärtner und dem Scheitern des teuren Neubaus einer Zentralkelter in Grunbach gab es sogar Überlegungen, die Trauben an die Württembergische Weingärtner-Zentralgenossenschaft abzugeben oder den Namen zu ändern, um das schlechte Image abzuschütteln.
Der Name Remstalkellerei steht nun so klar wie nie zuvor in der Geschichte dieser Genossenschaft für Niveau und eine „sauber aufgebaute Kollektion“ – von den Literweinen bis zum Premium-Segment. „Das wird uns auch zurückgespiegelt von unserer Kundschaft“, freut sich Kurrle über „Lob und Anerkennung“ und neue Abnehmer in Fachhandel und Gastronomie.