Weinbau in Weinstadt Mehr Klimaschutz im Wengert

Achim Stilz geht neue Wege im Weinbau – und will andere dafür begeistern. Foto: Frank Eppler info@foto-eppler.de No model release

Durch den Einsatz von Pflanzenkohle will der Bio-Wengerter Achim Stilz aus Weinstadt klimapositiven Wein erzeugen. Wie das funktionieren soll, lesen Sie hier.

Das ist sie also, die Pflanzenkohle, durch deren Einsatz bald die ersten klimapositiven Weintrauben hier wachsen sollen. Interessiert blicken die im Wengert des Weinguts Im Hagenbüchle Versammelten in mehrere Eimer voll des schwarzen Wunderpulvers, das nun dort ausgebracht werden soll. Der Weinstädter Bio-Wengerter Achim Stilz hat dazu zusammen mit dem örtlichen Klimabündnis zu einem Pressetermin eingeladen.

 

Die Pflanzenkohle sieht aus wie zerstoßene Grillkohle

In Reinform sieht die Pflanzenkohle aus wie zerstoßene Grillkohle. Trocken und porös fühlen sich die granulatartigen Stückchen an. Als sogenannte Terra Preta, angereichert mit Kompost und Mikroorganismen, erhält sie eine feinere, feuchte Textur. Davon darf sich jeder, der möchte, selbst überzeugen und sich das schwarze Zeug durch die Finger rieseln lassen. Außer dass man schmutzige Hände bekomme, passiere dabei nichts, sagt Stilz. Absolut unschädlich sei die Pflanzenkohle.

Im Wengert als Terra Preta eingesetzt, verspricht sich Stilz jede Menge positiver Effekte. Die Bodenstruktur verbessern und für mehr Lebendigkeit sorgen solle sie. „Die Kohle ist sehr porös, sodass sie Nährstoffe, Mikroorganismen und Wasser speichern kann. Sie ist eine weitere Puffermöglichkeit im Boden“, erklärt Stilz. Doch nicht nur darum geht es dem Bio-Wengerter. Weil die Pflanzenkohle nicht verrotte, sondern als reiner Kohlenstoff im Boden verbleibe, werde der Atmosphäre dauerhaft Kohlenstoffdioxid entzogen. Hergestellt werde sie aus Hackschnitzeln im sogenannten Pyrolyseverfahren unter Ausschluss von Sauerstoff. Dadurch würde zur Hälfte Gas frei, das thermisch zur Nahwärmeversorgung genutzt werden könne. Und zur anderen Hälfte entstehe Kohle.

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„Es wäre eigentlich für alle Kommunen wichtig und richtig, dass sie statt Häckselplätzen Pyrolyseanlagen bauen“, sagt Stilz überzeugt vom Nutzen der Pflanzenkohle für den Klimaschutz. 2,5 Tonnen möchte er auf zwei bis drei Hektar seiner insgesamt fünf Hektar umfassenden Anbaufläche zunächst ausbringen und dies jährlich wiederholen. „Es kommt darauf an, dass jeder dazu beiträgt - Bürger, Unternehmer, Wengerter“, appelliert Alexander Joedecke an die Verantwortung jedes einzelnen für den Klimaschutz. Daher gebe es im Klimabündnis Weinstadt unter anderem auch ein Team, dass sich um klimafreundliche Betriebe kümmere. Im Zuge dessen habe die Bürgerinitiative den Kontakt zwischen dem Weingut Im Hagenbüchle und den Kohlekumpels vermittelt. Die Kohlekumpels sind ein Start-up aus dem Allgäu, das im November 2020 gegründet wurde.

Die Unternehmensidee stammt von einem Freund

Man arbeite mit ausgewählten Unternehmen zur Herstellung von Pflanzenkohle zusammen und vertreibe diese dann bundesweit, sagt Benny Klose von den Kohlekumpels. Auf die Unternehmensidee sei ein Freund von ihm gekommen. „Denn nur Klimaneutralität und die Ziele der Regierung hierzu reichen nicht aus, wir müssen dauerhaft der Umwelt Kohlenstoffdioxid entziehen“ – etwa durch Pflanzenkohle. Dabei sei in einer Tonne des schwarzen Pulvers 2,5 Tonnen Kohlenstoffdioxid gebunden.

Damit sich der Einsatz der Pflanzenkohle für Landwirte und Weinbauern auch finanziell rechnet, haben die Kohlekumpels für sie ein Label zur Vermarktung ihrer Produkte entwickelt. Dieses garantiert, dass 20 Prozent mehr Kohlenstoffdioxid der Atmosphäre genommen wurde – für rund 3000 Liter Wein wird laut Klose ein Kilogramm Kohlenstoffdioxid ausgestoßen –, als durch die Produktion der Waren entstanden ist.

Idealismus ist gefragt

„Es gehört aber auch Idealismus dazu“, erklärt Achim Stilz, „es braucht Leute, die damit anfangen“ – solche Leute wie ihn eben, die nicht im stillen Kämmerlein neue Wege gehen, sondern ihre Erfahrungen teilen wollen. So nahmen an dem Pressetermin auch Wengerterkollegen von Stilz teil, um so aus erster Hand näheres über Pflanzenkohle zu erfahren.

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